Life

Der Marsch der Geister geht weiter

Ok, ich gebe zu, man muß nicht unbedingt einen Tag eher aus dem Urlaub kommen, um erfolgreich Halloween feiern zu können – aber man ist auch nicht total verrückt, wenn man es tut. Wirklich nicht! Vor allem dann nicht, wenn man einen Ruf zu verteidigen hat.

Mittlerweile haben wir hier eine ständig wachsende Fangemeinde, die jedes Jahr auf´s Neue vorbei kommt, um zu sehen, was die seltsamen Ausländer des Dorfes dieses Jahr wieder mit ihrem Vorgarten angestellt haben. Dieses Jahr ist neben dem obligatorischen Klopapier über den Bäumen, den Kerzen, den Grabsteinen und den Kürbissen noch ein gar fürchterliches lebensgroßes Gespenst dazu gekommen –

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Den Kindern ist es recht. Sie sagen erstaunlich kreative Sprüche („Hör schon auf zu grinsen und gib mir jetzt die Schokolinsen“) auf und greifen in die Schüssel.

Derweil auf unserer Terasse am Feuer eine eingeschworene Gemeinde Eiterbeulen mit Kinderblut vertilgt, während mit leuchtenden Ringen ausgestattete Kinder durch den dunklen Garten rennen.

Ich weiß, ich weiß, das Netz ist voll mit Leuten, die sich über das hirnlose Gebettele aufregt. Geschenkt. Denn die Straßen sind voll mit Kindern, die Spaß haben. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr – was wiederum beweist, das die lieben Netzkollegen unken können wie sie wollen, ändern können sie nichts. Das ist wie bei McDonalds, da wurde auch der Untergang des Abendlandes prognostiziert und wir leben auch noch.

Tja, Pech gehabt, liebe Damen und Herren Kulturpessimisten!

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Das Herz ist willig

Der Autor hat seit jeher die Angewohnheit zu singen. Und zwar immer und überall, gerne auch, wenn wir mit den Kindern unterwegs sind.

So intonierte er letzter Tage im Wald „My heart will go on“ von Celine Dion, sehr zur Freude von Kind Nummer Zwei, der immer und immer und immer noch wieder eine Wiederholung haben wollte, bis Mutter genervt dem einen Riegel vorschob.

Heute nun sprach das Kind ganz unvermittelt:

„Daddy, sing noch mal das Lied.“ Erwartungsvolle Augen von kleinem Kind.

„Was für ein Lied?“ Eher fragende Augen bei den Erwachsenen.

„Na, der Baum kriegt das heart nicht auf.“ Was denn sonst, Vadder?

Womit klar wäre, daß das Waldsterben doch noch andere Ursachen hat als bisher bekannt.

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Individualismus heute

Gestern habe ich mit Frau Lostinabadbook dem Nichtstun gefrönt zukünftige, wichtige Projekte besprochen und bin auf der Suche nach einem bestimmten Restaurant durch Mitte gelaufen.

Das habe ich lange nicht mehr getan und schon gar nicht hatte ich sonst die Zeit, in die Geschäfte, Restaurants, Friseursalons und Büros zu schauen. Und was anderes blieb mir auch gar nicht übrig. Denn es scheint mittlerweile absolut schick zu sein, daß die Angestellten und GästeKundenKlienten immer und aus jedem Winkel zu betrachten sind. Und zwar in jeder Lage. Sei es bei der wahnsinnig wichtigen Besprechung am langen Tisch oder mit Strähnchen auf dem Kopp beim ultrahippen Friseur, der seine eigenen Haare lieber erst gar nicht zeigt.

Mal abgesehen davon, daß ich mir nicht von einem Friseur die Haare schön machen lassen würde, der selbst eine weiße Rastafarimütze trägt, um seinen Verybadhair zu verstecken – niemals und unter keinen Umständen würde ich mich mit farbiger Pampe auf dem Kopf und weißer Creme am Haaransatz praktisch auf den Bürgersteig sitzen. Da kann das noch so in sein. Neee, da lob ich mir doch meinen Omi-Friseur im Keller eines Einfamilienhauses in den absolut niemand reinschauen kann/will.

Und ob die mal vor 20 Jahren modern gewesene Einrichtung nun so unbedingt schlechter ist, als das derzeit angesagte minimalistische-puristische, auf das wesentliche beschränkte, aber leider total kalte und ungemütliche Design eines jeden Ladens der Jetztzeit wage ich auch zu bezweifeln. Früher hat man irgendwo durch die Ladentür geschaut und gewußt „Aha, Restaurant“ , „Oh, ein Schuhladen“ oder auch „Sieh an, ein Bäcker“. Meist stand es sogar in großen, gut lesbaren Lettern dran und zwar in Worten, die einen Bezug zum Ladengeschäft hatten.
Im In-Viertel der Hauptstadt brauchte ich in Dreiviertel aller Läden eine Lupe, um den Namen zu entziffern, nur um mir dann doch nichts drunter vorstellen zu können.

Aber das Allerschlimmste: Alles sieht irgendwie gleich aus. Individualität gleich null, Uniformität wird groß geschrieben. Es sei denn, es ging auf Kosten des Augenlichts, weil die ganz neue Generation entweder in neon oder in Augenkrebs verursachenden kleinen, geometischen Mustern eingerichtet ist. Gerade die Restaurants haben alle die gleichen uneinladenden Tische, unbequem aussehende Stühle, dunklen Holzfußboden und bloß keine Accessoirs. Gleich neben der Tatsache, daß was anderes als Fusion-Food kaum noch zu haben ist.

So gesehen war ich direkt glücklich als wir endlich in unserem japanischen und übrigens ganz hervorragenden Suppenrestaurant gesessen haben. Das war zwar nicht unbedingt die Eck-Kneipe mit röhrendem Hirsch an der Wand, aber immerhin standen auf unserem Tisch Wasserbüffel-Hörner.

Da wurde einem doch gleich ganz heimelig ums Herz!

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die nur ein Kind kann, Dinge, Family, Life

Pyjama vs. Monster

Manchmal frage ich mich, ob meine Kinder nur Dinge tun, damit ich was zu schreiben habe. Vorhin zum Beispiel – da dachte ich mir so, was ich wohl schreiben sollte. Und während ich so nachdachte, fragte mein Sohn, ob er denn seinen tollen, neuen, blauen, schnellen, wahnsinnigen, seit Dienstag nicht mehr aus den Augen gelassenen Racing Car Flanell Schlafanzug anziehen dürfe, den sein Vater ihm heute morgen in seinem Zimmer im Gästezimmer ausgezogen hat, um ihn kindergartenfertig zu machen.

„Klar, hol ihn aus dem Keller.“ Kleine Beine rennen zur Treppe, verweilen, kommen wieder zurück.

„Mama, mußt Du holen, das ist scary.“ Grooooooße Augen.

„Quatsch, mach das Licht an, dann ist es auch nicht dunkel.“ Das meine Kinder auch kein Klischee auslassen müssen.

„Doooooch, das ist scary.“ Die Händchen falten sich, werden unter das kleine Kinn gelegt, die Augen werden, wenn möglich, noch größer.

„Schatz, das mußt Du selbst schaffen.“ Sonst renne ich hier nur noch.

Dreimal rannte er noch zwischen Wohnzimmer und Kellertreppe hin und her, sehr unschlüssig, trappelte hin und her, drehte sich im Kreis bis er tief durchatmete, das Licht anknipste und todesmutig runterging und in Rekordgeschwindigkeit wieder oben. Und war sooooo stolz, als er wieder oben war und holte sich das wohlverdiente Lob ab.

Nun frag ich mich, wenn ein Flanell-Schlafanzug mit kleinen roten Autos drauf eine solch magische Wirkung entfaltet, was würde dann erst eine Carrera-Bahn für Möglichkeiten eröffnen?

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Life

Blut ist dicker als Wasser

Man sagt, Freunde kann man sich aussuchen – Familie nicht. Das ist wahr. Genauso wahr ist aber auch, daß Freunde einem die Freundschaft aufkündigen können – die Familie muß einen aber nehmen. Auch wenn man einen sehr unaustehlichen, weil müden knapp Dreijährigen sein eigen nennt, eine leicht altkluge 6jährige rumtoben hat und man selbst auch gerade nicht weiß, was man mit sich anfangen soll.

Da wird dann eben mal schnell der Tagesplan umgeschmissen, das ausgiebige Mutter-Tochter-Shoppen verschoben und Waffeln gebacken, weil ich mitsamt Dreiviertel meiner Sippe auftauche. Der Cousinenmann wird abkommandiert zum endlosen Eisenbahnspielen mit dem Kleinen, die Cousinentöchter kümmerten sich um die Schulanfängerin und die Cousine selbst sorgte für nicht enden wollenden Kaffee-Nachschub. Aber das Allerbeste:

Die Cousinentochter, die die schon im Sommer hier war, die hat mir aus lauter Dankbarkeit nicht nur einen Restaurantgutschein für das Lieblingsrestaurant des Autors geschenkt, nein, sie hat mir auch eine Massage mit Fango zukommen lassen, inklusive Babysitting versteht sich. Was ich heute eingelöst habe.

Doch ja, ich muß sagen – meine Familie, die geb ich nicht mehr her!

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Life, Reise

Danke, es reicht dann, bitte weitergehen…

Manche nennen es Pechtsträhne. Ich nenne es einfach den nervigsten negativen Run der letzten paar Jahre. Himmel!

Angefangen hat es irgendwie damit, daß mir letzte Woche die Vorschulsporttrainerin eine dicke Matte aus Versehen auf den Kopf hat fallen lassen, die mir dabei die Brille von der Nase riß und mich im unscharfen Nebel stehen ließ. Nun hat die Versicherung den Schaden anerkannt, aber das Hin und Herr war schon nervig – aber vielleicht wollte mir jemand damit nur die Möglichkeit zum Warmlaufen geben.

Von Sonntag auf Montag dann regnete es bekanntermaßen durch das Dach. Ja. Wir wissen auch, warum es das tut. Aber leider nicht wo überall. Das ist dumm. Mittlerweile beschäftigen wir Horden von diversen Handwerkern in der Hoffnung, alle Wassereintrittslöcher zu finden. Aber noch geben wir nicht auf. Heute war übrigens der erste Tag ohne Handwerker, die alle ein schlaues Gesicht machten und ihre Sätze mit „Ja, also, es tritt ja Wasser ein…“ beginnen.

Dafür wurden wir heute nacht unsanft geweckt, weil es klingelte. Sehr abgehakt und immer wieder. Als es wieder hell wurde, hat der Autor seine mittlerweile erstaunlichen elektrischen Fähigkeiten spielen lassen und stellte fest, daß unserer Klingelanlage am Tor leider nur noch Schrott ist, durch – der geneigte Leser wird es erahnen – eindringendes Wasser.

Was unsere Waschmaschine eigentlich gewohnt sein sollte, schließlich ist das ein Element, das sie kennen und lieben sollte. Das tut sie auch. Und zwar so sehr, daß sie es gar nicht mehr los werden will und ihrer Pumpe gesagt hat, sie könne in den Urlaub gehen. Was Kind Nummer Zwei wiederum total klasse fand, er hat den Nachmittag damit verbracht, das Wasser aus der Maschine zu schöpfen. Das Kind sieht ja Probleme durchaus und versucht sie zu beheben. Im nächsten Schritt bringen wir ihm dann bei, das ausgeschöpfte Wasser nicht wieder reinzukippen.

Spätestens an diesem Punkt war ich froh, morgen den Autor im undichten Haus alleine lassen zu können, damit er Klingel und Waschmaschine in Ruhe re- und Eimer strategisch günstig drapiert, während ich mich und die Kinder bei meinem Vater verwöhnen lassen kann. Ich ließ nur noch kurz die Winterreifen beim Händler meines Vertrauens aufziehen, des Wetters wegen. Als ich den Wagen abholte, drückte mir der freundliche Mitarbeiter gleich den Kostenvoranschlag für die Erneuerung der Bremsen vorne in die Hand. Auf meine Frage, ob die alten noch ca. 1000 km Autobahn überstehen würden, meinte der Fachangestellte nur trocken

„Ja, aber lassen sie jemanden fahren, dessen Lebensversicherung auf Ihren Namen läuft.“

Ich fahre dann morgen mit den Kindern mit der Bahn hab ich spontan beschlossen. Bei der derzeitigen Glücksituation will mir jemand mit diesem Befund sagen, daß ich einfach mal nicht auf die Autobahn soll.

Besser ist das.

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Life

Selektives Wassersparen

Zwei Kinder haben ja den Nachteil, daß man auch bei der Hygiene wieder von vorne anfangem muß. Und da gerne beim Toilettengang. Jedes Mal wieder

„Kind Nummer Zwei, hast Du abgezogen?“ Groooooooße Augen.

„Ich hab nicht gekackert!“ Wildes Kopfschütteln.

„Trotzdem!“ Mutter kann so unerbittlich sein.

Kleine Beine rennen zum Bad. Man hört eindeutige Geräusche.

„Hab geflushed“ Und was war da noch?

„Und was ist mit Händewaschen?“ Intensives Inspizieren der kleinen Hände.

„Die sind sauber!“ Worauf der tägliche kindgerechte Vortrag über Bakterien und Sauberkeit folgt. Ich kann ihn schon im Schlaf runterbeten.

Man kann meinem Sohn nicht vorwerfen, er hätte da nicht eine gewisse Regelmäßigkeit im Leben.

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