Seemannsgarn, heute schwankend

Eltern sollten ja bereit sein, Opfer für ihre Kinder zu bringen. Was das angeht, haben der Autor und ich unser Soll für die nächsten drei Jahre erfüllt.

Als wir nämlich letzte Woche auf Rügen waren, wollte ich meinen Kindern was bieten und ihnen die Kreidefelsen zeigen. Und da keines der Kinder bisher ordentlich Schiff gefahren ist, freuten sie sich wie Bolle. Meinem Sohn zuliebe haben wir uns für das „Honk-Schiff“ entschieden, weil es nämlich tutet, wenn es an der Seebrücke Binz anlegt.

Das Honk-Schiff schwankte schon bedenklich, als es anlegte und erstaunlich viele Leute stiegen aus – was uns hätte stutzig machen sollen. Aber selbst wenn wir drauf geachtet hätten, Kind Nummer Zwei hätte Hechtsprung auf das Schiff gemacht, wären wir nicht wie versprochen rauf gegangen.

Mir war schlecht, kaum dass wir abgelegt hatten.

Und zwar richtig schlecht. Ich war die erste, die runter gegangen ist, weil es unten angeblich weniger schaukelte. Ich hab den Horizont wie eine Wahnsinnige fixiert. Irgendwann bin ich einfach nur mit einem der ansprechenden, blauen Tütchen rausgestürmt und bin da geblieben. Mit dem Tütchen in der Hand und habe ein frisches Stückchen Ingwer visualisiert, was angeblich in Natura gegen Seekrankheit helfen soll. So aber nicht. Ganz und gar nicht. Dafür hat sich nach 30 Minuten im kalten Wind das Zittern vor Kälte mit dem Würgen die Waage gehalten.

Und zum Schluß hab ich vor lauter Horizont und frieren nur noch gebetet, daß hinter mir die Seebrücke bald erscheint. Zusammen mit etwa 90% aller anderen Passagiere. Zu denen auch der Autor gehörte, der sich aber besser im Griff hatte als ich und die beiden Kinder bespaßte. Die wiederum zu den restlichen 10% gehörten, beim Autor unten bleiben mußten (weil ich auf Deck niemanden hätte beaufsichtigen können) und sich zu Tode langweilten, weil keiner mit ihnen spielen wollte und alle grün im Gesicht waren.

Ich schwöre, ich hab das letzte Mal einen Fuß auf irgendwelche Planken gesetzt, unter denen im weitesten Sinne Wasser ist. Und mein bis dahin auf Platz Zwei der WelchenUrlaubichimmernochmalmachenwollte-Wunschliste – eine Fahrt auf der Queen Mary II – wurde gestrichen.

Ersatzlos.

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Published in: on 4. November 2009 at 07:41  Schreibe einen Kommentar  

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