Und für die Dramaturgie ein kleiner Bruch

Es ist ja nicht, als ob nicht genug in meinem Leben passieren würde. Es ist momentan so, als ob sich jemand unser Jahr angeschaut und gemeint hätte, uns fehle noch ein wenig Dramatik, um es abzuschließen und ups! das war jetzt ein wenig viel. Sorry for that.

Nachdem wir also aus nicht weiter zu erwähnenden Familiengründen einmal kurz unsere Planung für den November nebst längerer Abwesenheit des Autors von der Familie zwei bis vier Mal über den Haufen geworfen hatten, war ich am Mittwoch im Supermarkt, um für unser – nunmehr vorgezogenes – ThanksGiving-Dinner einzukaufen. Ich lud gerade die Cranberries ins Auto, als das Handy ging. Der Autor ließ mich wissen, ich möge stantepedes heim kommen, die beste aller Tanten-Nachbarinnen sei bei uns gestürzt und habe sich den Knöchel gebrochen. Selten habe ich Lebensmittel so unachtsam in den Wagen gepfeffert.

Gerade zuhause angekommen, hörte ich schon den Rettungswagen und meine Nachbarin schaute mich mit großen Augen an und meinte, sie habe aber so gar keine Zeit, auszufallen. Das ginge jetzt gerade gar nicht. Was der Rettungssanitäter nach einem Blick auf ihren Knöchel anders sah und sie einfach mitnahm. Nachdem sie weg war, erzählte mir der Autor wie es sich zugetragen hatte.

Als gute Nachbarin wollte sie Kind Nummer Zwei ein nachträgliches Geschenk und beiden Kindern Adventskalender zu kommen lassen. Auf dem Rückweg ist sie dann gestolpert, hingefallen und es hat zwei Mal geknackt. Nun war das bei uns vorne am Tor. Leider ist unsere Klingel kaputt – wir hatten sie auf der Liste relativ weit oben, sind aber noch nicht dazu gekommen, zu reparieren. Also zieht sich die alte Dame zur Straße und will das Auto anhalten, das da gerade kommt. Die Fahrerin sieht sie auch, bremst ab und macht einen Bogen um sie und fährt weiter! Das ist so unglaublich, daß ich gar nicht drüber nachdenken und schon gar nicht drüber schreiben will. Also dreht arme Verunglückte um und schleift sich auf allen vieren die ganze lange Einfahrt zurück zu unserem Haus mit dem Kommentar „Nur gut, daß ich katholische Knie hab – die sind Kummer gewohnt!“

Die alte Dame nicht mehr ganz junge Nachbarin wurde noch in der gleichen Nacht operiert, komplizierter Bruch an zwei Stellen, nächste OP am Montag. Kinder Nummer Eins und Zwei malen fleißig Genesungsbilder und ich bekoche ebenso fleißig den Onkel-Nachbarn, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil ich nicht da war.

Es wäre wirklich nett, wenn heute mal nichts passieren würde. Nur ausnahmsweise.

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Published in: on 13. November 2009 at 15:32  Schreibe einen Kommentar  

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