Expeditionen in die deutsche Sprache

Man soll es ja nicht meinen. Kind Nummer Zwei kann ja quasseln, babbeln und reden ohne Unterlass, daß es eine wahre Freude ist. Laut tut er seine Meinung kund, sagt klar, was er will und macht sehr deutlich, was er nicht will. Soweit, so gut. Ich bin dankbar und froh, daß beide Kinder anscheinend nicht unter Sprachproblemen leiden.

Außer, ja außer mein Sohn soll sich entschuldigen. Was er in letzter Zeit recht häufig soll, weil es in seiner Kindergartengruppe gerade irre in ist, mit Schimpfwörtern um sich zu werfen. Laut dem Erzieher ist mein Kind dankenswerterweise nicht derjenige, der jeden Tag mit einem neuen Wort ankommt – aber er nimmt es sehr genau mit seiner Pflicht, die anderen von seinem neu aufgeschnappten Wissen partizipieren zu lassen. So auch zu Hause. Wie im Kindergarten jedoch, lassen wir das nicht durchgehen. Und so spielt sich momentan mindestens drei mal täglich folgendes Drama ab.

Kind Nummer Eins probiert bei mir oder Kind Nummer Zwei ein neues, nicht salonfähiges Wort aus und wartet auf die Reaktion. Die prompt vom Mutter kommt, mit der Auffoderung dieses Wort nicht mehr zu sagen und sich zu entschuldigen. Daraufhin sind seine Lippen versiegelt. Mutter versucht es mit gleichem Erfolg noch einmal. Handelt es sich um das erste Mal an diesem Tag, probiert sie es ein drittes Mal, sonst ist die Geduld schon aufgebraucht. Kind kommt in sein Zimmer, auf dem Weg dorthin geht lautes Gejammere und Geschrei über die Ungerechtigkeit und Willkür der Erziehungsberechtigten los.

Nach zehn Minuten kommt dann ein sehr ruhiges und gefaßtes Kind wieder runter, geht als erstes zu mir und will gekuschelt werden. Wäre da nicht da nicht der Gang nach Canossa.

„Hast Du mir was zu sagen?“ Kind schaut weg.

„Nun?“ Kind inspiziert die Küchenfliesen.

„Kiiiihiiiind.“ Erster beherzter Versuch, der Mund geht auf und wieder zu und wieder auf bis ein sehr, sehr leises

„Tschulligung.“ erklingt. Grooooooße Kinderaugen.

„Und für was entschuldigst Du Dich?“ Noch größere Kinderaugen.

„Börenwösensollichnich.“ Oder so ähnlich jedenfalls. Genau versteht man das vor lauter Genuschel irgendwie nie. Aber immerhin. Und es zeigt auch Erfolg.

Er sagt jedes Wort nur einmal – allerdings es gibt viele Schimpfwörter in der deutschen Sprache. Und dabei haben wir noch Glück, daß er bei seiner Auffassungsgabe nicht in einem internationalen Kindergarten ist.

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Published in: on 23. November 2009 at 22:12  Schreibe einen Kommentar  

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