Die Welt da draußen

Ich gebe ja zu, Silvester war bei uns auch deswegen etwas ruhiger, weil die Nacht davor zumindest für mich eher das Gegenteil war.

Der Mann von der Parkbank, der zwar seit zwei Jahren sein Blog verwaisen läßt, aber sonst wirklich sehr nett ist, wurde 45 und hatte in einen Club in Hamburg geladen. Und bekanntlich macht der Mann die besten Feten Hamburgs – da darf man nicht fehlen.

Nun bildet ja Reisen bekanntlich und diese hatte es diesbezüglich in zweierlei Hinsicht in sich.

Erstens kenne ich jetzt den feinen, fast graduellen Unterschied zwischen Gin-Tonic, der mit Gordon´s und Gin-Tonic, der mit Bombay Gin gemacht wurde. Ich habe hierzu spontane wissenschaftliche Untersuchungen angestellt, das Ergebnis immer und immer wieder in Frage gestellt und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Bombay schmeckt besser. Eindeutig. Irgendwann nach dem 6. Drink verschwimmt hier allerdings diese feine Linie wieder. Keine Ahnung warum, ich werde da weitere Testreihen durchführen müssen.

Und zweitens, was man als assimilierter Berliner ja gerne mal vergißt, es gibt Städte in Deutschland, die sind intrinsisch freundlich. Das fängt mit den zwei Taxifahrern an, die einen freudig strahlend auch nur 800 m vom sorgsam ausgewählten Hotel zur Fetenlokalisation fahren (und ein paar Stunden später wieder zurück), mit dem ehrlich gemeinten Satz, daß man bei dem Wetter nun wirklich nicht von einer Dame verlangen kann, zu laufen. Und das noch in diesen wirklich schönen, wenngleich auch hohen Schuhen. Ein Berliner Kollege hätte was von „Ziehn Se sich vermünftige Schuhe an, dann könnse auch loofen und ich müßte Se nich die paar Meter fahn“ gebrabbelt. Das geht mit dem Pizzadienst weiter, dessen indischstämmiger Lieferbote nicht etwa mit der Schulter zuckt, wenn die Zentrale das Besteck vergessen hat, sondern auf selbige schimpft und schnell runter zur Rezeption rennt und mir Gabel und Messer besorgt, damit ich mich nicht erst noch groß umziehen muß. Und geht bis zu der Apthekerin, die mir ohne ein weiteres Wort, dafür aber mit einem wissenden und mitleidigen Lächeln gleich das Glas Wasser gleich neben die Kopfschmerztabletten stellte.

Und deswegen war dann die letzte Nacht des Jahres auch ruhiger als die davor, schließlich muß man sich von soviel Freundlichkeit erst erholen. Das hält ja kein Mensch aus.

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Published in: on 6. Januar 2010 at 21:48  Schreibe einen Kommentar  

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