Das Paradies versinkt

Heute war unser obligatorischer Schlechtwettertag. Es heute morgen so schneewindig, daß Kind Nummer Eins und Zwei nicht in die Skischule gingen, sondern im Hotel blieben. Gegen Mittag, so hieß es, gegen Mittag würden die Lifte wieder fahren und dann wäre es sinnvoll, wenn zumindest die Große wieder geht, um den Anschluß nicht zu verpassen. Gesagt, bei der Skischule angerufen, wo ihre Gruppe heute zu Mittag isst und gegen halb eins hingefahren. In das Hotel knapp über unserem. Oder besser – hingerutscht.

Dort angekommen, stellte sich raus, daß es dort zwar Skilehrer gab, aber nicht unseren. Und man kam auch gar nicht mehr per Ski da runter und rauf schon mal wieder gar nicht, weil nämlich keine Lifte mehr fuhren. Also beschloß ich, dem Kinde einen Ruhetag zu gönnen, teilte dies dem Possumkindergroßvater mit. Der wackelte mit dem Kopf und meinte, er glaube nicht, daß wir irgendwohin fahren würden. Und er hatte recht, wir hatten uns festgefahren, nix ging mehr.

Nun fahren wir ja nicht ohne Ketten in die Berge. Nur wie man die draufkriegt, das wußten wir leider nicht. Also haben wir den netten jungen Mitarbeiter auf dem Riesenschneeschieber um Hilfe gefragt. Vorarlbergtypisch freundlich sprang er sofort vom riesenorangenen Schieber und half. Oder versuchte es jedenfalls, aber auch er scheiterte an der Gebrauchsanweisung. Also kamen wir auf die Idee, er solle uns die Anhöhe hochziehen. Derweil meine Tochter heulend im Auto sass und der Meinung war, wir würden jetzt hier niiiiiiiiiiiiiieeeeeeee mehr wegkommen. Ich hingegen lag im Schnee unter dem Auto und habe wirklich verzweifelt den Abschlepphaken gesucht. Danach tat das mein Vater und dann noch mal der nette junge Mann. Das Ding war nicht zu finden. Eine Gebrauchsanweisung gab es auch nicht und da es das Auto des Possumbruders ist, wurde der mal eben handytechnisch kontaktiert – was durch ein Wunder noch ging – und klärte uns auf.

Jaaaaaaaaa, so ein tolles neues Auto wie dieses, da würde ein Abschlepphaken nur die Optik stören. Mit der Scheckkarte haben wir unter telefonischer Anweisung eine kleine Öffnung vorn aufgepopelt, dann im Kofferraum nach dem Werkzeug gekramt, dort einen Haken mit Gewinde gefunden, eingedreht und endlich, endlich konnten wir hochgeschleppt werden. Das alles natürlich im Schneesturm – nur damit keine eventuellen romantischen Heimatfilmideen aufkommen. Nachdem ein sehr großzügiges Trinkgeld den Besitzer gewechselt hatte, tasteten wir uns runter in unser Hotel.

In der hoteleigenen Tiefgarage angekommen klingelte dann das Telefon. Der Skilehrer von Kind Nummer Eins war dran. Er entschuldigte sich 1000mal, aber er wäre nicht mehr runtergekommen und die Maus müsse auch nicht kommen, sie würde gar nix verpassen. Das beruhigte mich doch sehr. Eine dreiviertel Stunde vorher wäre diese Erkenntnis aber irgendwie noch viel besser gewesen.

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Published in: on 3. Februar 2010 at 17:27  Schreibe einen Kommentar  

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