Dinge, die man nicht früh genug lernen kann

Damals, als Kind Nummer Eins noch sehr klein war, las ich den einzigen Ratgeber zum Thema Kinderkriegen und Kindererziehung, den ich nicht nach ein paar Seiten in den Kamin gepfeffert habe. Eigentlich ist es mehr eine Reihe, beginnend mit der Schwangerschaft bis hin WiederinsNormaleLebeneingliedern, wenn das Kind in die Pubertät kommt. Die Autorin, Vicki Iovine, hat vier Kinder und lebt in Scheidung – ich kann kaum erwarten Ihr Buch „Girlfriends Guide to get your own live back after a divorce“ oder so zu lesen. Aber ich verliere mich.

Eigentlich wollte ich sagen, daß die Frau in fast allem recht hat. Auch wenn man das erst Jahre später erfährt. So las ich also mit dem ersten Kind an der Brust über die Tatsache, wie sich nächtliche Gewohnheiten und Familiensonntagsroutinen verändern, wenn die Kinder ihre Freunde über Nacht zu Besuch haben. Damals hab ich da drüber gelacht.

Heute lache ich nicht mehr.

Gestern abend dehnte sich, mal wieder, ein Nachmittagsbesuch von Kind Nummer Eins auf die Nacht aus. Was häufiger vorkommt, in der einen oder der anderen Richtung.

Schon das Essen gestaltete sich interessant, ob der unterschiedlichen Ess- und Tischgewohnheiten. Sehr interessant.
Die eigentliche InsBettgeh-Zeit verschob sich zwar nicht wirklich, wohl aber die Einschlafzeit. Mit halbstündlich wachsender Autorität haben wir sie dann um halb elf in den Schlaf gebracht. Beim eigenen ZuBettgehen stellt sich an solchen Abenden immer die Frage nach der Kleidung. Jedes Mal, wenn wir Übernachtungsbesuch haben, halte ich dem Autor seinen einzigen Pyjama hinne, den er mit peinvollem Blick anzieht. Kinder in dem Alter tendieren schon mal dazu, nachts aus Gewohnheit/Heimweh/Lemmingeffekt in das Bett der Gasteltern zu klettern. Da möchte man doch lieber auf der sehr sicheren Seite sein.
Ebenso wie morgens. Denn bisher waren alle Kinder nach solchen Nächten um spätestens halb acht wach und wollten schon vor dem ersten Kaffee unwichtige Dinge wissen wie

„Duhu, Possummama, kann ich einen Kakao, Bonbon und/oder Chips“?

Und spätestens beim Frühstück erzählen die Mädchen dann Dinge von zuhause, die ich nie wissen wollte und von denen ich auch nicht weiß, ob sie denn wirklich so eins zu eins stimmen. Und frage mich, was sie ihren Eltern wohl erzählen, wie es im Hause Possum zugeht. Das macht mir schon Angst.

Wobei mir noch mehr Angst macht, daß dieses Verhalten bei kleinen Mädchen anscheinend generisch ist und somit leider keine Einbahnstraße.
Ich will glaube ich überhaupt gar nicht wissen, was mein Kind erzählt, wenn es woanders schläft.

Da hofft man, daß es wirklich eine stumme Übereinkunft á la „Glaubst Du nicht meinem Kinde, glaub ich nicht Deinem Kinde alles.“ Auch das hat Vicki Iovine mich schon sehr früh gelehrt.

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Published in: on 21. Februar 2010 at 09:09  Schreibe einen Kommentar  

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