Das Leben lernt nie aus

Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß man in der heutigen Zeit flexibel sein muß und sich nicht auf der Berufsausbildung/dem Studium ausruhen darf, die/das man irgendwann mal genossen hat. So gesehen sind Mütter das Paradebeispiel an flexiblem Arbeitnehmer. Dumm nur, daß das keiner bezahlt. Mal abgesehen von meinem eigentlichen Beruf als Mädchen für alles bin ich noch

Ernährungsberaterin/Köchin Vorbei die Zeiten, als man dem Kind eine Stulle als Zwischenmahlzeit auf den Tisch stellte. Heute muß alles nährstoffphysiologisch aufs i-Tüpfelchen ausgewogen sein. Und einfach Essen auf den Tisch stellen? Geschichte! Wenn man es nicht ansprechend und kindgerecht anrichtet, kann man sich gleich noch mal hinten anstellen und hoffen, daß das Kind nicht bullemisch oder adipositös wird.

Lehrerin Was haben all die Mütter eigentlich ohne Internet gemacht. Kinder stellen Fragen. Viele Fragen. Und die Antworten kennt allein Google. Leider hat Google noch keine Funktion, die Hausaufgaben beaufsichtigt und frustrierte Kinder wieder aufrichtet. Aber dafür ist man ja auch

Psychologin Zum Aufrichten von Kinderseelen. Und der gemeine Nichtkinderhaber ahnt ja nicht, was alles so eine Kinderseele knicken kann. Welche Dramen ein „Heute spiele ich aber mit Freundin Nummer Drei“ auslösen. Und was das kategorische Verbot des dritten Eis an diesem Vormittag anrichtet. Wenn Freud ein echter Mann gewesen wäre, hätte er sich mit wirklichen Kindern befaßt und nicht mit Erwachsenen, die mal Kinder waren.

Krankenschwester Kleinere Operationen werden zuhause durchgeführt, Desinfektionsmittel, Pflaster und Verbände kaufe ich in Krankenhauspackungsgröße und unschuldige, gerade anwesende Bekannte/Geschwisterkinder werden zu medizinischem Hilfspersonal ausgebildet. Schwache Nerven gehören nicht in einen Haushalt mit Kindern.

Stilberaterin „Maaaaaamaaaaaaaaaa, was zieh ich an?“ „Kann ich die Sandalen anziehen – die Sonne scheint so schön auf den Schnee, es ist gar nicht kalt.“ Wer jeden Morgen zwei Kinder anzuziehen hat, den schockt nichts mehr.

Kreativlehrerin Basteln, mahlen, nähen, pricken, sorbische Ostereier fertigen, filzen, töpfern, aus Gras Osterhasen machen, Weihnachtsschmuck herstellen, Blumenvasen basteln, Tontöpfe bemalen – die Liste, was Kinder machen wollen ist schier unendlich. Und zwar egal, ob die Mutter Kreativelegasthenikerin ist oder nicht.

Eventmanagerin Ein verregneter Tag geht ja noch, zwei sind Gift für die Nerven. Da muß man sich was einfallen lassen. Und glaubt irgendwer, man könne 6jährige heute noch mit Topfschlagen und BlindeKuh auf einem Geburtstag länger als 10 Minuten beschäftigen? HAH! Träumerle!

Taxi Selbst hier im Dorf fahre ich mit Rad und Auto die Kinder von A nach B nach C. Und meist nicht nur meine Kinder, denn da man ja selbst auch mal eine Verschnaufspause braucht, hat man gleich eine ganze Horde wahlweise giggelnder Erstklässlerinnen oder ihre Manneskraft probende Dreijährige im Schlepptau. Gut für den Abbau überflüßiger Hör- und sonstiger Nerven.

Und ich schlage vor, die nächsten Politiker – hier gerne kinderlose Männer oder durch Abwesenheit glänzende Väter – die mir was von der mangelnden Bereitschaft des lebenslangen Lernens der Deutschen erzählen wollen, die lade ich einfach für einen Monat ein, mit mir zu tauschen. Und dann reden wir noch mal. Wenn sie dann noch reden können.

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Published in: on 26. März 2010 at 08:15  Schreibe einen Kommentar  

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