Paris – Berlin

Es ist Zeit, glaube ich, mal ein Geständnis zu machen. Ich bin ja nicht nur die liebe, nette, brave Vorstadt-Mutter und Gattin. Nein, ich habe auch eine böse, dunkle Seite – meine innere Paris Hilton. Jetzt weniger im Bezug auf die Haarfarbe oder die Nichtexistenz von Unterwäsche als vielmehr im Sinne von tollen Hotels, Luxus und allem, was so dazugehört.

Ich kann nichts dafür, meine Eltern sind schuld, die haben mir gezeigt, wie das geht und jetzt werde ich es nicht mehr los. Und in dieser Familie bin ich damit alleine – der Autor erträgt meine Gelüste in etwa so stoisch wie ich seine jährlichen Ausflüge auf das Fantasy-Filmfest.

Nun hat dieses Hobby einen ernsthaften Nachteil – man kommt aus den verschiedensten Gründen mehr als selten dazu. Aber wenn man einen sehr guten Auftraggeber hat, der einem mal was Gutes will und ein Meeting in einem wunderschönen Hotel am Potsdamer Platz nebst der Gelegenheit zur Übernachtung (jaaaaaaaaaa, die S-Bahnen in der Hauptstadt sind des Nachts quasi nicht mehr zu betreten…..ganzganzganz bestimmt nicht, nein) einberuft, dann verschiebt man alles an Terminen und organisiert Autor, Kinder und Katze weg.

Und das wiederum ist unbezahlbar. Nicht nur, daß man ausschlafen darf, also dürfte, wenn der Körper nicht auf halb sieben gepolt wäre. Nein, man darf auch in einen Spabereich, der so aussieht, als ob jeden Augenblick ein Glam-Magazin vorbeikommt und ein Foto-Shooting macht. Und man bekommt ein durchgestyltes Frühstück, das nicht nur genial aussieht sondern auch so schmeckt.

Irgendwann schwebt man ganz langsam wieder zuhause ein und bereitet Paris auf einen langsamen Rückzug in einen langen Schönheitsschlaf vor. Und kaum ist man dann durch die Tür, ruft Kind Nummer Eins empört

„Mama, die Katze hat heute nacht in mein Bett gekotzt. In meins!“

Bei diesen Worten hat das Luxusweib dann fluchtartig die Bildfläche verlassen und Platz für ihr AlterEgo Mutter gemacht. So schnell kann das gehen.

Aber da ich ja ein sehr flexibler Mensch bin, werde ich die beiden heute abend zu einer Koexistenzbesprechung bei Crémant, Buch und Kamin einladen. Nicht, daß sich eine von ihnen vernachlässigt fühlt.

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Published in: on 16. April 2010 at 20:09  Schreibe einen Kommentar  

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