Das tapfere Meerschwein

Wir sind ja nicht für Nager und anderes Kleingetier geschaffen. Anfang des Jahres haben wir zwei Zwergwidder geerbt, von denen nach 3 Tagen noch genau einer da war, der andere ist entweder aus dem Freigehege enthoppelt oder aber der Nachbarshund hat ihn geholt, so ganz sicher sind wir uns da nicht.

Jedenfalls mußte, damit der Hase nicht so alleine ist und Kind Nummer Eins das Weinen aufhört, ein neues Vieh her. Da die Patentante gerade anwesend war, wurde ihr die Aufgabe zuteil mit dem Kinde los zu fahren und einen neuen, kleinen Vierbeiner zu holen. So kam Pünktchen, ein Meerschweinmännchen, zu uns. Leider blieb er nur bis vorgestern abend. Als wir die Tiere nämlich ob des nahenden Gewitters von ihrem Freigehege in ihre Residenz bringen wollten, ist es uns entfleucht. Wieder Geheule bei Tochter, Brennesselquaddeln und ungezählte Mückenstiche bei Possum und Autor beim Versuch, das Tier wieder einzufangen. Allein, irgendwann raschelte auch nix mehr, es war weg.

Wir gaben a) auf und b) dem Biest bei der hiesigen Katzen- und Hundedichte nicht mehr als 12 Stunden. Unsere Hoffnung war nur, daß die Kinder nicht eines sehr nahen Tages auf gewisse sterbliche Überreste treffen würden. Und tatsächlich sahen sie Pünktchen wieder. Heute abend. Im Garten. Höchstlebendig. Hurra. Nun wissen wir, dem Tier geht es gut und es lebt. Leider läßt es sich durch nichts und niemanden überreden, sich wieder in wohlige Gefangenschaft zu begeben.

Im Gegenteil, sobald wir alle im Haus verschwunden sind, kommt es raus, rennt zum Hasen, frißt, schaut und läßt sich die Sonne auf den Rücken scheinen. Sobald sich auch nur einer von uns nähert, rast es zwischen Hecke – die mit den Brennesseln – und Holzlager hin und her. Und ich mit dem Käscher hinterher. Vergebens, wie man sich denken kann. Mittlerweile ist der Holzturm einmal ab-, wieder auf und wieder abgebaut worden, damit man das Holzlager einsehen kann. Was nicht hilft, denn das Gitter da ist so engmaschig, daß man das Meerschwein zwar grinsen sieht, aber keine Chance hat, dran zu kommen. Derweil sich der Hase in seiner Villa einen Platz in der ersten Reihe gesucht hat und vor Vergnügen mit den Ohren schlackert.

Oder deutlicher ausgedrückt: Das Biest verarscht uns.

Aber gut, wir sind ja flexibel und tolerieren alternative Lebensformen. Dann haben wir eben ein freilaufendes Meerschwein im Garten. Artgerechter geht es kaum noch.

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Published in: on 8. Juni 2010 at 19:07  Schreibe einen Kommentar  

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