Sommer, Sonne, Freibad

Also eigentlich wollte ich ja das Blog wegen erhöhter Hitze und Arbeitsaufkommen in Sommerpause gehen lassen. Aber dann war ich letzte Woche noch mit den Kindern in der alten Heimat im Freibad. Und das kann nicht unkommentiert bleiben. Menschen, die es politisch korrekt mögen, möchten diesen Eintrag vielleicht überspringen.

Ich bin ja nicht so der Freibadtyp, ich bin blass, ich kann die Sonne nicht ab, ich mag nicht den Fettfilm, den die Sonnenmilch auf dem Wasser hinterläßt und irgendwie überhaupt. Aber wenn es 37 Grad sind und die Kinder niemanden zum Spielen haben, dann geht man eben ab 17 Uhr auch mal zum Schwimmen.

Ich muss sagen, das Bad selbst hat sich seit meiner Jungend doch sehr verändert. In der Erbsensuppe steht eine ziemlich klasse Rutsche, die Kind Nummer Zwei unermüdlich, seine beschwimmflügelten Ellenbogen gegen verdatterte möchtegerncoole Teens einsetzend, immer wieder erklomm. Und Kind Nummer Eins fand nichts so klasse, wie die Wasserspirale immer und immer wieder zu durchschwimmen. Ich hingegen stand am Fuße besagter Rutsche und wartete darauf, daß ein blondes Kind die Rutsche runtergebrettert kam. Und hatte Zeit, Leute zu gucken.

Oder Sozialstudien zu treiben, je nachdem, wie man es sehen will. Himmel! Ich hatte ja keine Ahnung, daß es in der Größe überhaupt Badeanzüge geschweige denn Bikinis gibt. Und ich rede nicht von Größe 58. Ich rede von dem Kaliber, bei dem man von schräg unten – also genau meiner Position im Becken – durch die Beinöffnung schauen kann, weil die Bauchüberlappungen (Plural) den Stoff anheben. Das war kein schöner Anblick, wahrlich nicht. Das wurde nur getoppt von den unglaublichsten Männerbäuchen, bei denen mich unweigerlich der Wunsch nach einer Nadel überkam, damit ich reinpieken und die Luft aus dem Ballon lassen konnte.

Fast schon unterhaltsam waren dagegen die Bildergeschichten auf den Körpern. Nun habe ich nichts gegen gut gestochene Tattoos, ganz bestimmt nicht. Wer es mag und wem es steht, gerne auch große und zusammenhängende. Aber das dort grenzte an Körperverletzung. Für den Betrachter. Ein Dermatologe mit einem Laserstand zum Entfernen von Körperfarbe würde dort das Geschäft seines Lebens machen. Es war unglaublich, wie schlecht die Motive getochen waren. Was hingegen messerscharf war, waren Namen wie „Pia-Sophie“, „Lukas“ und „Laura“. Meist zwischen den Schultern oder um dem Oberarm herum. Diese Elternliebe wurde nur durch ein ab und an gehörtes

„Ey, Finn, samma hasse den Aasch auf? Guck doch ma, woe hinsprings, ey!“ geschmälert.

Dazu kamen dann natürlich die üblichen Besucher der örtlichen 5-9 Klassen in kichernder, cooler, musikblasternder Weise. Ach ja, und der nicht wegzudenkende, dicke Schwimm-Meister, der sich mit seinem durchdringenden Bass mit

„Büüüüürschchen, ich sach Dir dat gezz nur noch einmal. Wennze dat noch einma machs, dann mach ich dat Scheißding da zu, dat dat ma klaaa is.“ zumindest für zwei Minuten Autorität verschaffte. Genau neben meinem Ohr.

Nach eineinhalb Stunden hab ich die Kinder mit Pommes und der Ankündigung eines eventuell nahenden Gewitters an einen anderen Ort locken können.

Ich gebe zu, hier im Dorf ist es eher schwer meinen Kindern andere Kulturen und Lebensweisen beizubringen, aber für den Anfang war das dann doch zu heftig. Ich glaub, dass nächste Mal fahre ich mit Ihnen erstmal nach Harlem oder in die ruhigen Vororte von Paris, um sie Ihnen andere Lebensentwurfsmodelle nahezubringen. Man soll ja klein anfangen.

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Published in: on 16. Juli 2010 at 19:08  Schreibe einen Kommentar  

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