Und Reisen bildet doch

Gestern erklärte meine Tochter ihrer Freundin die Weltliteratur.

„Weißt Du, in Schottland, da waren wir in einem Schloß. Und da hat sich folgendes zugetragen (sie sagte wirklich zugetragen): Ein Mann, ein Mister oder so, wollte König werden. Und dafür mußte er den König ermorden. Und eine Hexe hat ihm gesagt, daß könne er ruhig machen, weil nämlich er von niemandem umgebracht werden könnte, der von einer Frau geboren wurde. Und deswegen hat er dann den König umgebracht und wurde selbst einer. Und seine Frau hat ihm dabei geholfen. Und die hat danach dann immer gedacht, sie hätte immer Blut an den Händen, obwohl sie das gar nicht hat und deswegen ist nach ihr auch eine Krankheit benannt worden. Mama, Mama wie hieß noch mal die Händewaschlady?“

Mutter kriegt kaum noch Luft vor verbissenem Lachen.

„Die hieß Lady MacBeth.“

„Also, wenn man sich immer die Händewaschen muß, dann heißt das Lady MacBeth Krankheit. Jedenfalls kam dann der eine andere Mann und deeeeeeerrrr (dramatische Pause), also der kam nämlich mit einem Kaiserschnitt zur Welt und gar nicht von seiner Mutter so richtig und deswegen konnte er dann den bösen MacBeth töten und wurde dann auch König.“

Kurze andächtige Pause.

„Und weißt Du, iiiiiiich und mein Bruder, wir sind auch mit einem Kaiserschnitt aus Mama geholt worden. Wir, also wir, wir könnten auch die Bösen töten und würden dann König werden. Wollen wir aber nicht. Also mein Bruder und ich.“

Hätte ich damals schon MacBeth gelesen, dann hätte ich den Prenzlauer Berg Müttern, die mich damals so vorwurfsvoll bis mitleidig ob meines geplanten Kaiserschnitts angeschaut haben, ganz andere Antworten geben können.

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Published in: on 10. August 2010 at 11:09  Schreibe einen Kommentar  

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