Das tropfende Possum

Eigentlich darf mein Sohn ja niemandem aufmachen, wenn ich gerade nicht verfügbar bin. Und schon gar nicht, wenn wir beim Possumgroßvater sind, wo er so gut wie niemanden kennt. Eigentlich.

Nun habe ich ja am Samstagabend meinen freien Abend gehabt, der schon von Tag auf Abend runtergekürzt wurde, weil das Kind meinte, es sei nun Herbst- und damit Hustenzeit. Aber wir sind ja nix, wenn nicht flexibel. Jedenfalls wollte ich mich für besagten Abend etwas aufrüschen und dazu gehört in diesen Breitegraden gerne auch mal eine Dusche.

Also das Kind geimpft, daß ich jetzt nicht abkömmlich bin, es vor dem Fernseher geparkt ihm eine Stunde multimediale Bildung auferlegt und ab dafür. Nach einer Minute kommt Kind Nummer Zwei mit meinem Handy rein.

„Mama, hat geklingelt!“ also raus aus der Dusche, nachgeschaut wer es war. Derweil der Festnetzanschluß klingelte, was nach dem Handyklingeln eine gewisse Dringlichkeit vermuten und mich nass durch das Haus hechten ließ. Der Possumvater informierte mich darüber, daß er leider seinen eigenen Schlüssel vergessen hatte. Also dem Kind gesagt, es dürfe gleich die Tür aufmachen – ausnahmsweise – wenn es klingele und rein in die Dusche. Eine Minute später klingelt es. Ich schrei also unter dem Wasserfall

„Kind Nummer Zwei, aufmachen!“ was er augenscheinlich auch tat. Dann kam er wieder rein und meinte

„Das ist aber nicht Opa. Da steht ein Mann!“ Wus?! Ich irgendein Handtuch geschnappt, raus in den kalten Flur und ein neuer Nachbar steht vor der Tür und informiert mich, daß ich doch bitte meinem Vater die neuesten Konditionen des Holzkaufes weiterleiten solle. Derweil ich bibbernd vor mich hin tropfe und er einen Punkt irgendwo schräg hinter mir fixierte um nur ja nicht auf mein viel zu kleines Handtuch zu starren. Also lächle ich mit blauen Lippen, nicke, verabschiede mich und renne wieder unter die Dusche.

Zwei Minuten später klingelt es. Diesmal war es dann der Opa, was beide mich lauthals wissen ließen.

Eine Minute später ging das Handy, das ja mittlerweile im Bad lag. Der Possumvater war versehentlich auf einen der vielen Knöpfe gedrückt. Und wo dann ich zum dritten Male wieder draußen war, bin ich dann auch gleich da geblieben.

Wer braucht schon ein Verwöhnviertelstunde ohne Störungen? Eben.

Aber, dafür durfte ich auf der Fete bleiben solange ich wollte – ohne ein einziges Handyklingeln. Es sind eben doch die kleinen Dinge im Leben.

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Published in: on 3. Oktober 2010 at 11:21  Schreibe einen Kommentar  

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