Als das Leben noch einfach war

Man kann sich in dieser Welt ja anscheinend auf nichts mehr wirklich verlassen. Wohin die Zeiten, als man noch sicher sein konnte, daß die taz ein aufrechtes linkes Blatt ist, deren Leserschaft sich aus der rechtschaffenden linken Elite und deren dazugehörigen kommunistischen Weltverbesseren zusammensetzt, die wahlweise schnell das Holzkreuz oder aber die verbale Keule des kulturimperialistischen, kapitalistischen Übels dieser Welt rausholten, sobald jemand die USA nur erwähnte? Oder Ausländer statt Migranten sagte.

Dieses Bollwerk linkspolitischer Gesinnung hat nun Herrn Thilo Sarrazin interviewt. Und dieser Artikel hat wiederum eine Debatte ausgelöst in deren Verlauf ein Leser irgendwo ganzganz unten einen Artikel meines Blogs erwähnte. Und zwar genau den in dem eine amerikanische Flagge vorkommt und mein Entrüsten über deren versuchte Ankockelung.
Sehr, sehr viele Leser klickten sich nun auf meine Seite, wie die Statistik zeigte.

Nach dem ersten, nur knapp erfolgreichen Versuch meine Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen, hab ich vorsichtig, gaaaaaaaaaanz vorsichtig meine Mailbox gecheckt um die zu erwartetenden Flut der „Stell Dich nicht so an, was erwartest Du denn auch wenn Du mit *so* einer Fahne durch die Gegend fährst – selbst schuld“-Mails durchzuarbeiten. Ich hatte an dem Tag diesbezüglich wenig bis gar nichts zu tun. Auch die öffentlichen Kommentare nahmen das ohne weitere Erwähnung hin.

Die Debatte als solches, die ich mir in meinem Schock dann zu Gemüte führte, war erstaunlich breit geführt und in keinster Weise so, wie ich es von der linken Vorzeigepostille dieses Landes erwartet habe.

Seufz, das Leben war auch einfacher, als es noch Schubladen gab. Und langweiliger war es auch.

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Published in: on 9. Dezember 2010 at 11:17  Schreibe einen Kommentar  

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