Alle Jahre wieder – Teil 12

Irgendjemand oder irgendetwas scheint eine Menge dagegen zu haben, daß ich Weihnachten zuhause bei meiner Familie in der alten Heimat feiere. Was letztes Jahr noch Wetter und Krankheit gemeinsam machen mußten, schaffte dieses Jahr das Wetter ganz alleine.

Nach langem Bangen und Hoffen und Warten auf Bedingungen, die uns nicht wahlweise in den nächsten Graben schicken, stundenlang auf der Autobahn stehen oder uns einen LKW küssen lassen, haben der Possumvater, der Autor und ich uns gestern morgen entschlossen, daß wir Weihnachten zuhause feiern. Zwar war es gestern noch nicht so schlimm wie heute – wirklich sicher und entspannend war es nach Augenzeugenberichten aber auch nicht. Und eine Entscheidung mußte her, sogar ich brauche ungefähr ein bis zwei Tage um Weihnachten aus der Erde zu stampfen, deswegen konnten wir nicht auch noch den Donnerstag abwarten, um dann vielleicht am Freitag doch noch den Weg in Richtung Münsterland antreten. Oder eben auch nicht.

Also haben wir alle unserem unguten Bauchgefühl nachgegeben und ich habe den Koffer wieder ausgepackt und Kind Nummer Zwei in die Verwahranstalt gebracht, wobei das Kind natürlich gebrüllt hat, er wolle aber zu Opa und sich nur mit der Aussicht des Weihnachtsbaumkaufes und dem dazugehörigen Feature einmal im Jahr vorne sitzen zu dürfen, beruhigen ließ. Kind Nummer Eins war noch in der Schule und durfte ausnahmsweise ihr Handy mitnehmen, mit dem sie mich dann anrief und ich sie statt zum Parkplatz in den Hort umleitete, was a) maßlose Enttäuschung und b) das Versprechen auf 30 Minuten Elfenspielen mit Mutter zur Folge hatte.

Somit sass ich dann gestern statt in einem Stau mit einem Glas gutem Rotwein vor dem Kamin und neben dem flugs gekauftem und mit den Kugeln vom letzten Jahr geschmückten Baum und habe ein Buch gelesen. Und der Autor ist heute mehr oder minder pünktlich heim gekommen und mußte sich nicht mit unglaublichen Menschenmassen auf dem Bahnsteig drängeln, um in seine Bahn zu kommen, die dann doch wahrscheinlich auf offener Strecke stehen geblieben wäre – so sie denn überhaupt führe.

Ich werde es wie letztes Jahr wieder sehr vermissen, das Weihnachten im Kreis meiner gesamten Familie, aber manchmal ist es einfach besser, wenn man auf die Vernunft und sein Gefühl hört und seinem Gewissen einfach mal eine niedere Priorität einräumt. Oder wie die beste Schwiegermutter von allen in solchen Momenten sagt

„Wer weiß, wozu es gut ist.“

Ist ja alles richtig. Aber wenn nächstes Jahr zur Abwechslung bitte mal ein Wetter herrschen würde, bei dem ich auch wirklich fahren kann und dann noch alle Kinder und Eltern gesund sind, dann fänd ich das doch mal wieder sehr, sehr nett. Wirklich.

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Published in: on 23. Dezember 2010 at 21:01  Schreibe einen Kommentar  

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