Noch eine Suppengeschichte

Wir hatten die Tage Besuch von Herrn und Frau Franglish for Germans nebst Kindern. Den 1,80m großen Sohn haben wir das letzte Mal gesehen, da saß er Buddha-like mit lediglich einem leichten Flaum auf dem Kopf kerzengerade wie nur ein Einjähriger sitzen kann auf der Erde und schaute uns sinnierend und ernst an. Ich will nicht über die Zeit und so nachdenken.

Dazu hatte ich auch gar keine Zeit, ich hatte eine Essensfrage zu lösen. Da nämlich die Patentante von Kind Nummer Eins auch da war, hatten wir sozusagen an einem Tisch eine Vegetarierin, eine Weizenmehlallergikerin, einen Lactoseintoleranten, einen Teenager, eine Fastteenagerin und zwei Kinder. Plus noch zwei Erwachsene, die essensmäßig nichts erschüttern kann.

Was genau kocht man da? Da ich ja nicht die raffinierte Kochkünstlerin vor dem Herrn sondern eher einfach gestrickt bin, entschied ich mich einfach für Vielfalt. Zwei vegetarische Suppen ohne Milch und Sahne, zwei mit Fleisch auch ohne Milch und Sahne und drei Sorten Brot, von denen zwei ohne Weienmehl waren.

Morgens hab ich dann langsam angefangen meine vorher sorgfältig ausgesuchten Rezepte zusammen zu klauben. Asiatische Hühnersuppe – im Drucker. Osso-Bucco für den Slowcooker – im Kopf. Möhren-Ingwer-Suppe – auf dem Schirm. Minestrone – weg. Weder im Drucker noch auf dem Schirm noch in der Browserhistorie. Und im Kopf schon gar nicht, weil ich die noch nie gemacht habe. Ich bin hier ungelogen 15 Minuten voller Panik rumgerannt beziehungsweise habe wie eine Irre das Netz durchsucht, denn ich wollte nun genau diese Suppe machen.

Ich war also kurz vor dem Haareausraufen, als mir meine Freundin mit einem unschuldigen

„Du, ich hab das hier auf dem Küchentisch gefunden. Da drin vielleicht?“ mein „Küche, Land und Leute – Italien“-Buch reichte. Ein Kochbuch! Wie bitte sollte ich da drauf kommen, daß ich das Rezept in einem Buch mit echtem Cover und Seite und so gesehen hatte. Also bitte, ja!

Stellte sich im übrigen raus, daß die sogenannte Minestrone aus dem Buch doch eher ein italinischer Bauerneintopf denn eine Suppe wurde. Allerdings stellte sich auch raus, daß genau das der Renner war.

Ich werde dann wohl doch ab und an mal wieder eine Kochbuch-Session veranstalten müssen. Der Autor wird es mir danken.

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Published in: on 10. März 2011 at 10:25  Schreibe einen Kommentar  

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