Feuertraditionen

Ich wohne mittlerweile echt entschieden zu lange im heidnischen Osten.

Hier sieht ein Osterfeuer aus wie folgt: Irgendwann zwischen Karfreitag und Ostermontag wird auf dem Sportplatz Feuerzeit ausgerufen. Bierwagen, Würstchenstände und der Übertragungswagen eine lokalen, meist schlechten Radiosenders gehören dazu ebenso wie natürlich die Feuerwehr. Wenn es dann dunkel ist wird das Feuer angezündet und alle haben eine gute Zeit. Allerdings glauben einem hier auch noch mindestens ein Drittel der Leute, wenn man ihnen erzählt, das Osterfeuer sollte daran erinnern, dass Jesus am Kreuz verbrannt wurde.

In der alten Heimat ist das anders. Wenn man da fragt, wann denn Osterfeuer ist, wird man empörtestens angeschaut. Ostersonntag natürlich, wann denn sonst? Und sollte es sich um ein halboffizielles mit Feuerwehr handeln, dann kommt irgendwann der Priester mit Gefolge – bis dahin ist das Bier mittlerweile warm, glaubt man dem Possumvater. Bei Kirchenchoruntermalung spricht der Geistliche salbungsvolle Worte und entzündet das Feuer mit der Flamme der Osterkerze. Dann schwebt er mit seinen Meßdienern wieder von dannen. Für meine Kinder war das dieses Jahr sehr faszinierend.

So sehr, dass meine Tochter laut, um das prasselnde Feuer zu übertönen, fragte, ob wir auch so Jungs in weiß-roten Mädchenkleidern bekommen könnten, wenn wir nächste Woche die Hexen bei der Walpurgisnacht bei uns verbrennen.

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Published in: on 26. April 2011 at 06:42  Schreibe einen Kommentar  

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