Sozio-kulturelle Studien am praktischen Beispiel des Taxifahrers

Ich hatte ja schon mal ganz verwundert auf die Freundlichkeit anderer Städte Taxifahrer am Rande hingewiesen. Gestern nun hatte ich die Möglichkeit, den direkten Vergleich anzustellen.

Ich weilte zu Feier- und Recherchezwecken in der Alstermetropole und mußte zwischendurch zum Bahnhof. Ich wußte, ebensolcher ist nur kurz um die Ecke. Leider hatte ich keine Ahnung, um welche Ecke denn nun genau. Mit Rollköfferchen und zwar schönen, aber nicht unbedingt bequemen Schuhen, wollte ich es auch nicht unbedingt auf eine Expedition ankommen lassen, also rief ich ein Taxi. Dem Fahrer war die Streckenlänge ja so egal, plauderte nett mit mir, hob mir auch noch mein Köfferchen raus und entschuldigte sich drei Mal, dass ich noch ein paar Meterchen laufen mußte, weil kurzfristig irgendwo irgendwas abgesperrt war. Das Ganze machte dann doch 3,80 Euro. Ich gab ein eher fürstliches Trinkgeld.

Zeitsprung. Acht Stunden später in einem östlichen Randbezirk von Berlin. Durch bauliche Maßnahmen und eine erhebliche Mißkommunikation zwischen der S-Bahn und mir, beschloß ich, mir eine Taxe für die zwei Stationen nach Hause zu nehmen. Warum sollen immer nur die Fahrer in anderen Städten profitieren?

Ich steige also ein, nenne das Ziel und werde gleich in feinstem unfreundlichsten Ton angeranzt, ob ich den Weg kennen würde, sonst müsse man für so eine kurze Strecke den Navi anstellen, er wäre nicht von hier. Ja, kannte ich. Und weil die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt, erwähnte ich gewisse Mißstände bei der Bahnkommunikation. Schwerer Fehler. Ich wurde sogleich belehrt, dass man schließlich nicht alles haben könne. Ich würde schließlich im Grünen wohnen, da müsse ich das gefälligst in Kauf nehmen, Er hätte S-, U- und Straßenbahn vor der Tür, aber müsse raus fahren, wenn er in den Garten wollte. Ich solle mich da mal nicht so anstellen.

Danach hielt ich die Klappe. Der Fahrpreis war ob der längeren Strecke höher, das Trinkgeld deutlich geringer. Und ich weiß jetzt wieder, warum wir und alle anderen Nachbarn, Freunde und Bekannte es vermeiden Taxi zu fahren. Die Gefahr mit einer angeblichen Berliner Schnauze (lies: der Lizenz zum unglaulichen Unhöflichseins) in einem Blechkasten gefangen zu sein, ist einfach zu hoch.

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Published in: on 23. Mai 2011 at 07:57  Schreibe einen Kommentar  

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