Warum sich der amerikanische Präsident in Hoppegarten erholt

Der Autor und ich haben ja zwei grundsätzlich unterschiedliche Heransgehensweisen an das Thema Shopping. Da ich für meine Klamotten, die der Kinder und bis zu einem gewissen Grad auch die des Autors zuständig bin, bin ich immer irgendwie auf der Suche. Ich gehe ständig und immer mit offenen Augen durch die Geschäfte und kaufe, was der Erfahrung nach in den nächsten Monaten gebraucht werden könnte. Spezielle Gelegenheiten mal ausgenommen.

Beim Autor ist das anders, von Socken und Unterhosen mal abgesehen, wird schon mal gerne eineinhalb bis zwei Jahre gar nichts gekauft. Irgendwann fällt ihm dann auf, dass er ungefähr gar kein passendes Hemd, T-Shirt und/oder Hose im Schrank hat und muss dann sofort einkaufen gehen. Und zwar mit mir. So ein Tag war Donnerstag. Gesagt, getan.

Es wird einem schon schwindelig bei den Beträgen, die in drei Stunden über die Theke gehen. Wenn man die allerdings aufs Jahr (oder zwei) hochrechnet, dann geht das schon wieder. Nun hat mein Mann drei Philosophien:

Erstens: Wenn etwas paßt, wird es gleich in dreifacher Ausfertigung gekauft.
Zweitens: Und in mehreren Farben.
Drittens: Nichts, aber auch gar nichts mit Aufdruck.

Ja. Und dann sind wir bei Camp David gelandet, die sich ja nun dadurch auszeichnen, auf wirklich jedes Kleidungsstück einen nicht gerade subtilen Schriftzug ihrer Firma aufzudrucken. Leider verkaufen sie die einzigen Stoffhosen in ganz Berlin, die dem Mann stehen. Und sie haben extrem umtriebige, dabei sehr freundliche Angstellte. Es war unglaublich, wir fühlten uns 10000km nach Westen versetzt.

Ich weiß nicht, wo die ihre Mitarbeiter schulen lassen, aber wer immer das tut, er macht einen guten Job. Nicht nur, dass sie uns unablässig neue Sachen brachten, die uns gefallen *könnten*. Sie waren dabei gut gelaunt, machten ziemlich gekonnt SmallTalk und waren schlicht nett. Und, nach dem Kauf von – wen wundert es? – mehr als nur den Stoffhosen, wurde aus der obligatorischen Kaffeemaschine, die ja mittlerweile in jedem zweiten Laden rumsteht, nur leider nie bei Kunden zum Einsatz kommt, für mich Kaffee gezapft und dem Manne das Wasser fast aufgedrängt.

Und wo wir schon mal da waren, dachten wir, wir schauen uns die beiden Schwesterunternehmen doch auch mal an. Und siehe da – wir wurden sofort beim reinkommen auf die Einkaufstüte angesprochen und in ähnlich freundlich-zuvorkommende Art behandelt.

Hmpf. Man kann da so als gemeiner Deutscher ja nicht so wirklich mit umgehen, wenn sich das Personal auch wirklich um einen kümmert – und zwar anhaltend und nicht nur alibimäßig. Man wird gleich so mißtrauisch, wenn das Personal nicht gleich auf Tauchstation geht.

Wer jetzt jedoch gleich ein typisches, amerikanisches Unternehmen vermutet, das uns durch penetranten Freundlichkeit das wohlverdiente Geld aus der Tasche leiern will, der irrt. Es handelt sich um eine grundostdeutsche Firma, wie uns auf das empörteste versichert wurde. Firmensitz nahe Berlin. Typisch. Müssen die Ossis kommen und uns zeigen, wie kundenorientiertes Verkaufen funktioniert.

Ich hoffe, es gibt sie in zwei Jahren noch.

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Published in: on 12. Juni 2011 at 10:37  Schreibe einen Kommentar  

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