Großbritannien im Spätsommer

Um eines ganz klar vorweg zu nehmen – Gewalt ist nie eine Lösung. Und schon gar nicht, wenn es die trifft, die eh schon wenig bis nichts haben. Es kann nicht sein, dass Häuser angezündet werden und unschuldige Menschen in Gefahr für Leib und Leben gebracht werden, weil einem gerade danach ist.

Aber noch kontraproduktiver ist es, wenn sich Politiker hinstellen und Dinge von sich geben wie etwa Mister Cameron, der davon redet, wer alt genug wäre zu plündern wäre auch alt genug für harte Strafen. Aber auf die Idee, die Frage zu stellen, warum so junge Menschen überhaupt randalierend durch die Straßen ziehen, kommt er anscheinend nicht. Politik und Medien scheinen zu dem Gentlemen´s Agreement gekommen zu sein, dass man die Jugendlichen als konsumgeile Irre darstellt, die für neue Turnschuhe ihr Viertel in Flammen aufgehen lassen.

Weniger wird davon geredet, dass Nicht-Weisse vier Mal häufiger aus dem Nichts angehalten und durchsucht werden – das mag einen plausiblen Hintergrund haben, nur wurde der anscheinend mehr als schlecht kommuniziert. Und diese Durchsuchungen gehen im zum großen Prozentsatz ergebnislos aus, die Sinnhaftigkeit wird trotzdem nicht hinterfragt. Aber jede willkürliche Durchsuchung der Person ist und bleibt immer auch eine Erniedrigung, die wieder ein Hölzchen mehr ins Feuer wirft.

Die Brandschatzer und Plünderer werden zudem gerne als einzelne Irre dargestellt. Wenn aber jetzt im ganzen Land ein Brandherd nach dem anderen hochgeht, dann scheint es doch eher ein strukturelles Problem zu sein, bei dem man sich vielleicht mal fragen sollte, wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann.

Wenn die Familie eines, wie die IPCC herausgefunden hat, unschuldig von der Polizei erschossenen Mannes von dessen Tod aus den Medien erfährt und nicht von einer irgendwie gearteten Behörde und sich auch danach bis zu der ersten Krawallnacht niemand um Kommunikation bemüht, dann ist es zwar falsch, wenn die Gegenseite ihrerseits die Kommunikation abbricht und sich in Gewaltakten übt, aber es ist nicht wirklich unverständlich.

Aber da ist, glaube ich, das Hauptproblem angesiedelt – jeder gibt gerade seinen Senf dazu, wer oder was seiner Meinung nach die Krawallmacher sind und wie ihre Motive aussehen. Noch nirgends habe ich gelesen, was sie selbst sagen oder dass mal einer der Entscheidungsträger mit statt nur über die Gewalttäter geredet hat. Dabei ist doch genau das der ultimative Lösungsansatz: Die Motive verstehen, damit man sie aushebeln kann.

Von aussen sieht es für mich so aus, als haben die Randalierer mit Gewalt auf eine völlig fehlgeschlagene Politik reagiert, weil sie keine andere Möglichkeit gesehen haben, was zu ändern. Und mit traumwandlerischer Sicherheit haben sie den komplett falschen Weg eingeschlagen.

Ich persönlich sehe kein schnelles Ende der Gewalt auf England zukommen – aber habe die Hoffung auf ein gutes. Irgendwann.

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Published in: on 10. August 2011 at 08:40  Schreibe einen Kommentar  

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