Von Einhörnern und Totenköpfen

Wenn die eigenen Kinder zwei verschiedene Geschlechter haben, dann kommt man bekanntlich im anfangenden Jahrtausend nicht um die Geschlechtertheorien herum. Auf der einen wie auf der anderen Seite.

Gestern hatten wir wieder ein Beispiel für die eine. Wir waren im örtlichen Schreibwarenladen und suchten eine Federmappe für Kind Nummer Zwei, der ab Montag ABC-Kind im Kindergarten ist und das heute morgen im Bett im übrigen mit einem formvollendeten Fist-Pump untermalt hat. Jedenfalls zog Kind Nummer Eins ihn zu den Federmappen und zeigte ihm die Auswahl. Ich war noch im angegliederten Post-Shop, als ich hektisches Gewisper hörte.

Irgendwann kam meine Tochter dann mit leichter Panik in den Augen und meinte, sie würde jetzt doch mal bitte meine Hilfe benötigen. Mein Sohn wollte un-be-dingt die Federmappe mit den Einhörnen. Den rosa Einhörnern. Aber immerhin auf blauem Grund. Es sind die kleinen Dinge, für die man dankbar sein muss. Und so erklärte ich meiner Tochter mit hoffentlich sicherer und überzeugender Stimme, daß das völlig ok sei und wenn ihr Bruder lieber Einhörner statt PRIRATEN ODER FUSSBALLER auf seinem Etui haben wollen würde, dann sei das eben so.

Was meine Tochter eher seltsam fand, sich dann aber der Suche ihres Hausaufgabenheftes widmete und sie zielsicher nach dem schwarzen, mit dem Totenkopf, unter dem „Hausaufgaben“ drauf steht (vermutlich von der Hells Angels Kindergruppe abgeschaut), griff. Was sie wiederum völlig normal und keiner Diskussion wert befunden hat.

Ich würde sagen 50% hätten wir geschafft, in der hausinternen genderdiscussion. Und die restliche Hälfte lösen wir dann, wenn die Kinder ihre jeweiligen neuerworbenen Schätze nicht mehr vor lauter Stolz mit ins Bett nehmen.

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Published in: on 14. August 2011 at 08:39  Schreibe einen Kommentar  

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