Mach Dich nackisch!

Wenn einer eine Reise mit dem Flugzeug tut, dann muß er durch viele Sicherheitskontrollen. Egal von wo nach wo – Spaß macht das nirgendwo. Nur gibt es graduelle Unterschiede.

Am professionellsten sind unserer Erfahrung nach die Engländer. Klar, wer knapp 40 Jahre bewaffneten Terror hinter sich hat, der hat Zeit zum üben. Nirgendwo geht die Sicherheitskontrolle so reibungslos und zügig von der Bühne wie da. Eltern mit Kindern sind im Vorteil, sie werden bei der Passkontrolle gnadenlos aus der Schlange geholt und vorgezogen. Und es gibt eine familyline mit Regenbogen, wenn es denn zurück in den Sicherheitsbereich geht. Kleiner Tip, es schadet nicht, wenn die Kinder auf Kommando unglaublich übermüdet, aber dennoch sehr süss gucken können.

Das hilft auch bei der Einreise in die USA, sofern man nicht in Newark oder New York landet. Auch in den Staaten werden neuerdings bei der Einreise Familien mit Kindern meist bevorzugt behandelt. Kein Wunder ist, die örtliche Flughafensicherung TSA drüben bekommt von allen Seiten unglaubliche Prügel. Was unter anderem wohl auch am Nacktscanner liegt, den sie dort an vielen Flughäfen einsetzen (das nahezu komplette Fehlen von Funden und Ergebnissen hilft auch nicht wirklich im Beliebtheitsranking).

Wobei es durchaus so ist, dass man nicht durch den Scanner gehen muss. Man kann verweigern und bekommt dann einen „Pat-Down“ – man wird also abgetastet, mal mehr, mal weniger intensiv und gründlich. Viele Amerikaner ziehen das auch durch, als Ausländer tut man sich da doch etwas schwerer, sich einfach zu verweigern, man ist ja schließlich Gast. In den Medien und Blogs (und auf den Flughäfen) wird heftigst über das Thema diskutiert, die Behörde kommt dabei doch eher schlecht weg. Mein derzeitiger Favorit ist die Vorstellung, dass ein Tampon im Scanner aussieht wie ein kleines Stück Dynamit und ob der dann auch gesondert kontrolliert wird. Und wie das dann aussehen könnte. Ebenso werden wohl Slipeinlagen zwar sichtbar, aber wohl eher nicht kontrolliert. Hmmmmmmm.

Wie ich also geduldig in der überall auf der Welt langen Schlange stehe und mir überlege, ob ich meine Kinder und mich nicht lieber abtasten lassen will, frage ich mich, ob die Beamten mich wiederum fragen, ob ich denn wohl schwanger sei, bevor sie mich durch das Ding jagen (Deutsche haben zur Radioaktivität ja eher ein gespanntes Verhältnis – egal wie gering die Dosis auch sein mag), bin ich auch schon dran. Und siehe da – die Kinder und ich werden durch das Nullachtfuffzehn-Piepsdingens geleitet, der Autor wird via Technik naggisch gemacht. Zumindest in Phoenix ist ihnen die Gefahr des Verklagtwerdens aufgrund eventueller Folgeschäden denn wohl doch zu gross. Mittlerweile sieht die Praxis anscheinend so aus, dass zumindest Kinder generell nicht mehr gescannt werden, weil schlicht die gesundheitlichen Risiken gar nicht abgeschätzt werden können.

In Deutschland wurden die Dinger erstmal wegen Ineffektivität wieder eingezogen. Dafür wird man in diesem Land mit Kindern garantiert nicht vorgezogen, da können sie süss gucken bis die Sicherheitsbeamten Löcher in den Zähnen haben. Und wirklich freundlich waren sie hier bei der Ausreise auch nicht. Aber hier kann ich mich wenigstens gepflegt aufregen – was ich sehr zum Leidwesen des Autors denn auch tue.

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Published in: on 26. Oktober 2011 at 07:29  Schreibe einen Kommentar  

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