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Es war einmal der Mensch

Das Universum von Kindern sieht heute anders aus als das unsere. Und so sehr man auch der guten alten Zeit hinterher trauern mag, mit ohne Computer, iPad, 35 Kinder-Programmen Minimum und NintendoDS, die allesamt unsere Kinder vom draussen Spielen in Wind und Wetter abhält – die Kinder sind weiter als wir es damals waren. Oder besser, sie sind anders. Und nicht unbedingt schlechter dran.

Meine Tochter beispielsweise sollte zusammen mit ihrer Freundin ein Auto malen. Keinerlei Vorgaben, sie durften machen was sie wollten. Und befanden sich nur Sekunden nach der Aufgabenstellung in einer sehr angeregten Diskussion, welchen Antrieb sie wählen (Solar sollte es sein) und ob normale Solarpanel oder diese anderen neuen (Photovoltaic meinten sie, denke ich mal) besser geeignet seien. Gut, die Bilder selbst sahen genauso aus, wie Kinder Jahrzehnte vorher sie gemalt haben – aber alleine die Überlegungen dahinter fand ich sehr beeindruckend.

Mein Sohn stellt mit seinen gerade mal fünf Jahren Fragen wie

„Sag mal, wo kommt das Wasser her? Ich mein jetzt wirklich, wie ist es ganz am Anfang entstanden?“ Ich habe an den naturwissenschaftlich bewanderteren Autor verwiesen.

Kinder sind in der Lage, die Erfordernisse, die die Umwelt an sie stellt anzunehmen und umszusetzen – jedenfalls in einem gewissen Maße. Und das ist gut so, denn die Welt in der sie aufwachsen ist nicht mehr die, in der wir groß geworden sind. Daher finde ich auch die althergebrachten Meinungen wie

„Die sollen rausgehen und spielen“ doch leicht vereinfacht dargestellt. Sicherlich, sie sollen rausgehen und toben. Sie sollen sich auspowern und abends total erschöpft und verdreckt reinkommen, so dass man sie nur noch mit spitzen Fingern unter die Dusche stellt.

Aber damit alleine ist es nicht mehr getan. Die Welt heute hat andere Erfordernisse, die Menge, die ein Mensch wissen muss steigert sich täglich. Und abgesehen davon – die meisten Kinder sind wißbegierig. Sie wollen lernen und Input haben, es muss nur so aufbereitet werden, dass es nicht langweilig ist.

Und wenn es Wasserexperimente in meiner gerade geputzten Küche sind.

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Der Orgasmus auf der Zunge

Na, wie ist die Überschrift? Ich hätte da noch

„Gartentipp – Gurken pflanzen für die ökologisch korrekte Selbstbefriedung“ oder auch

„Putztipp – In der Küche ordentlich einen runterschrubben“.

All diese Überschriften haben zwar so gar nichts mit dem darunterliegenden Text zu tun, aber das macht nichts. Hauptsache Google findet den geschriebenen Artikel im Meer der Daten. Und die Leser finden es ansatzweise interessant.

Anders jedenfalls kann ich mir solche Überschriften im SPON nicht erklären. Ich meine, da wird eine der tollsten, erfahrensten und erfolgreichsten Schauspielerinnen überhaupt interviewt und raus kommt ein Leadsatz, der so gar nichts mit dem zu tun hat, was sie eigentlich gesagt hat. Von der Tatsache, dass das mit dem eigentlichen Interview herzlich wenig zu tun hat, mal ganz abgesehen.

Ich meine, vielleicht hab ich ja wichtige Trends zum Thema Schreiben verpaßt, aber ich dachte immer, eine wirklich gute Überschrift soll den Leser zeigen, was ihn erwartet und ihn neugierig machen. Tut sie das nicht, dann ist es blöd, weil der Leser gar nicht erst in den Artikel reingeht.
Macht sie ihn aber neugierig und der Inhalt stimmt dann so gar nicht mit dem überein, was er erwartet hat, dann ist das auch nicht gut. Bei mir war gerade letzteres der Fall und ich hoffe inständig, dass die arme Helen Mirren kein Deutsch kann. Ist ja peinlich.

Nein, da nehm ich doch wieder meine langweiligen Überschriften. Aber wenigstens steht bei mir auch drin, was drüber steht. Fast immer jedenfalls.

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Morgens um sieben ist die Welt sehr verwirrend

Heute morgen um sieben beim Dorfbäcker. Ich hatte Brötchen für die Frühstücksverköstigung nach einer Lesenacht für Kind Nummer Zweis Klasse bestellt. Wie nicht anders zu erwarten, eine Riesenschlange. Ganz vorne ein Mensch, der für jedes Brötchen gefühlte 2 Minuten Entscheidungszeit brauchte. Nach elf Brötchen war er fertig. Allgemeines Aufatmen.

Dann sah er auf der Theke Marmorkuchen stehen. Ja, davon hätte er gerne auch noch. Kollektives Augenrollen. Sein Blick geht runter und da

„Ach, Sie haben ja frischen Kuchen! Und was eine Auswahl!! Also dann nehme ich noch, warten sie mal…“

Mehrere Unterkiefer treffen den Boden. Ja, guter Mann, in einer Bäckerei gibt es auch frischen Kuchen. Und davon ganz viel. Es ist deren Geschäft, das zu verkaufen. Sieh an, sieh an.

Nein, ich bin an einem Samstagmorgen um sieben vor dem ersten Kaffee kein Menschenfreund, wahrlich nicht. Und wenn ich Kaiserin von Deutschland werde, dann erlasse ich ein Gesetz, dass um diese Zeit nur Brötcheneinkaufprofis in den Laden dürfen.

Jemand noch einen Kaffee?

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Pyjamaparty zu neunt

Wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich Kindergeburtstage hasse. Sie sind laut, anstrengend und nach spätestens 40 Minuten heult irgendwer immer. Das ist der Grund, warum ich ab dem 4 Geburtstag in Museen, Tobewelten oder Gläserne Labore auslagere. Da ist geschultes Personal, das dafür bezahlt wird, die Kinder davon abhalten, sich zu zerfleischen.

Dieses Jahr hatte meine Tochter anderes vor. Sie wollte eine Pyjamaparty mit angeschlossener Filmenacht. Biiiiiitttttteeeee, Maaaaaaamaaaa!

Und so kam es, dass letzten Freitag um 18 Uhr acht zusätzliche neunjährige Mädchen, deren Eltern mit mitleidigem Blick nach der Abgabe schnell das Weite suchten, das Wohnzimmer bevölkerten. Im Gegenzug ist der Autor mit Kind Nummer Zwei zu den Serienjunkies ausgewandert. Dafür habe ich Unterstützung von Frau Lostinabadbook und Frau Serienjunkie bekommen. Und das war gut so.

Sonst hätte ich nämlich ganz alleine an meinem Küchentisch gesessen und mich mit Sicherheit gelangweilt. Denn was sich da abspielte hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Es war alles derart friedlich und entspannt! Die Mädels haben Flaschendrehen um die Geschenke gespielt, sich auf Stopptanz geeinigt, haben dann auf ihrem Matratzenlager ruhig den ersten Film geschaut und dabei genascht und geschlemmt, dann den zweiten Film, kurz eine Kissenschlacht, sich fertiggemacht und dann war – Ruhe.

Das ich erst um Mitternacht geschlafen habe, lag daran, dass ich mit den anderen Frauensleuten noch gequasselt habe, aber nicht daran, dass irgendwer aus der Reihe getanzt wäre. Und genauso ruhig und gesittet ging es am nächsten Morgen weiter bis die Kiddies abgeholt wurden. Ich hab es echt nicht geglaubt.

Was nicht bedeutet, dass ich das beim 6jährigen meines Sohnes auch machen werde. Ganz bestimmt nicht. Es werden noch Vorschläge für sehr aktive kleine Jungs im November angenommen. Dringend.

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Eine von denen

Nicht zum ersten Mal habe ich vergangenes Wochenende festgestellt, dass Wahrnehmungen von aussen betrachtet oft anders sind als von innen betrachtet. In diesem speziellen Fall war es ein Kind an einem späten Samstagabend in einem Restaurant. Und das kam so:

Kind Nummer Eins und ich waren auf einer Konzertveranstaltung von Frau Lostinabadbook, die im übrigen sehr beeindruckend war – also beide, Veranstaltung und Freundin. Und danach hatte mein Kind Hunger. Viel Hunger. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns dann, dem lokalen Griechen noch einen Besuch abzustatten. Gesagt, getan.

Wir betraten also das sehr volle Restaurant und steuerten gleich den für Freunde des Hauses immer reservierten Tisch an – Kindergarten Vitamin B ist schließlich alles. Es kamen auch gleich alle auf uns zugestürmt, Kind Nummer Eins war die Prinzessin und unser Essen kam in Rekordzeit. Wofür ich dankbar war, denn ich spürte sie schon, diese Blicke, die da sagten:

„Also, muss das sein? Mit einem Kind um 22 Uhr noch ins Restaurant gehen. Wenn ich sowas will, dann muss ich mir keine Kinder anschaffen. Lottermutter!“

Und wenn ich ehrlich bin – so Blicke hab ich damals vor den eigenen Kindern auch schon geworfen. Allerdings waren die Kinder da sehr viel kleiner und haben sehr viel müder ausgesehen als meine aufgedrehte Neunjährige. Und es half auch nicht, dass ich mir vorgebetet habe, das in südlichen Ländern Kinder gerne mal bis tief in die Nacht in Lokalen rumspringen. Ich wollte schon mit eingezogenem Kopf schnell zahlen, als einer der Kellner zu mir meinte:

„Weißt Du, Du mußt Zeit mit Deinem Kind verbringen, egal wann. Und guck sie Dir an, Deine kleine Prinzessin, sie hat doch Spaß! Noch einen Wein?“ Und wie sie den hatte, den Spaß, sie quasselte ununterbrochen, war wahnsinnig wohlerzogen allen Anwesenden gegenüber und versprühte gute Laune. Sie und ich hatten einfach eine gute Zeit.

Und deswegen tat ich das, was man in solchen Fällen immer tun sollte – ich ignorierte die Blicke, bereitete mich seelisch darauf vor, den Wagen erst am nächsten Morgen abzuholen, sagte Ja zu besagtem Wein und trank mit der Belegschaft noch einen Ouzo.

Jámas!

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Luftballons vs. Ranunkeln

Dass das eigene Kind älter wird merkt man an vielen Dingen. Aber manchmal wird es einfach offensichtlich, wie gestern abend, als ich den Geburtstagstisch für Kind Nummer Eins fertig gemacht habe. Kein Geburtagszug mehr, sondern Teelichter. Keine Barbie-Girlande, sondern Glasherzen als Deko. Keine Luftschlangen, sondern Ranunkeln. Ich bereitete also vor als von der Couch rechts neben mir die Frage kam

„Soll ich Dir beim Luftballons aufpusten helfen?“ Mein Blick war sehr mitleidig.

„Das Kind wird neun, sie hat mir gesagt, sie möchte aber bitte keinen Kindergeburtstagstisch mehr, sondern was geschmackvolles.“ Ehrliches Bedauern im Blick des Autors. Und in meinem. Aber was tut man nicht alles dafür, dass das Kind angestrengt cool morgens die Treppe runterkommt und sich sichtlich mühsam zurück hält, nicht vor Freude zu quietschen. Und wie warm wird einem ums Herz, wenn man dann hört

„Mama, das ist der schönste Geburtstagstisch ever. Auch wenn keine Luftballons dabei waren!“

Herzlichen Glückwunsch zum Geburstag, mein Kind!!!

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