Kein Anschluss unter dieser Nummer

Kind Nummer Eins wollte heute eine Freundin einladen und sie zu diesem Behufe anrufen. Man stellt sich das ja nicht so schwer vor. Sie auch nicht.

„Mama, wo ist Dein Handy?“ Huh? Wir gehören zu denjenigen, die noch ein Festnetzanschluss haben.

„Eh, wofür?“

„Na, wegen der Nummer doch!“ Silly Mom!

„Ich hab die nicht im Handy.“ Ich bin froh, wenn ich da meine Nummer, die ich brauche alle drin habe.

„Ja, was mach ich denn da jetzt?“ Ich wiederhole mich: Huh?

„Ehm – Telefonbuch?“ Duh!!??

Mein Kind suchte also erst nach und dann im Telefonbuch, das sie noch nie in der Hand hatte. Irgendwann hat sie es glücklich gefunden und blätterte. Und blätterte. Und blätterte. Der Autor und ich guckten uns nur an. Probleme, von denen wir nie dachten, dass sie mal zu einem werden würden.

„Mama, sag mal, können wir nicht einfach online nachgucken?“ Kind ist ja nix, wenn nicht einfallsreich.

Worauf Mutter ein Einsehen hatte und die Liste mit den Klassenkameraden nebst Nummern und Mailadressen raus zog. Sehr erleichtert griff sie danach.

„Danke, Mama, siehste, so ein Buch ist doch unpraktisch. Da findet man ja gar nichts drin.“

Wir fassen also zusammen, die heutige Generation findet Telefonbücher unnötig, hat die damals revolutionäre Telefonnummern-CD mit umstrittener, integrierter Rückwärtssuche gar nicht erst kennengelernt und ist offline aufgeschmissen, wenn es um sowas Profanes wie eine Telefonnummer geht.

Es sei denn, Mutter weiß weiter. Der Autor und ich haben uns vorgenommen, unseren Kinden in Zukunft die altertümliche Handhabungstechnik eines Telefonbuches zu erklären. Für den Notfall. Wobei – vielleicht sollten wir dafür mal ein aktuelleres als das aus dem Jahre 2006 holen.

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Published in: on 3. März 2012 at 17:56  Comments (9)  

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9 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Oh ja. CD mit Rückwärtssuche. Bei mir war anno ’97 mal die Kripo mit einem Durchsuchungsbefehlan der Tür, weil in einem Kriminalfall eine Telefonnummer auftauchte, die sie mittels der D-Info-Rückwärtssuch-CD meinem Namen zuordnen konnten. Das hätte auch beinahe gestimmt, bis auf die Kleinigkeit, dass ich die Nummer zur fraglichen Zeit gar nicht mehr besaß – ich hatte etwa ein Jahr zuvor auf ISDN umgerüstet, und damals[tm] bekam man in diesem Fall noch eine neue Telefonnummer. Der Datenbestand auf der CD war allerdings einigermaßen angegraut…

    • Das war sie schon, als sie rauskam, wenn ich mich recht erinnere:-)

  2. Wir ‚aben gar kein Telefonbuch 🙂
    Und sind somit offline auch ziemlich aufgeschmissen *zugeb*

  3. Ich habe seit 1996 oder 97 die selbe Handynummer die auch als einzige Telefonnummer im ‚Telefonbuch‘ eingetragen war und ist (war auch eine ganze Zeit lang ein guter Schutz vor Werbeanrufen) und habe das Überalterungsproblem mit meinen eigenen Daten deshalb nie gehabt. Allerdings hatte ich auch relativ früh einen privaten BTX und später Internetanschluss (28k Modem, das waren noch Zeiten) und kann mich gut daran erinnern das auch online die Rückwärtsuchefunktion teilweise im Wochentakt gesperrt und wieder freigegeben wurde, je nachdem welches Gerichtsurteil gerade aktuell war und was der jeweilige Firmenanwalt des Verzeichnisdienstes davon hielt.

    Aber bei all den witzigen Erinnerungen gibt es auch Wehmut: Ich habe mir vor ein paar Wochen die DJ Ausrüstungen eines Bekannten geliehen um ein paar Märchenwald und Räuber Hotzenplotz Langspielplatten aus meiner Kindheit für meine Nichte auf CD zu überspielen. Das bekam der 14jährige Sohn meiner Nachbarin mit der mir beim reinschleppen half. Er untersuchte die LP’s interessiert um dann zu fragen wofür die schwarzen Scheiben denn gut sein. Ich dachte zuerst der veralbert mich aber wenn er kein sehr guter Lügner ist (bei einem 14jährigen weiß man nie) hatte der Junge noch nie eine LP gesehen noch hatte er den blassesten Schimmer was das ist. SO ALT HABE ICH MICH NOCH NIE GEFÜHLT (HEUL).

    • Welcome to the club!

    • Die Antwort hätte lauten müssen: „Das ist der Vorgänger der CD“. Dann hätte Kind es sicher begriffen.

  4. Oh, ich ahne was mir in ein paar Jahren bevorsteht… Noch ist Sohnemann zu klein um umständlich in Telefonbüchern suchen zu müssen, aber in der digitalen Welt ist er auch schon vollends angekommen. Memory macht nur am Computer Spaß. So mit Pappkarten ist voll doof.

  5. *gacker*

  6. offline wär ich auch aufgeschmissen *gg* aber zum glück gibts ja die 11880 😉


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