Teufel Technik – damals und heute

Ich bin ja die Verfechterin der Theorie, dass man Kinder sehr früh Medienkompetenz lehren sollte. Damit ecke ich bei einer bestimmten Klientel immer wieder gerne an, die mir klar machen will, das Kinder weder Computer noch TV brauchen und ihre Kinder sich natürlich auch bei Freunden mit sowas total langweilen und vielvielviel lieber draussen spielen. Nun ja.

Meine Kinder sind nicht so. Mein Sohn würde das iPad sogar mit ins Bett nehmen, wenn ich ihn ließe. Und wenn er bei seiner Bildschirmzeit zwischen iPad und Fernsehen wählen darf, nimmt er immer das Tablet. Meine Tochter hingegen hat es eher mit dem Kindercomputer, einem ausgemusterten iMac. Da spielt sie ihre White List rauf und runter. Und genau darum drehte es sich auch, als ich mir plötzlich in den Sinn kam, als ich mir überlegte, ob man die Kindheit unserer Kinder noch mit unserer eigenen vergleichen kann. Ich kann mich nicht daran erinnern, mich jemals mit meinen Eltern darüber gestritten zu haben, dass ich unbedingt youtube auf meiner Whitelist haben.

Woran ich mich allerdings erinnern kann, ist, wie unfair meine Eltern waren, weil alle anderen Kinder den „Roten Kosar“ sehen durften nur ich nicht. Und ich erinnere mich sehr vage daran, dass meine Mutter zu meinem Vater meinte, sie hätte sich nie mit meiner Oma um das Fernsehprogramm gestritten. Einwurf Oma „Nein, aber um die Hottentotten Musik im Radio“

Was ich damit eigentlich sagen will – technische Neuerungen kommen, veralten und werden von anderen abgelöst. Jede Generation hat ihre eigenen, die die Alten nicht verstehen. Sie zu verteufeln bringt gar nichts, man muss einen Weg finden, vernünftig damit umzugehen.

Meine Mutter hat das Radio immer ganz, ganz leise gestellt, Oma hat es dann immer gefliessentlich überhört. Ich habe mich hinter dem Sessel versteckt, wohl bemerkt von meinem Vater, der aber so getan hat, als ob er mich nicht sieht. Und meine Tochter piekt mir jedesmal leise, ganz leise über die Schulter, wenn ich youtube anmache, während ich so tue, als bemerke ich es nicht.

Manche Traditionen brauchen einfach neue Transportmittel um am Leben bleiben zu können. Aber böse sind sie nie, die Transportmittel.

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Published in: on 22. Mai 2012 at 13:34  Comments (1)  

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  1. Dein erster Absatz hätte komplett so von mir kommen können 🙂 Nur meine Mutter sah in den technischen Dingen nie das Böse. Vielleicht weil ihre Eltern eine der ersten im Dorf waren, die nen Fernseher hatten. Mein Bruder bekam in den 80er so auch nen Texas Instruments Computer und hat nächtelang seitenlange Programmierungen für einfache Spiele eingegeben. Ich durfte als Kind viel zu viel fernsehen und bekam auch direkt nen GameBoy. Mit 15 hat sie mich in nem PC-Kurs angemeldet wo ich noch auf DOS-Ebene lernte 🙂 Jetzt hab ich selber zwei Kinder und nen computerverrückten Mann und meine zwei Kids wachsen auch mit „all dem neumodischen Zeugs“ auf. Da dem Papa das Ipad zu schade war um mit Nutellafingern beschmiert zu werden, habe ICH mir nen Ipod touch gekauft, den Sohnemann dann zum Spielen benutzen darf. Ich war dagegen dass er mit knapp 3 Jahren bereits nen eigenen bekommt. Letzte Woche hatter er ihn das erste mal mit zu Oma und hat da ein paar Minütchen mit gespielt. Beim Abschied meinte Oma dann „Bringst du das Ding das nächste Mal wieder mit? Der hat damit so schön gespielt.“ 😉


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