Von Verlusten und Gewinnen

Erstmal vielen Dank für die lieben Kommentare. Ich wußte, es war eine gute Idee, die Kommentarfunktion aufzumachen.

Man tendiert in solchen Lebensabschnitten ja stark zum Philosophieren über bestimmte Eigenheiten des Lebens. Mein derzeit bevorzugtes Thema: Warum, um alles in der Welt, es einem so schwer fällt Menschen gehen zu lassen, auch wenn man weiss, dass es für sie selbst besser ist. Und damit meine ich nicht nur den Tod, sondern auch Freundschaften die man gehen lassen muss. Ich rede hier übrigens ganz bewußt nicht über eheähnliche Beziehungen, die sind noch mal ein ganz anderes Kaliber und das, lieber Netzgossip, beschäftigt mich nun wirklich ganz und gar nicht.

Beim Tod ist es noch verhältnismäßig einfach – ein Mensch wird von uns genommen und ich möchte glauben, dass er den Verlust und den Schmerz, den wir spüren nicht mehr hat. Was wiederum bedeutet, wir können uns ganz auf unseren eigenen, gesunden Egoismus berufen und betrauern, was wir verloren haben. Ohne dabei dem anderen weh zu tun, denn der Tod liegt nicht in unserer Macht. Und oftmals wissen wir auf rationaler Ebene auch, dass es besser für alle Beteiligten ist, wenn ein Leben in verhältnismäßigem Frieden endet.

Aber was ist mit Freundschaften? Was, wenn diese nicht einfach auseinanderdriften wie das schon mal passiert, sondern wenn man merkt, jemand verändert sich so sehr, dass man nicht mehr mitkommt? Und eigentlich auch gar nicht mehr mitgehen will, weil die Richtung nicht die eigene ist. Was tut man dann? Eine Möglichkeit ist, denjenigen von seinem „Irrweg“ abzubringen und ihn vor sich selbst zu retten. Nobel gedacht, funktioniert nur meist nicht. Ein Mensch muss seine Fehler selbst machen um aus ihnen zu lernen. Immer gesetzt den Fall, es sind überhaupt Fehler.

Denn so manche Fehler sind nur in unserer Sichtweise welche, weil sie nicht dem entsprechen, was wir als den richtigen Weg empfinden. Und das ist natürlich der, der den Freund an unserer Seite hält. Auftritt Schwierigkeit Nummer eins: Zurücktreten und versuchen die Gesamtsituation möglichst emotionslos zu analysieren. Viel Glück dabei. Wenn man das geschafft hat, dann weiss man zumindest, ob wir hier von echten, objektiven Fehlern reden und man versuchen sollte, sie dem Freund auszureden. Oder ob die „Fehler“ gar keine sind, sondern einfach einer gesunden Weiterentwicklung und Veränderung geschuldet sind.

Und gerade wenn man diese objektive Meisterleistung vollbracht hat, dann kommt der nächste emotionale Hammer: Mische ich mich aktiv ein und versuche alles zu tun, um zu halten was zu halten geht, mit dem möglichen Ergebnis, dass ein Mensch, der einem viel bedeutet, nicht die Erfahrungen macht, die er machen will/muss/soll. Oder aber stelle ich meinen Egoismus tapfer zurück und lasse ihn ziehen – mit der realistischen Möglichkeit etwas Wertvolles zu verlieren?

Die richtige Antwort? Ich habe nicht die geringste Ahnung.

Wenn ich die Universal-Lösung auf diese und andere Frage hätte, würde ich ein Buch schreiben, in Talkshows gehen und wäre sehr reich.

Wie immer man sich aber entscheidet – in beiden Fällen bleibt die Hoffnung. Im Tode, dass der geliebte Mensch jetzt an einem besseren Ort ist. Und im besten Falle milde kopfschüttelnd auf einen herabblickt und sich wundert, mit welch seltsamen Gedanken sich die Lebenden doch befassen.
Und im anderen Falle, dass man das für sich und den anderen Richtige tut und dass sich so oder so die Pfade irgendwann wieder kreuzen. Wenn beide weiser und reifer sind. Und über die sogenannten Schwierigkeiten von damals herzhaft lachen. Zusammen.

Advertisements
Published in: on 30. Mai 2012 at 09:39  Comments (9)  

The URI to TrackBack this entry is: https://possumswelt.wordpress.com/2012/05/30/von-verlusten-und-gewinnen/trackback/

RSS feed for comments on this post.

9 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Das ist genau ‚mit dem Daumen auf’s Aua‘ formuliert. Würde ich sagen. Denn den wenn einem der Tod einen Menschen nimmt, MUSS man das hinnehmen. Man hat keine andere Chance. Und kann nur hoffen, dass man da irgendwann drüber wegkommt, es nicht mehr so weh tut.
    Die viel größere Leistung ist zu akzeptieren, dass andere Menschen auch andere Lebenswege gehen wollen, gehen können und gehen dürfen. Und trotzdem glücklich sein können bzw. ein Recht darauf haben. Und genau da kämpfen wir uns gerade durch. Deswegen hat mich der Artikel so direkt angesprochen.
    Danke dafür.

    • Ich bin ja immer froh, wenn es anderen Menschen auch so geht wie mir. Also nicht nach dem Motto „Wenn es mir schlecht geht dann bitte den anderen auch“ sondern eher in der Richtung „Hurra, ich bin nicht allein“
      Dir auch viel Kraft auf dem Weg.

  2. Die Tiefe, die deine Artikel derzeit haben, finde ich toll. Und ich bin froh, da etwas zu sagen zu dürfen. (Und es kommen bestimmt wieder Zeiten, wo weniger Tiefe notwendig ist.)

    Zu dieser Freundschaftssache: Mein Ausbilder stellte vor gut 8 Jahren fest: „Du hast doch sicherlich auch schon den zweiten oder dritten Freundeskreis durch.“ Und ja, das hatte ich.
    Auch bei meinen Eltern habe ich erlebt, das einige Freunde jahrelang regelmässig da waren, dann aber wieder gefühlte zehn Jahre nicht mehr gesehen wurden, und auf einmal wieder dazugehörten.
    Das Leben zieht diese Kreise…..

    Ich habe mittlerweile gefühlt den fünften Freundeskreis hinter mir. Wenn ich derzeit Geburtstag feiere ist nur eine Person dabei, die gefühlt knapp 15 Jahre dazugehört. Die anderen sind „Neuer“. Ich finde das in Ordnung so, ich habe mich weiter entwickelt, andere entwickeln sich weiter. Und manchmal lässt man sich gegenseitig gehen.

    Ich finde, eine Patentlösung gibt es nicht. Es gibt Personen, denen würde ich nach 20 Jahren ohne Kontakt, nachts um zwei einen Platz auf meinem Sofa geben, wenn sie klingeln kommen.
    Denen könnte ich die Türe zu unserer Freundschaft nicht zuschlagen. Und ich weiß, dass es anders herum auch so ist. Auch wenn es derzeit nicht ganz so gut läuft.

    Hinter anderen Leuten fällt es mir dagegen leichter, die Türe zuzumachen, auch wenn wir uns nichts getan haben. Im innersten ist es einfach vorbei.

    Ich meine, es gibt keine Patentlösung. Man muss wohl jede Freundschaft separat wiegen.

    Und von der anderen Seite her: Wieviele Freundschaften kann man aktiv pflegen. Ich tippe auf 5 bis 6 und dann wird es in meinen Augen schon schwer. Ich finde, da darf man auch schonmal die Mitspieler austauschen.

    Das mit dem Gehen lassen, hatten wir vor zwei Wochen mit einem unserer Pferde, (ja ich weiß, es ist kein Mensch, aber hier lag der Tod in unserer Macht…) Und auch da habe ich gelernt, dass man den Verlust einfach durchleiden muss.

    • Ja, so Leute, die mich um zwei Nachts nach fünf Jahren rausklingeln dürfen habe ich auch noch. Und wahr ist auch, daß es Freundeszyklen gibt. Aber manche bleiben eben doch über Jahrzehnte. Und dann wird es bitter…

      Und der Tod Eures Pferdes tut mir leid, auch wenn man damit verantwortungsbewußt gehandelt hat. Es macht es nicht wirklich leichter.

      • Ja, manche bleiben Jahrzehnte, und dann ist es besonders schmerzhaft und bitter. Aber das ist wohl auch Teil unserer Freiheit.

        Danke für dein Mitgefühl.

  3. ich kann für mich nur sagen: freundschaften kitten is nich. du kannst zwar irgendwie weiter mit der betreffenden person in kontakt stehen, manchmal sieht man sich ja zwangsweise, weil man demjenigen mal die patenschaft für den erstgeborenen übertragen hat, aber es wird nie mehr wie es einmal war. von daher lass ich los, was ich nicht halten kann.

    schön, dass ich dich an dieser stelle auch mal grüssen kann =)
    lexi

    • Lexi! Auch eine von denen, die man Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat – wo wir unten von Zyklen geredet haben!

      Loslassen was man nicht halten kann, ist manchmal die beste Alternative. Aber nicht zwangsläufig die Einfachste.

  4. Oh weh, ich *drück* Euch mal 🙂
    Aber ich habe schon festgestellt, daß es einfach auch verschiedene Freundschaften gibt. Mit der einen kannst Du alle Serien, Mode usw. durchgehen, die andere hat da gar kein Interesse dafür…aber für andere Sachen dafür wieder.
    Und manches verliert sich einfach…
    Und ich habe eigentlich auch nur 2 Freundinnen, die schon seit der Schulzeit andauern:)

    Ich glaub, es wär mal wieder Zeit für Allgäu-Urlaub!

    LG Tine

    • Allgäu-Urlaub klingt toll! Was sagt Dir: „Ein paar ruhige Tage im schönen Berliner Speckgürtel?“ 🙂


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: