Der kleine, aber feine Unterschied

Als Frau eines Amis werde ja immer mal wieder gefragt, was ich in Amerika denn besser fände als in Deutschland. Die Antwort kommt dann immer sehr spontan und aus tiefestem Herzen.

„Da wird man wenigstens bedient!“

Ja, manchmal sind sie voll sehr … eh … irritierender Hyperhyper-Laune, wenn sie Dir eine Cola bringen dürfen. So sehr, dass ich manchmal ernsthaft versucht bin, nach einem Drogentest zu fragen. Aber selbst wenn sie high sein sollten – sie kommen wenigstens, nehmen eine Bestellung auf und bringen Dir dann das Gewünschte.

Das ist in Deutschland nicht immer der Fall. Nehmen wir zum Beispiel vergangene Woche. Der Autor und ich hatten mal einen Tag zusammen frei und gedachten zum Lunchen zu gehen. Erstes Restaurant – zu. Nagut, passiert. Zweites Restaurant, Italiener mit Biergarten in dem sogar Leute sitzen. Wir gehen rein, setzen uns gut sichtbar hin und warten auf einen Menschen, der uns eine Karte bringt. Fünf Minuten, zehn Minuten, nach fünfzehn Minuten sind wir dann gegangen. Keine Ahnung, wann da mal irgendjemand aufgetaucht ist.

Und das passiert uns ja nicht zum ersten Mal – wir hatten mal eine Zeit, da ist uns das dauernd passiert – gut, da sind wir auch dauernd essen gegangen, damals. Höhepunkt war ein Restaurant in Bonn, in dem uns ein Kellner hinterher gelaufen ist und meinte, wir müssen noch zahlen und wir ihn entgeistert sagten, wir hätten schon gerne erstmal bestellt.

Nein, sowas passiert einem in den USA mit Sicherheit nicht. Und schon gar nicht so oft. Dann doch lieber mit falscher Freudlichkeit bedient werden, aber wenigstens was in den Bauch kriegen.

Übrigens haben wir dann letzte Woche doch noch was bekommen, im dritten Restaurant. Von einem unglaublich gutgelaunten und freundlichen Kellner.

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Published in: on 14. Juni 2012 at 08:21  Comments (11)  

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11 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Seltsam.. das ist mir die letzten Jahre genau ein einziges mal passiert. Und ich gehe wirklich mindestens jede 2. Woche mal irgendwo essen und selten sonderlich teuer.
    Das tu ich auch nicht in den USA oder so, sondern in Dresden. (Und das eine Mal war im Zwickauer Brauhaus).

    Also entweder machst du was falsch oder ich irgendwas richtig?

    • Wenn Du das rausgefunden hast, dann hätte ich gerne einen kleinen Tipp

  2. Dafür kommen sie aber auch und legen dir gut gelaunt die Rechnung schon auf den Tisch, so irgendwo zwischen dem 1. und 5. Happen, den du zu dir nimmst. Das kann auch nervig sein 😀 Und sie fragen dich immer dann, ob alles in Ordnung ist, wenn du gerade die Gabel im Mund hast. Dafür gibt aber auch free refills und Brötchen vorneweg, die zu 90% aus Luft bestehen, 8 Prozent Öl und 2 % Mehl :D.

    BTW wir leben in Tennessee

    Lieber Gruß
    Bea

    • Free Refills – auch so ein Ding, das ich gerne hier hätte:-)

      • gibt es doch inzwischen in einigen, amerikanisch angehauchten billig-Gaststätten.
        Das Problem ist halt dass man sowas bei Cola anbieten will, die nur aus Chemie+Zucker+Wasser besteht (oder vlt. noch Kaffee), bei nem guten Rotwein hingegen weniger.
        Sprich: Systemgastronomie ja, richtige Restaurants nein

  3. Ach, Service Wüste Deutschland. Unterschreibe ich sofort. Gibt’s hier auch. Also in Bayern. Manchmal glaube ich Bedienungen sind Fluchttiere. „iiiiihhhhhhhh ein Gast. Schnell weg.“
    Biergärten, wo eher der Winter kommt, als ne Bedienung.
    Oder Bedienungen die unbedingt erst ne (ungelogen) halbe Stunde mit ner Bekannten im Restaurant ratschen müssen bevor sich dann einen Kollegin erbarmt und Bestellung auf nimmt… Ja, das mit der Falschen Freundlichkeit aber wenigstens Service, unterschreibe ich so auch auf jeden fall. Ich glaub ich muss unbedingt mal über den Teich…

    • Fluchttiere ist auch sehr schön:-)

  4. also bisher hab ich das eher selten erlebt und schon gar nicht beim italiener, bedinung immer schnell immer freundlich, egal wie spät wir da waren

  5. Zur Freundlichkeit kann ich nichts sagen. Soweit waren wir ja nicht:-)

  6. Haha, in Neuengland kann dir das auch passieren. Aber ja, Service können sie, die Amerikaner.

    Ich hab mich an die 4-Stop-Vorfahrtsregel gewöhnt. Wenn man wirklich mal das Stoppschild verpeilt, ist die Chance kleiner, einen Unfall zu haben, weil die anderen (hoffentlich) stehen.

  7. Ich bin ja selber mit Leib und Seele Kellnerin, aber in so manchen Lokalen denke ich auch, dass ich im falschen Film bin. Tja, sagen wir es mal so: es gibt Berufe und es gibt Berufungen, …


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