Mit Irokesen in den Sommer

Wir waren gestern beim Friseur, die Kinder und ich. Das ist immer ein wenig tricky, denn Kind Nummer Eins will sich die Haare nie schneiden lassen, sie will sie „lang“ haben. Was ok ist, aber lang ist eben auch fusselig, wenn sie nicht gepflegt werden. Mein Sohn hingegen hat sehr genaue Vorstellungen. Er sieht sich Frisuren von kleinen Jungen an, kombiniert dann drei zusammen und will das dann auf seinem Kopf. Man merkt, es hat im Vorfeld Diskussionen und Beratungen gegeben. Viele Diskussionen und Beratungen.

So sind wir dann also gestern los. Mir tat die Fris…Hairstylistin ja schon ein wenig leid. Tochterkind sagte was sie wollte, suchte sich eigenständig ihre neue Kunsthaarsträhne aus und Mutter lehnte sich entspannt zurück. Nach einem kurzen Kontrollblick zu mir, fing die Haardame an zu schneiden. Erstes Gewisper bei den älteren Damen im Salon wurde hörbar.

Das wurde dann lauter, als mein Sohn dran kam. Der erklärte nämlich sehr deutlich vernehmbar, dass er Stacheln auf dem Kopf wolle und zeigte mit seinen – kindergartendreckigen – Händen, wie der Iro auszusehen hätte. Die Friseuse zeigte schnelles Lernpotential und konzentrierte sich vollkommen auf Kind Nummer Zwei, in der Hoffnung, ich würde schon einschreiten, wenn er etwas völlig Erziehungsinkompatibles fordern würde. Als die beiden bei der Diskussion 16 oder 12mm (nicht, dass mein Sohn sich darunter was vorstellen konnte, aber darum ging es auch gar nicht) angekommen waren, war das Gewisper bei

„Also ich finde ja, bei Kindern in dem Alter kann ruhig noch die Mutter entscheiden“ angekommen.

Nö. Finde ich nicht. Ich finde, Kinder können gar nicht früh genug damit anfangen, sich ihres eigenen Körpers bewußt zu sein und zu verstehen, dass das, was damit passiert ihre eigene Entscheidung ist. Gut, alles hat Grenzen, ich werde meiner 13jährigen dereinst mit Sicherheit keine Erlaubnis für ein rückendeckendes Tattoo geben – eigener Körper hin oder her. Aber Haare sind etwas Reversibles. Und wenn es meiner Meinung nach häßlich ist, dann habe ich immer noch die Hoffnung, dass es dem Kinde irgendwann auch auffällt und man es dann sehr schnell ändern kann. Eigene Entscheidungen zu treffen heißt eben auch, Verantwortung dafür für sich selbst zu übernehmen und auf seinen Körper aufzupassen.

Und wenn eine blaue Strähne oder ein Gel-Iro die Schritte auf diesem Weg sind, dann geh ich die eben mit. Und style meinem Sohn ab morgen dann eben jeden Tag die Haare, damit er nicht noch eine Nacht im Sitzen schlafen muss, wie er heute morgen empört bemerkte. Weil seine

„Spikes auf dem Kopf doch sonst vom Kissen platt gedrückt werden, Mama!“

Womit wir auch gleich die erste Lernerfahrung hinter uns haben. Ich geh dann mal Gel kaufen.

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Published in: on 19. Juni 2012 at 08:27  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Bei dir wäre ich auch gerne Kind! 🙂
    Mir hat man in dem Alter noch den typischen Prinz-Eisenherz-Topfschnitt verpasst!

    • Eben. Und sieh, was aus uns geworden ist:-)


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