Wenn einer eine Reise tut – Teil 26

So, wir sind dann wieder aus Spanien zurück. Costa Blanca, Haus mit Pool, Bar nebenan, alles wie gehabt, alles sehr schön und sehr erholsam, vielen Dank. Wenn da nicht die Rückreise gewesen wäre, die dann gleich mal wieder einen Gutteil der Erholung einkassiert hat.

Da wir ja nur in der Nähe der Hauptstadt wohnen, fliegt durchgehend nach Alicante (und zurück) genau ein Flieger genau einer Airline genau einmal am Tag. Daher mussten wir bei Hin- und Rückflug umsteigen. Soweit so gut, die Verbindungen waren annehmbar, der Rückflug sollte über Frankfurt am Main gehen. Wir kommen also an und gehen, ganz der Anweisung folgend nicht erst Richtung Band sondern Connecting Flights. Stellen uns vor den Monitor und schauen, zu welchem Gate wir müssen. Und erstarren. Unser Flug wurde gestrichen.

??

Eh. Dann verschwand der Flug komplett vom Monitor, als ob er nie existiert hätte. Und blieb verschwunden. Weit und breit niemand den man fragen könnte, also erst in die Sicherheitsschleuse und fragen, was in einem solchen Fall zu tun ist. Dann ohne Gepäck (das wurde ja nach Tegel durchgecheckt) durch den ziemlich unübersichtlichen Abflugbereich des Terminal Zwei. Immer mit übernächtigten Kindern und einem ebensolchen Autor im Schlepptau.

Fast ganz hinten links im Terminal dann den ersten AirBerlin Schalter angesteuert, dessen ich habhaft werden konnte. Die nette Dame dort verwies mich auf den Service Schalter – „da wo die lange Schlange steht. Ihr Gepäck ist in der Zeit sicher in unserer Verwahrung.“ Und sie war lang, die Schlange. An deren Ende sassen dann drei Mitarbeiter, wovon zwei für uns Normalsterbliche zuständig waren. Also die Kinder am Blumenkasten schräg rechts deponiert, sie mit ernährungsphysiologisch fragwürdigen Getränken und entwicklungstechnisch noch fragwürdigeren Zeitungen ruhig gestellt.

Zweieinhalb Stunden lang. Nein, das war nicht die gefühlte, das war die reale Zeit. Immerhin erfuhren wir beim Warten von den anderen Gästen, dass es für den Zug keinerlei Reservierung mehr gäbe, weil der den ganzen Abend durch ausgebucht ist. Und der Possumvater rief aus Spanien (!!) an und sagte, unser Flug wurde mit vielen anderen wohl deswegen annuliert, weil das Radarsystem in München schon den ganzen Tag defekt sei. Ein Info, die ich wirklich gerne schon im Flugzeug bekommen hätte, immerhin war es bei der Landung früher Abend. Da könnte man schon Kenntnis davon geben.

Endlich am Ende der Schlange angekommen, bekam ich dann zwar keine Erklärung, aber immerhin drei Optionen: Zugfahrkarte ohne Reservierung (mit zwei mittlerweile vollkommen fertigen, kleinen Kindern knapp 5 Stunden im Zug stehen? Nope.), Erstattung des Flugpreises (mit der Option sich dann auf eigene Kosten einen Mietwagen zu nehmen und mindestens 5 Stunden zusammen mit der Unwetterfront nach Nordosten hochzudonnern – nein, danke) oder aber Umbuchung auf den nächsten Morgen, die Hotelkosten würden wir aber auch selbst zahlen müssen. Immerhin hatte die Frau am Schalter soviel Mitleid (ich war aber auch wirklich unter Auferbietung meiner gesamten Beherrschung und der letzten mir verbliebenen Nerven sehr ruhig und freundlich, denn die Arme konnte ja nun auch nichts dafür) mit mir, dass sie mir ein Hotelzimmer besorgt hat („Die Passagierin zahlt selbst!“ Zumindest erstmal).

Während ich noch die Formalitäten erledigte, ging der Autor von der Sicherheit sehr unbehelligt zurück in den Zollbereich und fragte bei der Gepäckverwahrung nach unseren Koffern. Die wurden wohl nach langen Umkreisungen aussortiert und stünden jetzt neben dem Band. „Suchen Sie sich ihre raus.“ Ohne dass die Gepäckscheine kontrolliert wurden. Sichere Verwahrung scheint wohl doch eine nicht immer genau definierte Bedeutung zu haben.

Der Rest des Abends verlief dann verhältnismäßig ereignislos. Das Hotel war gut, das Essen auch – wobei so ausgehungert wie wir mittlerweile waren, hätte uns auch eine Stulle mit Brot gereicht, wenn wir die denn dort bekommen hätten.

Manchmal frage ich mich ja wirklich allen Ernstes, ob das Schicksal möchte, dass solche kleinen Geschichten aufgeschrieben werden und sie diese deshalb gerne mir zukommen lässt. Das wäre es doch einfach mal wert, drüber nachzudenken. Und darüber, wie man das Schicksal überzeugt, dass manchmal auch andere Leute dran sind.

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Published in: on 8. Juli 2012 at 15:54  Comments (11)  

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11 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ja, so ist das wenn der Mehdorn nach der Bahn die Air Berlin in Grund und Boden führt

    • Das Problem ist nur, dass ich auch weiterhin mit ihnen fliegen muss. Denn nur AirBerlin fliegt in einer halbwegsanständigen Zeit nach Alicante. Alle anderen brauchen gerne mal 13 Stunden oder so…

  2. Was für ein Alptraum!
    Ich finde es ja bewundernswert, wenn man in so einer Situation dann auch noch ruhig und freundlich bleiben kann.

    Mir ist mal so etwas ähnliches passiert, vor vielen, vielen Jahren. Rückflug aus Los Angeles nach Berlin. Sehr, sehr lange Schlange durch das gesamte Terminal, es war kurz nach Weihnachten. Wir stehen da so bereits eine halbe Stunde Schlange, guckten genervt auf die Monitore, wo unser Flug angezeigt wurde – und auf einmal steht dahinter \”cancelled\”…
    So ca. eine Stunde später erreichten wir endlich den Schalter, wo man mir freundlich erklärte, der Flug sei gestrichen, nein, sie könne mir leider auch nicht weiterhelfen, da müsste ich auf einen anderen Flug umgebucht werden, da müsste ich mich aber da drüben *hier zeigte sie auf einen anderen Schalter mit ebenso langer Schlange* anstellen. Worauf ich spontan beschloss die Taktik zu ändern. Lieb und nett brachte mich nicht weiter, also probierte ich mal etwas lauter zu werden, so als Deutsche erwartet ja eh keiner dass man sich zivilisiert benimmt.
    Und siehe da, kaum erhob ich etwas die Stimme, kam sofort jemand angestürzt, stellte sich als Manager vor, versuchte mich dann dezent irgendwo von der Hauptbühne zu lotsen, worauf ich mich standhaft weigerte und erklärte, ich ginge hier erst dann weg, wenn ich die Tickets für einen anderen Flug hätte!
    Ging dann auf einmal alles ganz schnell…

    Auf dem Rückflug mit Air France über Paris hab ich mir dann eine Lebensmittelvergiftung zugezogen, aber das ist eine ganz andere Geschichte!

    • Kicher, das war dann die Strafe für das Theater.

      Ich hatte den ganz großen Auftritt in Erwägung gezogen, aber an einem Freitag um 20 Uhr ist da eh kein Entscheidungsträger mehr…

  3. Gut, ich könnte jetzt darüber nachgrübeln warum es ausgerechnet ein Urlaubsort sein muss, der so `toll` zu erreichen ist, aber das die ganze Kiste ziemlich ärgerlich ist, kann ich gut verstehen.
    Ich hoffe, beim Koffer ausräumen habt ihr dann noch ein paar Kisten Erholung gefunden! 😉

    • Weil der Possumvater hat da ein Haus mit Pool in dem wir umsonstig urlauben können. Den Grund find ich schon sehr triftig.

  4. Ja, wer sich weit entfernte Reiseziele aussucht, sollte hinterher nicht klagen. Leider wird immer vergessen, daß Technik nicht immer funktioniert und auch nicht allmächtig ist. Und dann ist sie eben weg. Die Technik.

    Zum Trost. Früher gab es das auch. Das Schiff erlitt Schiffbruch und die nächsten 10 Jahre verlebte man bis zur Rettung auf einsamer Insel, falls man nicht ersoff. Die Kutsche verlor ein Rad, das Pferd brach sich ein Bein und die nächste Poststation eine halbe Tagesreise entfernt. Oder der Wichensteller stellte die Weichen falsch.
    Selbst der Urlaub im eigenen Garten ist nicht ungefährlich, wenn einen dort der Blitz trifft. 🙂

  5. keine sorge frau possum, das schiksal hat für uns alle solche erlebnisse, dem ist verdammt oft langweilig, dem schiksal

  6. *ohhh* ich kann es mir lebhaft vorstellen!

    Hoffentlich hattet Ihr trotzdem einen schönen Urlaub!

    LG Tine

    • Der Urlaub als solches war toll. Wann war der gleich? Vor zwei Monaten oder so???:-)

  7. Das mit den Koffern ist normal. Habe da an FRA 16j gearbeitet und oft und viele Koffer neben das Band gestellt. An bestimmten Streik/Wettertagen reichte selten der Platz dafür aus. Am 11. Sep haben wir Wochen gebraucht, bis da alles aufgeräumt war. Aber ich muss sagen, mir sind keine geklauten Koffer in Erinnerung.

    Normal stehen die auch nicht ewig, wenn alle Passagiere weg sind, kommt jemand von einer Airlines und nimmt die Daten auf, diese werden isn System eingegeben. Wenn es dann eine Umbuchung oder Nachsendung oder Verlustmeldung gibt, wird der dann weiter bearbeitet. Alle Gepäckstücke landen morgens dann im Zolllager, wo sie erstmal mind. 3 Monate bleiben, wenn dann kein Ergebnis kommt, dann geht es zur Versteigerung


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