Trau keinem über 30

Ok, also wir hatten vor ein paar Monaten einen Artikel über Freundschaften und wie sie sich verändern. Noch schlimmer ist aber ein Vertrauensbruch – auch und gerade wenn er nicht mit Absicht geschieht, wovon man wohl in den meisten Fällen ausgehen darf. Damit umzugehen macht dann auch keinen Spaß. Und ich bin mir auch noch nicht sicher, wie ich der betreffenden Person gegenüber reagieren soll.

Eines werde ich allerdings sicherlich nicht tun – es meine anderen und zukünftigen Freundschaften berühren lassen, wie man es mir jüngst als Präventionensmaßnahme vorschlug. Oder anders: Hase, Du bist selbst schuld, wenn Du zu sehr vertraust und Dich auf andere Menschen einläßt. Tu das nicht und Du wirst nicht verletzt.

Nope. Ich habe mich doch nicht durch die Widrigkeiten des Lebens durchgebissen, um jetzt auf die Idee zu kommen, dass Vertrauen in andere Menschen an sich schlecht ist. Ja, es tut weh. Sehr sogar. Aber was ist die Alternative? Sich nur noch auf einen Menschen zu verlassen – nämlich sich selbst. Ist das wirklich erstrebenswert? Nicht für mich. Nein. Auf gar keinen Fall. Lieber leide ich einmal pro Dekade.

Und mal abgesehen davon, es wäre das Äquivalent zur Sippenhaft. Mein Vertrauen wurde durch eine mir sehr nahestehende Person mißbraucht, also ist kein anderer Mensch dieser Welt es mehr wert, dass ich ihn so in mein Leben lasse. Wunderbar. Fragt sich, wen ich damit mehr verletze, Menschen, die mir etwas bedeuten oder mich selbst.

Ich glaube ja fest an den Spruch: Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude. Das funktioniert aber nur, wenn man sich auf andere einlässt und vertraut. Da ich Ökonomin bin und mir Gewinnmaximierung quasi ins Diplom geschrieben wurde, kann und werde ich darauf nicht verzichten. Und das Risiko der Enttäuschung ist unabsehbar vorhanden, aber eben in Abwägung zu dem zu erwartenden seelischen Gewinn in keinem Verhältnis stehend.

Oder nochmal anders: Ich buche das Ganze jetzt als Lebenserfahrung ab, habe heute unter der Sonne Spaniens ein Date mit Herrn Torres und bin dankbar für all meine Freunde, die mich hier und zuhause auffangen. Denn wie gesagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Und, nur für das Protokoll, es ist und bleibt ein Scheißjahr.

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Published in: on 4. September 2012 at 10:24  Comments (1)  
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  1. Ohje, klingt nicht gut, aber sei dir sicher, es geht nicht nur dir so. Auch ich nehme pro Dekade eine sehr schmerzhafte Erfahrung hin, weil ich einfach immer und immer und immer wieder auf andere Menschen hoffe und vertraue … ich tu mir im Endeffekt leider auch absolut keinen großen Gefallen damit und mein Mann hat gar kein Verständnis für mein Tun und Handeln, wenn er mal wieder als Kummerkasten herhalten muss. ALLES WIRD GUT, … manchmal hilft es, einige Verhaltensweisen einfach zu ändern um dem Ärger einfach aus dem Weg zu gehen. (Hab ich mal gesagt bekommen und in der Tat, es klappt mehr oder minder.)


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