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Alle Jahre wieder

Ich glaub, wir haben uns noch ein Jahr erkauft. Hoffe ich jedenfalls.

Mein Sohn hat es gerade nicht leicht, er ist hin und her gerissen von dem was er glauben will und was realistisch ist. So fragte er mich die Tage auf dem Weg zum Training:

„Mama, Du Mama, wer bringt jetzt eigentlich die Geschenke? Das Christkind, der Weihnachtsmann oder die Eltern?“ Groooooooße Augen.

„Was glaubst Du denn, mein Schatz?“ Immer ausweichen, nur nicht festlegen.

„Naja, ich glaube so ein bißchen beides. Guck mal, da ist Kindergartenfreund Eins!“ Sprachs, rannte los und Mutter hoffte, die Diskussion für dieses Jahr erledigt zu haben.

Bis gestern, als die Kinder eine Münze warfen, wer denn nun welchen Adventskalender bekommt. Nach viel Gezeter und Gejammer meinte ich nur

„Boah, Kinder, es kommt doch überall das Gleiche rein!“ Schockstarre bei Kind Nummer Zwei

„MAMA! Willst Du damit etwa sagen, daß DU die Sachen in den Kalender tust?“

Eh….

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Diplomatie auf der Rückbank.

Und wieder was aus der Kategorie „Sei doch froh, Du hast alles richtig gemacht“, was aber doch ein wenig das Mutterherz bluten läßt.

Ich komme also Freitag von meinen knapp 10 Stunden Arbeit wieder, sehe meinen Sohn das erste Mal an diesem Tag.

„Komm her mein Schatz, Mama hat Dich so vermißt.“ Herz, drück, knuddel. Große Augen.

„Mama? Ich hab heute eigentlich gar nicht an Dich gedacht!“ Toll.

Und dann später im Auto als wir alle zusammen zu Frau Lostinabadbook gefahren sind, fragte ich Kind Nummer Eins, wie ihr Tag denn war und ob sie mich wenigstens vermißt hat, wenn schon das andere Kind, dass ich monatelang in meinem Leib trug, nicht an mich denkt, nur weil ich mal weg bin. Zischen von der Tochter Richtung rechts

„Kind Nummer Eins, wie kannst Du das nur sagen?“ Ordentlich empörte Stimme.

„Waruuuuhuuuummm? Ist doch so!“ Rechtschaffenheit aus dem anderen Kindersitz.

„Weil ich sie jetzt wieder beruhigen darf, Mensch“ kam es geschreiflüstert von der Rückbank und dann sofort in normaler Stimme hinterher

„Mama, ich hab dauernd an Dich gedacht und Dich totaaaaaaaal vermißt!“ Die Stimme tropft vor Pathos und die Menschen auf den Vordersitzen japsen verzweifelt nach Luft vor unterdrücktem Lachen.

Ab wann genau kann man sein Kind noch mal für die Diplomatenschule anmelden?

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Sieben Stunden zu früh

Ich bin eine schlechte Ehefrau.

Der Autor weilte für eineinhalb Wochen in den USA und ich wollte ihn heute um 19 Uhr mit den Kindern vom Flughafen abholen. Pflichtschuldig, wie ich bin, schaute ich gestern abend nach, an welchem Gate er ankommt um einen ordentlichen Parkplatz zu bekommen, damit er nach gefühlten 40 Grad Temperaturunterschied nicht so lange durch die Kälte laufen muss.

Allein, um 19 Uhr sollte keine Maschine aus Charles de Gaulle, wo der Autor Zwischenstation machte, ankommen. Und auch nicht von irgendeinem anderen französischen Flughafen. Leicht panisch wühlte ich in den Unterlagen, die ich wohlgemerkt selbst geordert hatte und stellte fest – ups, der Mann kommt ja schon um 12 Uhr Mittag.

Ich brauche Urlaub. Ganz dringend Urlaub. Wobei Frau Lostinabadbook meinte, ich hätte es immerhin fast 24 Stunden vorher gemerkt, ich solle mich mal nicht so anstellen.

Wenn man mein Leben so betrachtet, hat sie eigentlich recht.

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Massaker in der Legobox

Ich sehe es ein, wir sollten unsere manchmal leicht morbide Ader vielleicht doch von den Kindern fernhalten. Kind Nummer Zwei stellte mir gerade sehr stolz sein neuestes Debautes (sic!) vor.

„Guck mal Mama, ein Legograb“ Ein Legograb? Er zeigt mir einen schwarz-grauen Quader.

„Ein Legograb? Für die toten Legosteine?“ Man wird doch mal fragen dürfen.

„Neeeeeeiiiiinnnn! Für die toten LegoMENSCHEN!“ Sprachs, öffnet das Grab und Kopf, Rumpf und Unterteil eines Lego-Männchens rollen mir entgegen.

„Eh, und warum ist der so auseinandergerupft?“ Vielleicht doch mal die Nummer eines erfahrenen Kinderpsychologen raussuchen?

„Ach, das waren die Würmer.“ Sprachs und ging weiter bauen. Was auch immer, ich glaub, ich will es gar nicht wissen.

Besser ist das.

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Zitat des Tages

Kind Nummer Zwei schnüpfelt seit einer Woche vor sich hin. Nichts wirklich Schlimmes, aber zu 100% fit ist er auch nicht. Seit heute morgen geht es dann. Was wiederum auch nicht gut ist.

„Mama, mein Husten ist heute so gar nicht gut drauf!“

Dann hoffen wir mal, dass er das Zeitliche segnet. Der Husten.

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Tage wie diese

Ok, langsam fange ich an, diesen Tag persönlich zu nehmen.

Kind Nummer Zwei hat morgen Geburtstag und wünscht sich seit langem eine Fußballparty. Mutter denkt mit und bestellt – rechtzeitig wie ich betonen möchte und sogar mit telefonischer Rückversicherung – eine Fußballtortenform, Fußballmuffinformen, Fußballkerzen und einen Fußballdekotortenaufleger. Allein, das Paket kam nicht. Ein schüchterner Anruf heute gegen Nachmittag beim Versender: Nein, sie hätten es noch nicht mal abgeschickt… ich erspare empfindsamen Gemütern meine Reaktion.

Jedenfalls stand ich 15 Minuten später Supermarkt des Dorfes vor dem Backregal und überlegte hin und her wie ich nun Geburtagskuchen, Muffins und Kindergartengeburstagskuchen fußballtechnisch dekoriere. Und wie ich so nachdenke, geht dreimal das Telefon. Wichtige Gespräche. Am Backregal. Im Supermarkt. Wichtig ja, aber ich hatte doch keine Zeit!

Um fünf Minuten vor 17 Uhr – ich mußte noch Kind Nummer Eins und ihre Freundin abholen – stand ich dann mit einem groben Plan im Kopf und den dazugehörigen Zutaten an der Kasse. Mit einem Ehepaar vor mir. Die noch schnell eben mal gerade einen Preis für frachmichnichtwas suchten. Und dann telefonierte der junge Mensch an der Kasse nach Kleingeld. Dann

„Huch, da hab ich doch meine Geheimzahl vergessen, junger Mann!“ Kicher, kicher, kicher.

Als die dann endlich durch waren, fängt besagter junger Mann an, bei mir abzukassierten und zerdeppert dabei eines meiner Eier

„Vielleicht wollen sie noch schnell ein neues Ei….“

„Himmel!“

Nach einem Sprint zu den Eiern und zurück, war ich endlich im Auto. Um beim Training von Tochterkind zu erfahren, dass sie kurzfristig für ein Spiel am Sonntag nomiert ist und übrigens, „wir brauchen dafür noch Schrippen. Belegt!“ Um des lieben Friedens willen, wegen meiner auch das.

Dann schnell mit zwei verschwitzen Neunjährigen zum örtlichen Kramsladen, Kindergeburtstagsdeko gekauft. Zu Hause, den ersten Kuchen zusammengeschmissen, während die Mädels geduscht haben und beim Haarewaschen ein Trauergespräch mit Tochterfreundin geführt, die gestern den Opa verloren hat und jetzt nicht weiß, ob sie mit zur Beerdigung soll oder nicht. Da kann man dann ja auch nicht abwürgen.

So, und während die Mädchen jetzt den Kleinen ablenken, fange ich dann mal an notzudekorieren. Gleich nach dem ich Popcorn Bestechungspopcorn gemacht habe. Und der Tag nach noch über vier Stunden.

Ich nehme noch Wetten an, was alles heute noch passiert…

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Zitat des Tages

Ich habe ja schon mehrere Male angedeutet, dass es mit der spirituellen Entwicklung hier im tiefsten Osten nicht so weit her ist. Nun haben wir gestern das Zimmer von Kind Nummer Zwei entrümpelt, es fand sich – neben vielen, vielen anderen Dingen auch eine schwarze Fake-Perlenkette, die zwischendrin graue Perlen hatte. Sohn rief genorös Kind Nummer Eins, um sie ihr zu schenken.

„Mama, ich weiss, was das ist! Das ist so eine Betungskette!“ Eh, ja fast, mein Schatz.

Aber immerhin weiß sie, dass es sowas wie einen Rosenkranz gibt. Es sind die kleinen Dinge, auf die wir aufbauen können…

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