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Thanksgiving, Teil II

Gestern war ja bekanntlich Thanksgiving und es war so ungefähr das lauteste, lustigste und chaotischste Thanksgiving, das ich in meinem Leben je gefeiert habe. Es war erste Mal, dass ich nicht alles selbst gemacht habe, sondern dass die Freunde Dinge mitgebracht haben. Und siehe, die Welt ist nicht untergegangen, sondern es hat sich alles richtig gut (und lecker) ineinander gefügt.

Und als ich gestern abend so zwischen meinen beiden Kindern im von ihnen geenterten Bett lag, da dachte ich das erste Mal seit Monaten wieder daran, wie dankbar ich bin. Seit Monaten deshalb, weil die letzte Zeit wirklich, wirklich anstrengend war.

Ich bin dankbar für diese beiden Geschöpfe, die im großen und ganzen pflegeleicht sind und uns soviel Freude bereiten – gut, die Pubertät kommt noch, aber bis jetzt ist das so.
Ich bin dankbar für die Freunde und Bekannten, die wir haben, die für einen da sind, wenn es brennt und mit denen man lachen kann, wenn es eben nicht brennt.
Ich bin dankbar dafür, dass mein einziges Problem darin besteht, ob ich ein zusätzliches Huhn oder eine Ente nehme, weil der Truthahn zu klein geraten ist und nicht, dass wir generell nicht satt werden (übrigens eine nicht weit verbreitete, sehr alte amerikanische Tradition. Früher wurden die Truthähne *immer* mit Enten serviert, damit sie sich im Ofen nicht so alleine fühlen. Räusper).
Ich bin dankbar, dass ich in Frieden, ohne Krieg und ohne Bedrohung für mein Leben leben kann.

Ich könnte jetzt noch viele Dinge aufzählen, die mir gestern abend eingefallen sind, bevor ich ins Erschöpfungskoma gefallen bin. Aber wieviel es ist und ob ich jetzt was vergessen habe oder nicht ist auch egal. Wichtig ist nur, dass ich mich daran erinnere, manchmal auch einfach mal glücklich, zufrieden und dankbar zu sein.

Und dann einzuschlafen.

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Zitat des Tages

Gestern abend war Turmspringen mit Raab, welches meine Kinder unbedingt sehen wollten. Und es zeigt, dass ein Mann eben immer ein Mann bleibt, auch wenn er erst sieben Jahre alt ist. Denn als die Damen aus dem Playboy an der Reihe waren, kam es sehr spontan von links

„Bunnies, da sind Buuuuunnniiieeesss – sind die süüüüüüüüss!“

Da freuen wir uns doch auf die Pubertät.

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Sonntagsmorgen um halb acht

Wer Sonntagsmorgens um halb acht aus Spaß durchs Dorf fährt sieht meist genau eine Art von Menschen: Eltern mit Kindern, die in irgendeiner Form von Trainingsanzügen gekleidet sind und zu einem Tunier gefahren werden möchten. Also genau die Art von Menschen, für die man früher ein müdes Lächeln übrig hatte, wenn man gerade von einer langen Nacht heim kam und sich schwor, dass man sich selbst eher erschießen würde, als das man so enden wolle.

Da man aber nie aus Spaß Sonntagsmorgens um halb acht durchs Dorf fährt legt das den Verdacht nahe, dass man seine Prioritäten umgestellt, das mit dem Erschießen doch noch mal hinten angestellt hat und gerade eben selbst das eine oder andere Kind an die gewünschte Sportstätte bringt.

Und manchmal trifft man dabei sehr müde aussehende Gestalten, die mit Make-up, das vor 10 Stunden mal gut aussah und Kleidung, die eher auf Samstagabend denn auf Sonntagmorgen schließen lassen, durch die Gegend fahren. Und dann denkt man an die Zeiten zurück, in denen man sie war und fragt sich, ob die Eltern damals dass gedacht haben, was man selbst heute denkt.

So versonnen läßt man sich den ersten Kaffee für 50 Cent im Plastikbecher in der Elterncafeteria des Tuniers geben und sinnt darüber nach, wie gut es ist, dass jedes Ding im Leben seine Zeit hat.

Allerdings wäre ab und an mal so ein freies Wochenende doch was Schönes. Zum Ausschlafen. Bis halb neun oder so.

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Ein Dorf steht auf

Es ist wieder mal Zeit für etwas Weltgeschehen, vor allem, wenn die Welt auch mal in unser Dorf kommt. So geschehen in den letzten Tagen, als sich herausstellte, dass wir zentral im Dorf ein kleines Übergangsheim für Flüchtlinge bekommen. Konzipiert für Familien oder Frauen mit Kindern, momentan vorzugsweise aus Syrien. Natürlich gab es die üblichen Diskussionen, aber alles in allem hielten sich diese im normalen politischen Rahmen.

Bis gestern.

Da bekam ich plötzlich mittags eine Mail, in der zu einer Gegendemo aufgerufen wurde. Eine Partei, die am sehr rechten Rand der Gesellschaft angesiedelt ist, hatte eine Kundgebung angemeldet, um uns nichtwissende Dörfler über die wahnwitzigen Gefahren durch die 20 Flüchtlingen (von denen, wie erwähnt, viele Kinder sind) aufzuklären.

Keine Frage, ich war dabei. Zumal ich es sehr interessant fand, dass nicht nur eine, sondern mehrere Stellen zur Gegendemo aufriefen. Neben einigen Parteien nämlich auch die Gemeindeverwaltung des Dorfes, namentlich der Bürgermeister.

Also wurden die Kinder verkauft, ich packte mich warm ein, war froh, dass es nicht regnete und stapfte los. Und traf schon eine Stunde vor Beginn auf die ersten Dorfbewohner, die den Platz vor dem zukünftigen Heim besetzt hielten, damit die Rechten sich dort nicht aufbauen konnten. Und dann passierte etwas, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte:

Es kamen nach und nach zwischen 200-250 Dörfler. Dafür, dass viele erst drei Stunden vorher davon erfahren haben, finde ich das ganz erstaunlich. Junge, Mittelalte, Alte und sehr Alte. Und wir waren laut, sehr laut. Nicht ein Wort, das von den ungefähr 40-50 braunen Hansels via Lautsprecher an uns gerichtet wurde, erreichte auch nur einen Empfänger. Ebenso erging es deren Liedgut. Schade, aber auch. Und – sie kamen nicht mal in die Nähe des zukünftigen Heims.

Noch interessanter als die verzweifelten, aber unfruchtbaren Versuche der Rechten uns eine Botschaft zu senden, war aber die Reaktion gerade der älteren Generation. Zwar sind sie viele von ihnen nicht unbedingt begeistert über das Heim mitten im Dorf – da wird noch einiges an Aufklärung von nöten sein. Aber noch viel weniger sind sie darüber begeistert, dass irgendwelche Leute, die definitiv nicht aus dem Ort sind ihnen erklären wollen, wen sie in selbigen hineinzulassen haben und wen nicht. Und ich habe anfangs eine Diskussion mitbekommen, bei der ein Gemeinderatsmitglied sich vor einen körperlich doch sehr imposanten Demonstranten mit eindeutiger Fahne gestellt hat und ihm erklärte, er sei hier nicht erwünscht und er solle gehen und zwar jetzt. Nach zwei Minuten war der Typ so verdattert, dass er wirklich zu seinen Mannen zurück gegangen ist.

Ich bin ja immer sehr vorsichtig, wenn es darum geht, stolz auf etwas zu sein, was man nicht selbst mit eigenen Hände geschaffen hat. Aber gestern abend war ich sehr stolz darauf in einem Ort zu wohnen, in dem die Bewohner, egal welche politische Coleur sie haben, egal wie sehr sie sich letzte Woche noch in der Sitzung die Köpfe eingeschlagen haben, sich zusammen gegen rechtsradikale Gruppen stemmen. Und zusammenhalten.

Ich bin sehr sicher, dass das jetzt erst der Anfang war, die Rechten werden wieder kommen und sie werden versuchen, Ängste zu schüren und zu nähren. Aber bei dem, was ich gestern gesehen und erlebt habe, bin ich guten Mutes, dass sie sich an uns die Zähne ausbeissen werden.

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Weihnachten naht

Ich habe mit den Kindern über Weihnachten gesprochen und wie wir es verbringen. Daraus entspann sich ein Gespräch, in dem Kind Nummer Eins irgendwann sagte

„Daran erinnere ich mich gar nicht mehr, aber da war ich ja auch noch ganz klein!“

Ausruf von Kind Nummer Zwei

„Und ich? Und ich? Wo war ich da?“ Noch nicht mal ansatzweise geplant, mein Kind.

„Schatz, Du warst da noch gar nicht auf der Welt!“ Ich hätte wissen müssen, dass der Kleine solche Aussagen nicht gut verknusen kann.

„Nicht auf der Welt? Mama, warst Du dann nur ein bißchen fat?“

Wann genau ist es gleich zu spät das Kind in der Babyklappe abzugeben?

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Kranke Mütter, die letzte

Meinen Sohn muss die ganze Sache mit der Nierenbeckenentzündung wirklich mehr mitnehmen, als wir gedacht haben. Gestern abend beim Zubettgehen fragte er dann auch sehr ernst

„Mama, hast Du noch die Schmerzen?“ Isser nicht rührend?

„Nein, mein Engel, mir geht es schon wieder gut!“ Man muss das Kind ja auch irgendwie beruhigen

„Gut, dann hab ich mir ja jetzt genug Sorgen gemacht und kann jetzt endlich damit aufhören!“ Zufriedener Gesichtsausdruck.

Erinnert mich mal wer dran, niemals ernsthaft krank zu werden? Das hält doch kein Mutterherz aus.

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