Frühstück

Der Autor und ich haben ja bei aller Gemeinsamkeit eine grundsätzlich andere Einstellung zu Dingen wie zum Beispiel dem Einkaufen. Ich probiere gerne neue Dinge aus und kaufe sehr nach dem Prinzip, dass alles was in einer Dose ist (ausser Kokosmilch und geschälte Tomaten) oder Inhaltsstoffe hat, die ich nicht aussprechen kann eher weniger den Weg in den Einkaufswagen finden. Er ist da weniger zimperlich und auch eher der beständigere Typ.

Da ich bei uns diejenige bin, die meist einkaufen geht, ist das weniger ein Problem. Ausser, der Mann kommt auf die Idee, zwischendrin mal eben „ein Brot“ zu kaufen. Dann ist man nie sicher, was sich danach im Vorratsschrank oder der Kühlung wiederfindet.

Und da meine Kinder ja kein Stück doof sind, nutzen sie das schamlos aus. Aber – sie gehen dabei sehr raffiniert vor. So fand ich gestern plötzlich eine Schachtel Kellogs im Schrank, die die Tagesration an Zucker und Schokolade einer vierköpfigen Familie in einer einzigen Portion enthält. Wenn ich einkaufen gehe, kommt mir sowas nicht ins Haus, was die Brut auch sehr genau weiß. Und so entspann sich folgendes Gespräch:

„Wer hat denn dieses Zuckerzeug zum Frühstück geholt?“

„Kind Nummer Zwei hat sich das ausgesucht!“ Und gerade als ich erwiedern wollte, dass Kind Nummer Zwei sich auch aussucht, drei Wochen nicht zu duschen, wirft eben jenes dazwischen

„Daddy ist schuld!“ WUS?

„Wus?“ kam es simultan aus zwei elterlichen Kehlen.

„Na, ich hab mir die Minerals…die Dinger angeguckt, die da drinne sind, ich wollte doch nicht, dass da soviel Zucker drin ist und dann hat Daddy aber gesagt, ich soll nicht trödeln und jetzt mal hinne machen und da hab ich sie genommen.“ Schräger Blick nach rechts „Ich kann doch nichts dafür, wenn er mich nicht in Ruhe gucken läßt und irgendwas mußte ich doch nehmen, sonst haben wir nichts zum Frühstück.“ Damit warf er ein hilfloses Lächeln zur Mutter, senkte den Blick gen Buch, das er gerade las und verkniff sich sehr, sehr mühsam ein zufriedenes Grinsen.

Dem Autor blieb der Mund offen stehen und ich drehte mich sehr schnell um, um es noch in die Küche zu schaffen, bis mir die Beine vor Lachen nachgaben.

Immerhin haben beide Kinder heute morgen mehr gegessen, als sie es bei ernährungsphysiologisch wertvollem Müsli tun und sie hatten erstaunlich gute Laune dabei. Es sind eben die kleinen Siege, die auch ein Kinderleben so bunt machen.

Published in: on 26. Februar 2014 at 08:52  Comments (2)  

Wochenenden damals und heute

Und wieder ein Beitrag zum Thema „Wie das Leben sich verändert“. Heute eine neue Folge aus der Reihe „Wie man seine Wochenenden verbringt“.

Es begab nämlich, dass der Autor und ich zu gleich zwei Geburtstagsparties eingeladen wurden am Samstag. Dummerweise hatte Kind Nummer Eins aber am Sonntagmorgen ein Tunier, zu dem ich mich vor Wochen als Fahrerin gemeldet hatte. 160km hin, 160km zurück – Treffpunkt an der Halle um 7:15. An einem Sonntagmorgen. Also wurde das Ganze so organisiert, dass ich mit Kind Nummer Zwei auf die Fete im Ort ging, mich dort so gut wie nüchtern um 21 Uhr verabschiedete, damit der Autor um 21:30 zu der anderen Party aufbrechen konnte (er beaufsichtige bis zu dem Zeitpunkt das schon schlafende und sich aufs Tunier vorbereitende Kind Nummer Eins), von der er aber auf jeden Fall so wieder da sein mußte, damit ich um 7 Uhr den Wagen hatte und er den wenigstens etwas länger schlafenden Zweitgeborenen hütete. Es war eine organisatorische Meisterleistung, mittlerweile aber eine unserer leichteren Übungen, wenn ich das mal so sagen darf.

Natürlich hätte man eine der beiden Parties absagen können, aber wir haben festgestellt, dass man dann zu gar nichts kommt. Man hat dann zwar mehr Ruhe im Leben, aber auch bedeutend weniger Spaß. Somit ist das nicht wirklich eine Option.

Nun habe ich letzte Woche mit einem Menschen gesprochen, der mich aus einem anderen Leben kennt. Dem versuchte ich den Plan ohne aufgemaltes Organigramm zu erklären. Er schaute mich danach lange an und meinte

„Du hast Dich wirklich verändert. Das hätte Dir vor 12 Jahren niemand geglaubt.“

Richtig, ich mir auch nicht. Und ich gebe zu, heute morgen um 6 Uhr, als ich mich aus dem Bett quälte, hielt sich die Begeisterung in sehr eng umrissenen Grenzen. Und auch, als ich durch die Öden lauschigen Alleen Brandenburgs fuhr und auf der Rückbank drei über alles giggelnde Vorpubertierende hatte, dachte ich noch daran, was andere Leute um diese Zeit an einem Sonntagmorgen machen.

Aber schon beim Einspielen hatte ich Spaß – und war erstaunt, wieviele Bälle ich noch bekommen. Spätestens ab dem ersten Spiel dann, bei dem ich nicht nur Zuschauerin war, sondern am Spielfeldrand stand, wußte ich, dass ich nirgendwo anders sein wollte, als genau da.

Was nicht bedeutet, dass ich nicht doch gerne mal wieder auf einer Party wäre, bei der nich nicht weit vor Mitternacht gehen muss, weil ich mich sonst in einen Kürbis verwandele. Oder einfach mal wieder einen Sonntag für mich ganz alleine hätte – soweit ist es dann doch noch nicht. Aber alles im Leben hat seine Zeit. Ich weiß genau, die Zeit der regelmäßigen, lauschigen Sonntage wird wieder kommen. Und ich werde sie ebenso genießen, wie in der Zeit ohne Kinder.

Genauso wie jetzt die hektischen, viel zu vollen und doch wunderbaren Wochenenden. Es hat eben alles seine Zeit. Die Kunst besteht nur darin, zu erkennen, wann welche Zeit gerade dran ist.

Published in: on 23. Februar 2014 at 19:49  Schreibe einen Kommentar  

Das Leben ist kein Ponyhof

Ich war und bin recht stolz auf meine selbstständigen Kinder, die so gar nichts von den verpempelten Kids haben, die permanent von A nach B gebracht werden und sei es nur drei Meter weiter zum Sport. Ich halte es für eine sehr wichtige Sache, den Kinder zuzutrauen an bestimmten Terminen (sei es Schule oder Sport) eigenmächtig zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Die Ableger selbst finden das zwar manchmal etwas unbequem und es wird mit

„die L. immerimmerimmer gebracht, Mama! Und ich muss laufen, wenn es nieselt. Wenn es NIESELT!“

kommentiert, aber ansonsten halten sie es für eine praktische Sache, möglichst unabhängig von uns zu sein. Und so könnten die Kinder also aufwachsen, wie weiland ihre Eltern, es gibt schließlich einen Grund, warum wir aus der großen Stadt rausgezogen sind.

Nur leider kümmert sich das Leben nicht darum, was man gerne möchte. Im Dorf hat es diverse Vorfälle gegeben, die einen dazu anhalten, die Kinder eben doch wieder persönlich wegzubringen. Und neben der Angst um die Kinder, macht es mich auf soviele Arten wütend:

Es macht mich wütend, weil ich nicht so eine überbehütende Mutti sein will, ich will meine Kinder laufen lassen können.

Es macht mich wütend, weil ich nicht mehr einschätzen kann, ob die Gefahr einer realen Bedrohung oder die der Heranzucht von verängstigten Kindern, die nichts mehr selbst auf die Kette bekommen höher ist.

Es macht mich ganz unglaublich wütend, dass der Informationsfluss nicht so ist, wie er sein sollte.

Und vor allem macht mich wütend, dass meine recht selbstbewußten Kinder jetzt Angst haben, weil auch sie die Lage nicht einschätzen können – es ist eine Sache, wenn sie solche Dinge aus dem Fernsehen erfahren oder aber von den betroffenen Kindern selbst.

Ich will das nicht. Aber es hilft ja nicht. Also werde ich das tun, was ich immer tue in solchen Fällen – mich anpassen. Aber es muss mir nicht gefallen.

Published in: on 18. Februar 2014 at 08:09  Schreibe einen Kommentar  

Aus aktuellem Anlass

und weil ich jedes Jahr die gleiche Diskussion führe (von Frau Lostinabadbook auch so treffend der „Valentinsreflex“ genannt), hier noch mal ein Artikel aus dem Jahre 2011.

Ein schöner Mann war Valentin

Doch er hätte es schwer gehabt dieser Tage in Deutschland.

Jedes Jahr wieder habe ich die gleiche Diskussion in meinem realen und virtuellen Umfeld:

„Ach, eine Erfindung der Blumenindustrie, nur Geldschinderei und überhaupt, ich brauche keinen speziellen Tag, um meiner Frau/Freundin/Lebensabschnittsgefährtin was zu schenken. Das mach ich zwischendurch so mal. Wenn ich das will!“

Ersteres stimmt zwar nicht, Zweiteres liegt ja an einem selbst, aber Letzteres finde ich äußerst löblich. Ich glaube das auch immer gerne, kann es mir aber nicht verkneifen, zu fragen

„Oh, das ist ja schön. Wann hast Du Deiner Frau/Freundin/Lebensabschnittsgefährtin denn was das letzte Mal geschenkt?“

Böses Possum.

In 90% aller Fälle folgt dann erst Mal Stille. Dann läuft das männliche Wesen rot an, fängt an zu stammeln und mir dann unwirsch zu erklären, daß man das so genau nicht mehr wüßte und es auch egal, sei, weil sie sich sowieso alles kaufe, was sie sich denn wünsche und das wäre auch alles gar nicht so wichtig.

Aha. Soso. Ne, ist klar. Geldschinderei und Blumenindustrie und so.

Übrigens ist dieses WerwillschonwaszunValentinstag-Phänomen durchaus auch weiblich. Meist allerdings von den Frauen, die ein oben erwähntes Exemplar ihr Eigen nennen. Diejenigen, die zum Valentinstag was bekommen, finden den meist klasse.

Mir kommt bei sowas immer die Erfahrung eines weitläufigen Bekannten, einem Scheidungsanwalt in den Sinn, der mir vor Jahren mal erzählte, bei all den unterschiedlichen Gründen, aus denen sich Menschen trennen würden, irgendwann käme immer der Vorwurf

„…und nie das kleinste Blümchen!“

Wäre es in diesem Zusammenhang böse von mir zu erwähnen, daß ich von meinen Ex-Freunden dereinst nie was zum Valentinstag bekommen habe?

Published in: on 14. Februar 2014 at 07:41  Comments (1)  

Muss nur noch kurz die Welt retten

Wir waren wieder auf dem Berg, also dieses Mal eher im Tal, aber es geht ja ums Prinzip. Und als Premiere waren wir alle vier mit dem Wagen unterwegs – die längste Fahrt die beide Kinder je mitgemacht haben.

Aber statt Autokennzeichen zu raten hat das Kind von heute Wichtigeres zu tun, wie dieser kleine Dialog beweist.

Kind Nummer Zwei:“Kind Nummer Eins, was machst Du da gerade?“ Der kleine Oberkörper wird lang zur Seite gestreckt.

Kind Nummer Eins:“Nichts besonderes, ich rette nur noch gerade die Welt.“ bei Drawn to life oder so, was weiss denn ich?!

Kind Nummer Zwei, gelangweilt:“Ach so. Und, hast Du es geschafft?“ und wendet sich wieder ab.

Immerhin, es wurde nicht gestritten!

Published in: on 11. Februar 2014 at 16:53  Schreibe einen Kommentar  

Das Leben kann auch einfach sein

Es sind Ferien und die Brut muss nicht pünktlich ins Bett. Da kann man sich auch mal für abends etwas vornehmen und so sass ich mit meinen Kindern die Tage bei wunderschöner Live-Barmusik und einem Martini (die Kinder nahmen sehr wichtig einen alkfreien Cocktail zu sich) in der Bar.

Alles war friedlich, ruhig und so, wie es sein sollte. Kurz, es ist einer dieser Momente, die man festhalten möchte – für die Zeiten, in denen es mal nicht so laufen wird!

Manchmal ist das Leben einfach auch mal schön.

Published in: on 5. Februar 2014 at 13:38  Schreibe einen Kommentar