Andersrum fasten – die etwas andere Challenge

Ups, schon wieder ein Jahr um. Die letzten Jahre habe ich ja mein eigenes Sieben Wochen ohne gemacht, dieses Jahr war mir so gar nicht danach und ich wollte aussetzen.

Bis mir immer mehr Menschen untergekommen sind, die verzichten wollen – auf Kaffee, auf Süssigkeiten, auf Fleisch, auf Essen allgemein, Alk, auf Computerzeit….all das, was man so landläufig kennt. Gerne verpackt in das schöne, neue Wort „Challenge“, was viel cooler klingt als „Fastenzeit“ und es hat auch nicht den ganzen religiösen Ballast. Dafür hat es zwar oft einen ideologischen, aber hey, einen Tod muss man schließlich sterben.

Aber ich schweife ab. Ich habe mich gefragt, warum wir alle verzichten wollen. Wofür? Was ist der Sinn dahinter? Bei den allermeisten Menschen steckt heutzutage die Idee dahinter, dass nach dem Verzicht das Leben besser, leichter, bewußter und einfach schöner ist.

Das kann ich gut verstehen. Aber ist Verzicht wirklich der Königsweg? Mir Dinge zu versagen, damit ich merke, wie schön das Leben auch ohne sein kann? Ihren Wert zu erkennen? Ich weiß nicht – ich erkenne den Wert von Kaffee jeden Morgen an, wenn er mich wach macht. Mir selbst zu beweisen, dass ich auch ohne kann? Ich war zweimal schwanger, ich weiß, dass ich ohne sehr vieles kann, wenn ich denn muß und will – glücklicher hat mich zumindest diese Tatsache nicht gemacht, eher im Gegenteil.

Zumindest für mich kann das der Weg nicht sein. Ich will nicht verzichten, um meine Lebensqualität zu steigern – ich persönlich halte das für ziemlichen Schwachsinn, der von Leuten propagiert wird, die ihre Ideen und damit ihre Bücher, Kurse und sonstiges Zubehör verkaufen wollen. Also hab ich mir, nur um schwierig zu sein, ganz ohne den Kauf auch nur eines Buches, folgendes vorgenommen:

Nicht weniger essen – aber mit mehr Genuß.

Nicht mehr Sport machen – aber viel häufiger das Rad oder Schusters Rappen nehmen und die kostenlose Vitamin D-Aufnahme genießen.

Nicht weniger arbeiten – aber mit mehr Struktur dahinter.

Nicht mehr Zeit für die Kinder – aber mehr Qualität in die Zeit mit ihnen einbringen.

Nicht weniger Zeit am Rechner – aber sie für sinnvollere Dinge nutzen.

Nicht mehr Zeit für mich – aber die vorhandene intensiver genießen.

Damit hoffe ich den Stress zu vermeiden, den ich mir mit einem selbstauferlegten Verzicht mache würde. Auch wenn das natürlich lange nicht so cool ist, wird der Verzicht auf irgendwas mittlerweile ja als Wert an sich gehandelt. Das ist er für mich aber nicht. Er ist nur ein Vehikel, um an mehr Lebensqualität zu kommen. Aber es gibt noch soviele andere Wege, die vielleicht nicht so offensichtlich sind. Oder nicht so einfach zu befolgen. Die aber auch zum Ziel führen.

Es ist doch so, wie mit allem im Leben – es gibt nicht den Königsweg. Meinen hab ich noch nicht wirklich gefunden, aber ich weiß, welche Wege ich nicht mehr einschlagen muss, weil sie bei mir einfach nicht funktionieren.

Also frisch aufgemacht, einen neuen Pfad beschritten. Ich nehme mir jetzt meine zweite Tasse Kaffee, mummele mich ein und inspiziere meinen Garten im Nebel. Und überlege mir, was ich mir heute mittag Schönes zu Essen gönne. Ganz ohne jegliche Schere im Kopf.

Schließlich beginnt jeder lange Weg mit dem ersten Schritt.

Published in: on 7. März 2014 at 07:52  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. „Schließlich beginnt jeder lange Weg mit dem ersten Schritt“

    Nein, mit dem Weg zur Toilette.🙂

    Ansonsten: Schöne Idee und so viel sinnvoller als diese sinnlose Verzichtszwangsdiät. Ich finde die Idee, etwas stabil und langfristig grundsätzlich zu verändern viel schöner als mit Gewalt für kurze Zeit was zu machen, das im Grunde gar nicht durchhaltbar ist und auch nicht so angelegt ist.

  2. Verzichten ist nicht Schwachsinn😉
    Der Wert des Verzichts besteht meiner Meinung nach nicht darin, dass man feststellt, dass das Leben ohne viel schöner und besser ist oder um den Wert von etwas zu begreifen.

    Verzicht ist ein sich Loslösen von etwas, an dem man zu sehr anhaftet. Das Freiheitsgefühl, das sich dann einstellt, ist echt, denn man hat sich von einer inneren Abhängigkeit befreit. Das tut immer gut.
    Kasteien muss man sich nicht. Aber vielleicht während der Zeit des Verzichts nachspüren, was denn das eigentliche Bedürfnis hinter dem Habenwollen ist und sich dann dies geben, wenn es möglich ist.


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