Coming Out

Guten Tag, mein Name Possum und ich bin Christin. Nein, keine heimliche, keine fanatische und auch keine misionierende, sondern eine ganz offene, die alle Menschen so sein lässt, wie sie sein wollen. Und eine fordernde, denn ich möchte bitte, dass das auch so akzeptiert wird.

Das wird in diesem unseren Lande, hier im Osten sowieso, immer schwieriger. Das fängt damit an, dass ich mich lang und breit rechtfertigen mußte, vor jedem, der meinte eine Meinung dazu zu haben (und viele hatten sie), dass ich tatsächlich kirchlich geheiratet habe. Oder gar meine Kinder hab taufen lassen – oh Grausamkeit, sie werden gezeichnet sein fürs Leben (was ich tatsächlich hoffe, aber wohl etwas anders als die Kritiker). Ich habe meine festen Gottesdienste im Jahr, die ich nicht verpassen will (nein, Weihnachachten gehört nicht zwingend dazu), meine Kinder gehören zu den wenigen, die hier in den Religionsunterricht gehen und wir beten des Abends.

So what, könnte man denken – dein Ding. Jupp. Sehe ich auch so. Und ich habe auch nie ungefragt meine Meinung dazu gesagt, wenn jemand meinte, nicht gläubig zu sein, noch habe ich eine Diskussion mit ihm darüber angefangen, wie scheiße das doch ist und er total verblendet ist, weil er das göttliche Licht nicht sieht. Umgekehrt passiert das schon mal gerne häufiger. Und dann, ja dann tue ich gerne und sehr vehement meine Meinung kund, sehr zum Mißfallen der Diskussionsgegner, von denen ich dann wiederum sofort in die missionierende Ecke gestellt werde.

Ich finde es gut, dass die Kinder heutzutage in der Schule Moscheen, Tempel und Synagogen besuchen – wir selbst haben den Tag der offenen Moschee bespielsweise sehr schätzen gelernt. Aber mittlerweile finde ich, bei den besuchten Gebetshäusern sollte eine Kirche dazu gehören – denn die ist für viele Kinder heute genau so exotisch wie für mich damals die Moschee unserer türkischen Gemeinde. Sagen darf man das allerdings nicht offen, denn dann gefährdet man sofort das Kindswohl der Andersdenkenden. Und zwar nicht das der Moslems, Juden, Buddhisten, Hindus und was es noch alles auf dieser schönen Erde gibt. Die stehen zum Großteil solchen Dingen sehr offen gegenüber. Nein, es sind die sogenannten aufgeklärten Atheisten oder einfach Nichtgläubige, die ihre Kinder davor bewahren wollen, mit diesem Teufelswerk (hihi, guck mal, eine Chirstin mit Hang zum Wortwitz, ja gibt es sowas auch?) in Kontakt zu kommen.

Da fragt man sich ja, warum das so ist. Von uns Gläubigen wird – mit Recht – erwartet, dass wir unsere Kinder ziehen lassen, wenn sie irgendwann beschließen, dass sie die Kirche und den Glauben verlassen wollen. Nur – um sich darüber eine Meinung zu bilden, müssen sie ja erst mal wissen, worum es überhaupt geht. Genau das macht es aber so schwer für Kinder, deren Eltern sie bewußt (und da gibt es ja nun wirklich vielfältige Möglichkeiten) oder unbewußt (da gibt es noch viel mehr) fernhalten und ihnen nicht zeigen, dass es sowas wie Glauben überhaupt gibt und dass er viel mehr ist, als das, was man in den Nachrichten hört. Diese Kinder haben keine freie Entscheidung, denn sie haben keine Ahnung, was gelebter Glauben heute ist. Und diese Chance, ihre eigene Entscheidung diesbezüglich zu treffen, werde ich meinen Kindern sicherlich nicht verwehren.

Ich werde nie vergessen, wie eine Mitkonfirmandin von mir allein zu ihrer eigenen Taufe kam und mich fragte, ob ich sie begleiten wolle. Darauf angesprochen sagte sie mir, in der freundlichen Sprache, die 14jährigen nun mal eigen sind

„Meine Eltern haben sich mein Leben lang einen Dreck darum gekümmert, ob ich getauft bin oder nicht. Jetzt brauche ich sie auch nicht mehr dazu!“

Damals habe ich mir geschworen, dass meine Kinder von denen ich noch nicht mal wußte, ob ich sie je haben will, niemals soetwas über mich sagen werden.

So wahr mir Gott helfe.

Published in: on 30. April 2014 at 07:29  Comments (53)  

Wenn der Fortschritt ohne mich fortschreitet

Achtung, Software-Hass-Artikel. Auch gar kein langer. Eigentlich könnte er mit einer Frage umschrieben sein und die heißt:

Warum?

Warum um alles in der Welt müssen Softwareprogramme immer und immer wieder verändert werden? Und zwar ausdrücklich nicht, um Bugs zu beseitigen, sondern um sie toller, schöner, fancier, komplizierter und vor allem viel unpraktikabler zu machen. Nachdem ich jetzt gerade 30 Minuten dafür gebraucht habe, eine Tabelle so zu konfigurieren und auszudrucken, dass ich sie brauchen kann (und sie dann immer noch nicht so war, wie ich sie wollte), wollte ich auf ein altes Programm zurückgreifen. Aber nein, Apple gefiel es, auch das eine halbe, digitale Weltreise werden zu lassen.

Ich verstehe, das Horden von Softwareentwicklern beschäftigt werden wollen. Ich verstehe auch, dass es Dinge gibt, die man wirklich besser und schneller machen kann. Aber wenn man aus dem Jahre 2014 wieder 15 Jahre in der Bedienerfreundlichkeit zurückkatapultiert wird, nur weil die Firma mit dem Apfel meint, man solle jetzt doch seine Produkte und nur die benutzen (gleich, nachdem man sie so umgekrempelt hat, dass man noch nicht mal eine einfache Tabelle ohne Handbuch konfigurieren kann), dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hier um Willkür handelt.

Ohne mich. Dann geh ich eben wieder über Umwege. Ich bin alt, ich kann das noch von früher. So. Nämlich.

Published in: on 23. April 2014 at 12:13  Comments (1)  

Frohe Ostern!

Ich wünsche allen Lesern gesegnete Ostern!

Published in: on 20. April 2014 at 08:55  Schreibe einen Kommentar  

Challenge accepted

Es gibt da eine neue Mode, die sich Challenges nennt. Die meisten gehen über einen Monat und man muss Dinge tun, die man sonst nicht tut. Sehr en vogue ist im Moment die „Vegan-Challenge“ bei der man nicht nur 30 Tage lang vegan leben soll, sondern auch ohne jegliche Kohlehydrate – ehm, ja. Meine Familie würde schon nach vier Tagen eine „Intervention“ ausrufen.

Gerne genommen auch Sport-Challenges, wie die „Squat-Challenge“ bei der man innerhalb eines Monats einen runden und total straffen JLo-Po kriegen soll. Danke, den hatte ich bereits, ich habe lange dafür gearbeitet, damit ich genau den eben nicht habe.

Dann gibt es noch die Little-Black-Dress-Challenge bei der ich erst dachte, ich dürfte jeden Tag ein kleines Schwarzes tragen, aber es sind doch nur wieder irgendwelche Gymnastikübungen.

Vielleicht merkt man, ich bin kein Freund von Challenges – ich bin weniger die Sprinterin, ich bin eher die Steherin. Ich halte diese „Herausforderungen“ für Augenwischerei, aber ich sehe ein, dass es Menschen gibt, die sie sozusagen als „Arschtritt in eine Änderung des Lebensstils“ verstehen.

Gut, schön dass wir drüber geredet haben.

Aber dann habe ich heute eine Challenge gesehen, die mir gefallen hat. Nämlich die 100dayshappy-Challenge. Die ist eben etwas länger als 30 Tage und braucht nun wirklich nicht jeden Tag eine irre Zeit. Plus: Man tut es nicht nur für sich selbst sondern zaubert auch anderen im Idealfall ein Lächeln aufs Gesicht.

Ich bin mir noch nicht eins, ob ich das wirklich machen will – Prinzipien und so.

Aber 100 Tage einmal am Tag glücklich sein – das hat schon was. Oder?

Published in: on 14. April 2014 at 15:40  Schreibe einen Kommentar  

Du bist, was Du ißt

Ich gebe es zu, ich kann manchmal etwas analfixiert sein, was gutes Essen angeht. Das habe ich mir im Laufe des Lebens so angewöhnt und an der Seite eines Gourmants zu leben, macht die Sache nicht besser, schließlich ist man in solchen Situationen dann ja eher allein auf weiter Flur.

Nun ist es aber auch Tatsache, dass sich Kinder das Verhalten ihrer Eltern abgucken und ich hatte bei jedem Besuch der einen oder anderen FastFood-Kette schwere Bedenken, dass das Pendel zur falschen Richtung ausschlagen könnte. Bis heute abend.

Ich hatte frische Forellen erstanden, die ich mir mit den Kindern teilte. Und wie ich so die Fische für die Brut entgrätete, entspann sich über das gesamte Essen hinweg ein Dialog darüber, warum

– Kind Nummer Eins Forellen nicht gar so sehr mag („Die sind einfach mal zu mild. Man schmeckt kaum den Fisch.“)

– Kind Nummer Zwei keine Fischstäbchen mag („Da kann man ja sogar eine Dorade nehmen und in Pomrande tupfen, das schmeckt man gar nicht raus!“)

– Fisch mit Augen und Schwanz besser ist („Bei dem wo der Kopf und der Schwanz schon ab ist – Mama, das schmeckt so komisch anders.“)

– Und beide eigentlich aber fast allen Fisch essen („Ausser Lachs, Mama, nein, Lachs ist nicht so mein Ding!“)

Die Mutter sass daneben, beantwortete Fragen, warum Fische Gräten haben, war baff und ärgerte sich schwarz, dieses Gespräch nicht für den auf der Arbeit befindlichen Autor aufgezeichnet zu haben. Der dann heute abend doch keine Forelle bekommt, weil die Nachkommen wirklich restlos alles aufgegessen haben – noch nicht mal die Katze hat was abbekommen.

Ich würde sagen: Mutter: 2, Daddy: 0.

Dummdidumm.

Published in: on 8. April 2014 at 19:32  Comments (1)  

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Man soll ja die Premieren feiern, wie sie fallen, auch wenn sie ein Ende bedeuten. Deswegen mache ich jetzt mal sehr unbescheiden Eigenwerbung für den Podcast der wunderbaren Serienjunkies, in dem ich zusammen mit AwesomeArnd und Felix noch mal über How I Met Your Mother reden durfte.

Zu finden ist das Werk hier.

Ich hoffe man merkt, wieviel Spass wir bei der Aufnahme hatten.

Published in: on 3. April 2014 at 06:33  Comments (3)