Coming Out

Guten Tag, mein Name Possum und ich bin Christin. Nein, keine heimliche, keine fanatische und auch keine misionierende, sondern eine ganz offene, die alle Menschen so sein lässt, wie sie sein wollen. Und eine fordernde, denn ich möchte bitte, dass das auch so akzeptiert wird.

Das wird in diesem unseren Lande, hier im Osten sowieso, immer schwieriger. Das fängt damit an, dass ich mich lang und breit rechtfertigen mußte, vor jedem, der meinte eine Meinung dazu zu haben (und viele hatten sie), dass ich tatsächlich kirchlich geheiratet habe. Oder gar meine Kinder hab taufen lassen – oh Grausamkeit, sie werden gezeichnet sein fürs Leben (was ich tatsächlich hoffe, aber wohl etwas anders als die Kritiker). Ich habe meine festen Gottesdienste im Jahr, die ich nicht verpassen will (nein, Weihnachachten gehört nicht zwingend dazu), meine Kinder gehören zu den wenigen, die hier in den Religionsunterricht gehen und wir beten des Abends.

So what, könnte man denken – dein Ding. Jupp. Sehe ich auch so. Und ich habe auch nie ungefragt meine Meinung dazu gesagt, wenn jemand meinte, nicht gläubig zu sein, noch habe ich eine Diskussion mit ihm darüber angefangen, wie scheiße das doch ist und er total verblendet ist, weil er das göttliche Licht nicht sieht. Umgekehrt passiert das schon mal gerne häufiger. Und dann, ja dann tue ich gerne und sehr vehement meine Meinung kund, sehr zum Mißfallen der Diskussionsgegner, von denen ich dann wiederum sofort in die missionierende Ecke gestellt werde.

Ich finde es gut, dass die Kinder heutzutage in der Schule Moscheen, Tempel und Synagogen besuchen – wir selbst haben den Tag der offenen Moschee bespielsweise sehr schätzen gelernt. Aber mittlerweile finde ich, bei den besuchten Gebetshäusern sollte eine Kirche dazu gehören – denn die ist für viele Kinder heute genau so exotisch wie für mich damals die Moschee unserer türkischen Gemeinde. Sagen darf man das allerdings nicht offen, denn dann gefährdet man sofort das Kindswohl der Andersdenkenden. Und zwar nicht das der Moslems, Juden, Buddhisten, Hindus und was es noch alles auf dieser schönen Erde gibt. Die stehen zum Großteil solchen Dingen sehr offen gegenüber. Nein, es sind die sogenannten aufgeklärten Atheisten oder einfach Nichtgläubige, die ihre Kinder davor bewahren wollen, mit diesem Teufelswerk (hihi, guck mal, eine Chirstin mit Hang zum Wortwitz, ja gibt es sowas auch?) in Kontakt zu kommen.

Da fragt man sich ja, warum das so ist. Von uns Gläubigen wird – mit Recht – erwartet, dass wir unsere Kinder ziehen lassen, wenn sie irgendwann beschließen, dass sie die Kirche und den Glauben verlassen wollen. Nur – um sich darüber eine Meinung zu bilden, müssen sie ja erst mal wissen, worum es überhaupt geht. Genau das macht es aber so schwer für Kinder, deren Eltern sie bewußt (und da gibt es ja nun wirklich vielfältige Möglichkeiten) oder unbewußt (da gibt es noch viel mehr) fernhalten und ihnen nicht zeigen, dass es sowas wie Glauben überhaupt gibt und dass er viel mehr ist, als das, was man in den Nachrichten hört. Diese Kinder haben keine freie Entscheidung, denn sie haben keine Ahnung, was gelebter Glauben heute ist. Und diese Chance, ihre eigene Entscheidung diesbezüglich zu treffen, werde ich meinen Kindern sicherlich nicht verwehren.

Ich werde nie vergessen, wie eine Mitkonfirmandin von mir allein zu ihrer eigenen Taufe kam und mich fragte, ob ich sie begleiten wolle. Darauf angesprochen sagte sie mir, in der freundlichen Sprache, die 14jährigen nun mal eigen sind

„Meine Eltern haben sich mein Leben lang einen Dreck darum gekümmert, ob ich getauft bin oder nicht. Jetzt brauche ich sie auch nicht mehr dazu!“

Damals habe ich mir geschworen, dass meine Kinder von denen ich noch nicht mal wußte, ob ich sie je haben will, niemals soetwas über mich sagen werden.

So wahr mir Gott helfe.

Published in: on 30. April 2014 at 07:29  Comments (53)  

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53 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Sorry, 2 Denkfehler sind drin:
    1. Es geht nicht darum, daß am „Tag der offenen Moschee“ sämtliche Religionen gleichberechtigt beteiligt werden. Es geht vielmehr darum, daß an einem hypothetischen „Tag der Ethik“ versuchsweise mal ein Hochschullabor, eine philosophische Fakultät, ein Humanistentreffen, eine Palliativklinik, ein Geflügelmäster und ein Menschenaffengehege besucht werden sollten.

    2. Kinder taufen zu lassen ist ein No-Go, genauso wie konfessionsgebundener Religionsunterricht. Du hast die Freiheit, dich für deine Religion zu entscheiden, aber nicht das Recht, andere in sowas zu zerren.

    • Slowtiger, gerade der zweite Punkt ist kein Denkfehler. Er ist ein Punkt, der durchaus diskussionswürdig ist, ja. Ich bin mit Dir einer Meinung, dass es gerade für die Kindstaufe ein Pro und ein Kontra gibt (Sehr interessant in diesem Zusammenhang übrigens, dass viele Menschen, die die Bibel als Null und Nichtig ansehen, gerade in diesem Punkt das Wort zu Erwachsenentaufe immer heraus nehmen, aber das nur am Rande, das hast du ja gerade nicht getan). Und ich habe gerade in diesem Punkt auch schon viele fruchtbare und konstruktive Diskussionen geführt. Und ich habe kein Problem damit, wenn Kindern der Glaube trotzdem als Option aufgezeigt wird – die Realität sieht aber eben meist anders aus. Während es umgekehrt nicht so ist: Meine kennen sehr viele Lebensmodelle, in denen Glaube keine Rolle spielt. Von daher haben sie später eine echte Chance, zu entscheiden, was gut für sie selbst ist. Und genau das sehe ich ebe bei Kindern, die mit keinerlei Glauben in Berührung gekommen sind nicht. Aber wie gesagt, eine interessante Diskussion.

      • Ich finde, Kinder, die mit keinerlei Glauben in Berührung kommen, haben Glück gehabt, und eine größere Chance, ein glückliches Leben zu führen. Was deine Absichten angeht, verwechselst du „mit Glauben in Berührung kommen“, also von außen mal zuzuschauen (wogegen wenig einzuwenden wäre), mit „in den Glauben hineinziehen“, oder, kurz gesagt, sie zu indoktrinieren. Ich vermute, daß dahinter die Angst steht, ein nicht-indoktrinierter Mensch könnte womöglich gar kein Bedürfnis nach „Glauben“ haben – als ob das etwas Schlechtes wäre!

        Und nur fürs Protokoll: keinen Glauben zu haben heißt nicht, unfähig zu ethischen Entscheidungen zu sein. Hätte ich Kinder, wäre ich bemüht, ihnen diese Fähigkeit mitzugeben, auch ohne daß irgendein Glaubenssystem dazukäme. Geht nämlich.

      • Und genau da ist der Punkt, an dem wir beide zusammen kommen, so paradox das klingen mag. Du sagst, Du findest, dass Kinder die mit keinem Glauben in Berührumg kommen Glück haben. Ich sage das Gegenteil. Wir beide sind uns aber einig, dass es eine sehr individuelle Sache ist. Und natürlich kann man auch ohne Glaube ethische handeln. Genauso, wie umgekehrt. Aber das habe ich ja auch nie in Frage gestellt.

      • @slow: ich weiß nicht, wie Du darauf kommst, Kinder ohne Glauben hätten größere Aussichten auf ein glückliches Leben. Selbst Dawkins sieht das anders. Und der ist ja nicht gerade ein religiöser Fanatiker. Das Konzept der Religion hat durchaus eine historische Berechtigung. Deshalb heißt es ja auch GLAUBEN und nicht WISSEN.

      • Mein Reden. Danke, Barbie!

      • smile

        so vom Heidenkind…

  2. Ich bin jetzt nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe.
    Bist du der Meinung, dass es allein die Sache der Eltern ist, wie sie mit ihren Kindern umgehen, und dass das niemanden sonst etwas angeht?
    “dein Ding. Jupp.“ klingt danach, aber vielleicht bezieht sich das ja gar nicht auf die Taufe und das gemeinsame Beten, sondern auf das, was du selbst machst?

    • Ich beziehe mich lediglich darauf, dass ich meinen Kindern Möglichkeiten offen stehen lasse, soviele Arten wie möglich kennenlernen zu lassen, wie sie ihr Leben später einmal leben wollen.

      • Ja gut, das kann man so oder so sehen. Ich zum Beispiel sehe es anders. Aber darum geht es mir ja jetzt gerade gar nicht.
        Du schriebst, dass du deine Kinder taufen lässt und mit ihnen betest, und drumherum schriebst du, dass es niemanden was angeht, wie du deine Religion lebst, und dass es dein Ding sei.
        Ich wüsste nun gerne, ob du damit meinst, dass es aus deiner Sicht ausschließlich dein Ding ist, wie du mit deinen Kindern umgehst, und niemanden sonst was angeht, oder ob du einen Unterschied siehst zwischen Entscheidungen, die jemand für sich selbst trifft, und solchen, die jemand für seine (bzw. ihre) Kinder trifft.

      • Ah, ich erkenne eine Trickfrage, wenn ich sie sehe:-) Ich versuche sie mal zu umschiffen: So lange ich niemandem schade, ist es meine Dinge ob und wie ich meine Religion lebe. Und das gilt auch für meine Kinder – solange ich ihnen keine mentale, physische oder andere Gewalt antue und meine Verantwortung als Elternteil sehr ernst nehme (und mich selbst weniger) liegt es in meinem Entscheidungsbereich. Und, da beißt sich die Maus keinen Faden ab, alle Entscheidungen, die Du für Dich triffst, färben immer auch auf die Kinder ab – ob gut oder schlecht. Wo Du wohnst, ob Du umziehst, was Du zu essen machst. Und es wird immer Menschen geben, die Dich für Deine Art kritisieren. Wer damit nicht klarkommt, der sollte besser keine Kinder bekommen:-)

      • @Muriel: “ Kinder erben nichts von Fremden“ ist eines der geflügelten Worte in unserer Familie.
        Das gilt bei Katholiken genau so wie bei Rassisten, HartzIVlern, Moslems oder Anglern. Um einfach mal nur ein paar rauszugreifen. Da ich die Possumfamilie als weltoffen und tolerant kenne (wobei ich mich manchmal frage, wie sie es dort aushalten) mache ich mir da weniger Sorgen. Die Possumkinder werden sicherlich nicht durch eine Taufe geschädigt.😉
        Sorgen machen mir da eher atheistische Bundestagsabgeordnete, die religiöse Genitalverstümmelung an Kindern beschließen. Und eine Taufe mit Körperverletzung gleichzusetzen geht ja selbst mir. ohnehin zu weit.

  3. missionierende Atheisten? ernsthaft?

    Ja, ich habe Standpunkte die deinen widersprechen oder generell gegen Religion stehen und ich halte mich auch durchaus im Recht wenn ich über dich lache, weil du an seltsame Märchengestalten glaubst die du nicht belegen kannst.
    Ich werde vlt. sogar versuchen mit dir zu diskutieren um dich zum logischen Denken zu bewegen.

    Was ich nicht tun werde: dich irgendwie zu bevormunden.

    Damit bin ich bei weitem besser als alles was irgendeine Religion für sich behaupten kann. Wann immer Religionen irgendwo ernsteres Mitspracherecht hatten, hat das zu diskriminierungen bis hin zum Verbrennen von lebenden Menschen geführt die anderer Meinung waren.

    Alles was du befürchten musst ist dass dich jemand auslacht? Mein Beileid kennt keine Grenzen!

    Dann noch ein paar Punkte mit denen ich WIRKLICHE Probleme in unserer aktuellen Gesellschaft habe:

    Ich hab kein Problem damit ob irgendwer an Jesus Christus, Einhörner oder rosa Zwerge die das Weltgeschehen bestimmen glaubt.
    Ich habe aber ein Problem damit wenn auf Basis solcher Märchen Entscheidungen getroffen werden die mich oder andere Menschen betreffen, welche nicht die selben Drogen nehmen.
    Das passiert in Deutschland, ist aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie früher.

    Womit ich auch ein Problem habe ist wenn Kinder zu Religion erzogen werden. Wenn das Privatpersonen mit ihren eigenen Kindern tun ist das auch scheiße, aber dagegen kann man halt kaum was machen ohne absurden Kontrollwahn oder so. Darum will man das nicht.

    Wir haben aber sowas auch noch immer institutionalisiert. Der Religionsunterricht in Sachsen ist halt kein Unterricht darüber was welche Religion wie handhabt (Unterschiede/Gemeinsamkeiten, Aufbau der Gebetshäuser, jeweilige Schöpfungsmythen, usw.) sondern jeweils für eine bestimmte Religion angepasst die Lehre dass Mythos XYZ dieser Religion als Fakt anzunehmen ist. Andere Religionen kommen nur am Rande vor.

    Wenn Religionsunterricht wörtlich zu verstehen wäre und nicht auf eine Religion zugeschnitten wäre, hätte ich kein Problem damit wenn Kinder sowas mitnehmen könnten (auch wenn ich dringender zu unterrichtende Dinge wüsste, aber das ist Geschmackssache).

    Aber weiter gehts. Wenn ein Kind konfirmation o.ä. durchlaufen hat, wird in unserem Land eingetragen dass es zu Religion X gehört und es per Default sein Leben lang Steuern zahlt die der Staat für diese Religion einzieht (allein das schon ein unerträglicher Verstoß gegen die Trennung von Staat und Kirche).
    Die Entscheidung zu einer Religion sollte eine bewusste sein und auch nur von mündigen Bürgern getroffen werden. Kindern diese Entscheidung von ihren Eltern vorschreiben zu lassen halte ich für falsch.

    Wenn in Bayern religiöse Symbole in Schulzimmern aufgehängt werden, so ist das „richtig“, wenn Lehrerinnen aber Kopftücher tragen (etwas das nichtmal im Christentum ausgeschlossen ist) dann ist das ein unerträglicher Verstoß gegen Sitten und gebräuche.
    Sprich: Es herrscht keine wirkliche Religionsfreiheit. Menschen werden diskriminiert weil sie eben nicht der lokal vorherrschenden Religion angehören.

    Wie gesagt… du armes, benachteiligtes Christenkind! So wegen deiner Religion benachteiligt zu werden muss schlimm sein.

    • Ich habe nicht geschrieben, ich sei arm oder benachteiligt. Nirgendwo. Denn ich bin weder das eine noch das andere. Ich habe auch nichts gegen Ironie. Aber ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du Dich in Deinen Kommentaren auf das beziehen würdest, was ich wirklich geschrieben haben. Und nicht darauf, was Du meinst in meine Worte hineinzuinterpretieren.

      • Dann sehe ich nicht was dein Problem ist.
        Wenn ich deinen Text da oben zerlege, dann sehe ich einige Hauptpunkte:

        1. Du willst dich nicht rechtfertigen müssen warum du religiös bist. (Musst du nicht. Du solltest aber damit leben können dass das andere für albern oder so halten.)

        2. Du siehst dich im Recht wenn du deinen Kindern per Default religion aufzwingst und ihnen die Wahl lässt sich später davon loszusagen. Das sehe ich als diskussionswürdig bis schlicht falsch an.

        3. Du willst an einem Beispiel belegen dass Kinder sich auch selbst für Religion entscheiden könnten und dann sauer wären wenn ihre Eltern sie nicht darin unterstützt hätten.

        War jetzt was richtiges dabei oder hab ich total verfehlt was du sagen wolltest?

      • Zu 1. Ja, das ist richtig und doch, rechtfertigen muß ich mich immer häufiger. Sonst wäre dieser Artikel nicht entstanden.

        Zu 2. Ich würde eine andere Wortwahl wählen, aber wenn man Deine Polemik mal überliest, dann ja. Und ich habe Slowtiger auch geantwortet, dass ich diesen Punkt auch durchaus diskussionswürdig betrachte, letztendlich man aber eine Entscheidung treffen muss.

        Zu 3. Hier liegst Du falsch. Ich wollte mit diese Beispiel zeigen, warum ich unter anderem so denke wie ich denke. Wir sind alle Produkte unserer Erfahrungen. Und das war eine sehr Einschneidende für mich. Und nochmal: Ich will, dass meine Kinder sich frei entscheiden können, was sie wollen und ob sie glauben wollen. Und da hilft es wenig, wenn man ihnen ihr Leben lang erzählt hat (andere haben hier das Wort indoktriniert benutzt, wenn auch im umgekehrten Sinne), dass Glaube totaler Blödsinn ist. Das ist meiner Meinung nach nicht zielführend.

  4. Mal von jüdischer Seite, kann ich Deine Punkte glaube ich gut verstehen. Mir geht es ähnlich – ich bin icht religiös im behördlichen (also bei uns Gemeindesinne). Ich bin auch nicht religiös aufgewachsen. Es war tatsächlich meine Entscheidung. Zuhause hat meine Mutter Wert darauf gelegt, dass ich alles kenne. Religion gehört für mich zur Allgemeinbildung – und gerade hier mangelt es leider bei vielen Atheisten. Also zumindest einfach diese grundsätzlichen Geschichten, die doch prägend für (zumindest die europäische Gesellschaft) sind. Ich spreche nicht von Ritualen, nicht von Kirchenjahren und Dingen, die ich auch im Christentum nicht verstehe – aber zumindest kenne ich sie. Dafür bin ich meiner Mutter sehr dankbar.

    Mein Verständnis der Kommentare hier ist auch dieses, dass man gern aus der so ungläubigen atheistischen Welt kennt, die gern angreift und ja auch missionieren will, ungefragt überzeugen, dass der Glaube eben doch Mumpitz ist. Aber sie glauben doch auch an ihren Unglauben. Kann ja jeder glauben, wie er will, solange er ein guter Mensch ist (kleiner jüdischer Einwurf😉. Und Philosophie und Religion schließen sich nicht aus – im Gegenteil, auch Naturwissenschaft und Religion…aber es argumentiert sich natürlich leichter mit radikalen Vertretern von Religionen, die im Leben effektiv keine Rolle spielen.

    Also, sei weiter so, wie Du bist, offen und sorge dafür, dass Deine Kinder eine gute Bildung bekommen, dadurch werden sie offener und gelassener werden als so mancher, der keine Chance hatte. Und ja, in bestimmten Gegenden sollten auch die Kirchen zu diesen offenen Tagen kommen. Ich frage mich immer, wovor die Menschen solche Angst haben. Sie müssen doch gar nichts, die Zeiten der Inquisition und Zwangstaufen sind lange vorbei.

    Ein Rabbiner von mir hat einmal gesagt, uns unterscheidet eines von Vielen. Wir glauben nicht, wir wissen. Und deshalb können wir gelassen sein, wenn wir wieder angegriffen werden…

    Also gelassen bleiben…und andere einfach mal annehmen, wie sie sind.

    • Danke. So und genau so!

    • Aber sie glauben doch auch an ihren Unglauben.

      Jener Irrtum und sein Ausdruck in all seinen Formulierungsmöglichkeiten zeugt von einem so unglaublichen Missverständnis was Atheismus ist, dass ich behaupten würde hier fehlt durchaus _sehr_ grundlegende Bildung.

      Nein Atheisten glauben eben nicht. Wir wollen belege. Wenn wir etwas nicht erklären können sagen wir im Zweifelsfall „ich weiß es nicht“ und erklären es nicht mit Einhörnern.

      Probleme entstehen aber nicht an solchen Stellen, sondern dort wo sich Wissenschaft und Religion widersprechen. („Gott wohnt im Himmel“ -> Flugzeug gebaut, nachgesehen -> Nein, tut er nicht).
      Da bestehen Atheisten darauf dass die Nachweisbaren Fakten recht haben und nicht das was in einem Märchenbuch steht.

      Wir befinden uns heute in einer Situation da fast alle Annahmen die in einem Jahrtausende altem Märchenbuch stehen keinerlei hilfreiche Aussagen mehr enthalten die sich nicht wissenschaftlich belegen/widerlegen lassen. Darum haben wir natürlich heute mehr Konfliktpotential zwischen Überlieferung und beweisbarem Wissen.

      Man kann unterschiedlich damit umgehen. Meine Lösung ist auch eventuell nicht beweisbare Dinge nicht aus jenem Märchenbuch zu übernehmen, da dieses nachweisbar schon oft Blödsinn behauptet hat. Andere Lösen diesen Fnord indem sie sagen „du darfst das nicht wörtlich interpretieren“ oder so.

      • Genau das ist aber doch der Punkt. Wenn ich Belege habe, dann ist es kein Glaube sondern eine Wissenschaft. Das ist ok. Und wenn es Menschen gibt, die von rosa Einhörnern faseln – bitte. Aber das bin nicht ich. Mir sind rosa Einhörner egal. Weil sie nichts mit mir zu tun haben.

        Mein Glaube heißt Glaube, weil er keinen Beleg braucht. Ich kann ihn auch nicht beweisen. Weil es mir nicht nicht wichtig ist. Und das ist etwas, womit erstaunlich wenige Athisten oder Nicht-Gläubige umgehen können, wie mir scheint.

      • Dass für mich Jesus Christus, rosa Eichhörnchen oder chinesische Drachen alle in die selbe Kategorie fallen siehst du schon ein?

        Mein Punkt gerade eben war halt dass die Aussage:

        Aber sie glauben doch auch an ihren Unglauben.

        inhaltlich nicht den geringsten Sinn ergibt.

        Ich glaube eben nicht. Ich will wissen. Wenn ich etwas nicht wissen kann, kann ich mir keine Aussage dazu erlauben.

        Was hier verwechselt wird: Ockhams Rasierklinge sagt es gibt keinen Gott weil es einfachere Erklärungen gibt, also gehe ich davon aus dass es keinen Gott gibt. Ich lasse mich aber von Gegenbeweisen jederzeit überzeugen. Gläubige haben oft gegenug Gegenbeweise gesehen, glauben aber weiterhin.

      • ‚Nein Atheisten glauben eben nicht. Wir wollen belege. Wenn wir etwas nicht erklären können sagen wir im Zweifelsfall “ich weiß es nicht” und erklären es nicht mit Einhörnern.‘

        Und das ist die Stelle, an der sich Atheisten und Nicht-Atheisten unterscheiden: Nicht-Atheisten geben sich mit einem „ich weiß es nicht“ nicht zufrieden, sondern suchen trotzdem nach einer Erklärung. Ein „ich weiß es nicht“, weil man an die grundsätzliche Grenze der eigenen Theorien und des eigenen wissenschaftlichen Handwerkszeugs gestoßen ist, ist ihnen zu wenig.

        Man muß diese Weltsicht nicht teilen. Aber sie mit Begriffen wie „Märchenbuch“ ins Lächerliche zu ziehen (oder das zumindest zu versuchen) ist in meinen Augen genau die gleiche Art von fehlendem Respekt vor einer abweichenden Meinung, die (völlig zu Recht) fundamentalistisch-verbohrten Nicht-Atheisten gerne vorgeworfen wird.

      • Nicht-Atheisten geben sich mit einem “ich weiß es nicht” nicht zufrieden, sondern suchen trotzdem nach einer Erklärung.

        Wer sagt dass sich Atheisten damit zufrieden geben? Wir suchen durchaus nach Antworten. Wir behaupten nur nicht wir hätten sie gefunden.

        Man muß diese Weltsicht nicht teilen. Aber sie mit Begriffen wie “Märchenbuch” ins Lächerliche zu ziehen (oder das zumindest zu versuchen) ist in meinen Augen genau die gleiche Art von fehlendem Respekt vor einer abweichenden Meinung, die (völlig zu Recht) fundamentalistisch-verbohrten Nicht-Atheisten gerne vorgeworfen wird.

        Ich ziehe das nicht ins Lächerliche. Aus meiner Sicht ist Märchenbuch eine durchaus treffende Beschreibung vieler religiöser Geschichten.
        Die Enstehungsgeschichte ist oft die selbe, die Inhalte sind ähnlich, alles was sich wirklich unterscheidet ist dass die Bibel oder der Koran von Menschen als „Wahrheit“ akzeptiert wird, die Odyssee oder Grimms Märchen jedoch nicht.

        So lange du nicht belegen kannst warum dein Märchenbuch realer ist als die anderen, werde ich dein Märchenbuch genauso behandeln wie alle anderen.

        Da von „fundamentalistisch-verbohrt“ zu reden ist ebenso falsch. Ich bin durchaus zu überzeugen. Du musst mir nur Indizien bringen die deine Meinung irgendwie belegen. Das widerspricht der Bedeutung dieser Eigenschaft diametral.

        Aber selbst wenn das so wäre. Ich muss deine Meinung nicht Respektieren. Ehrlich gesagt will ich das auch nicht. Ich akzeptiere dass du die hast und ich muss dir auch zugestehen dass du die auch trotz belegen oder allem was ich sagen könnte nicht ändern würdest.
        Ich werde dir daraus auch keine Nachteile verursachen weil das eine Norm ist auf die wir uns in unserer Gesellschaft geeinigt haben um zu verhindern dass wir selbst für unsere Überzeugungen benachteiligt werden. Respekt hast du dir mit dieser Meinung aber nicht verdient und nichts kann mich dazu zwingen dir oder deiner Meinung diesen entgegen zu bringen.

      • Nur als Frage: Möchtest Du denn, dass wir Deine Meinung respektieren?

      • Ich darf mal hierzu nur eines Sachen, Unwissen weise ich von mir. Ich habe eine grundlegende Humanistische Ausbildung, habe Geisteswissenschaften studiert und bin keine verschwurbelte Esotherikerin. Für mich schließt sich Religion und Wissenschaft nicht aus. Wenn es einem Menschen hilft, an magische unerklärliche Vorgänge zu glauben, wenn er so sein Leben besser meistern und mit der Welt eher zurecht kommt, was bitte ist daran so schlimm? Das verstehe ich nicht. Jeder lebe nach seiner Facon.

        Mir ist im Christentum auch vieles suspekt, deshalb greife ich es aber nicht an. Ich greife auch keine Atheisten an, das tägliche Zusammenleben mit einem solchen, staatlich verordneten, Atheisten wäre sonst auch etwas schwer. Ich stelle hier nur eine Menge Unwissen fest, denn biblische Geschichte ist nun mal auch unsere Geschichte. Viele Vorgänge kann man sich nur mit dem Wissen darüber erklären, Kunst oft nur so verstehen.

        Hier wird (auch mir) etwas unterstellt, dessen ich mich verwahre.
        Ich bin als Kind aus reinem Interesse zum Konfirmandenunterricht gegangen, ich wurde nicht getrieben und nicht abgehalten. Ich wollte meine Fragen beantwortet wissen (hat nicht geklappt), aber dennoch habe ich viel gelernt, was rein historisch schon sehr interessant ist. Die Antworten fand ich im (libalen Judentum), denn da wird sehr wohl hinterfragt und nach wissenschaftlichen Antworten gesucht. Nur scheint sich für den einen oder anderen Religion und Wissenschaft auszuschließen.

        Meine Erfahrung ist es auch, dass ich seltsamerweise nur von Atheisten, Nichtreligiösen oder wie auch immer wir es nennen wollen angegriffen werde – ob meiner Herkunft, noch nie von Menschen anderer Religion. Davon sich ein Scheibchen abzuschneiden täte manchem Menschen recht gut. Und ich denke das ist es, was uns Possum mit dem Beitrag sagen wollte. Wenn einem das nicht gefällt, muss man es doch auch nicht lesen und hier nicht darauf eindreschen.

      • Nur aus Interesse: Was ist ein staatlich verordneter Atheist?

        Und ja, ich bin zwar gerade etwas überwältigt von den Reaktionen hier, aber es deckt sich im Moment mit dem, was ich täglich erlebe, was ich sehr schade finde.

      • Nur als Frage: Möchtest Du denn, dass wir Deine Meinung respektieren?

        Gegenfrage: Wie drückt sich dieser „Respekt“ denn aus?
        Du darfst meine Meinung gerne in Frage stellen. Sie ist nichts in Stein gemeiseltes was jetzt so bleiben muss.

        Alternativantwort: Ja, aber ich kann euch ja nicht dazu zwingen und praktischen Einfluss hat es auf mein Leben keinen.

        Wenn es einem Menschen hilft, an magische unerklärliche Vorgänge zu glauben, wenn er so sein Leben besser meistern und mit der Welt eher zurecht kommt, was bitte ist daran so schlimm?

        Ach… da könnte ich mir jetzt so viele Beispiele herbei fabulieren wo ein logisches Handeln einem religiös motivierten vorzuziehen wäre.
        Aber ich kann es auch einfach lassen und mich wiederholen: was du glaubst ist mir egal. Was du als Tatsachen dritten gegenüber behauptest, dem kann ich widersprechen.
        Ich hätte nur gerne dass Kinder möglichst von Religion unbeeinflusst aufwachsen können und wir Entscheidungen die mehr als eine Person betreffen nicht davon abhängig machen was in einem Buch steht.

        Als jemand, der die ersten drei Jahre seines Studiums in einem […] Wohnheim mit hohem Theologenanteil gewohnt hat, weiß ich aber aus eigener Erfahrung, daß Theologie ein ernstzunehmendes geisteswissenschaftliches Studium ist, und zwar eins der härteren, die man sich aussuchen kann.

        Keiner hat behauptet das Studium der Theologie wäre einfach.
        Ich habe nichtmal behauptet dass man sich nicht über Religionen informieren sollte. Gerade Kinder sollten ruhig auch über verschiedene Religionen aufgeklärt werden und erfahren welchen Einfluss die dazugehörigen Überzeugungen und Organisationen auf unsere Geschichte hatten.

        Das ist natürlich was anderes als eine katholische Erziehung, nicht?😉

      • Wo habe ich je geschrieben, dass ich die katholische Erziehung meine? Ich redete davon, dass ich Christin bin. Findest Du nicht, dass es sehr engstirnig ist, etwas so vielschichtiges so einzugrenzen, nur weil man meint, ein Teil davon zu kennen?

      • @ToJe
        Mit „wissenschaftlich“ meine ich eben dieses absolute Wissen. 1+1=2. Immer . im euklidischen Raum zumindest. Also klare Rahmenbedingungen erzwingen bei gleichen Ausgangsbedingungen ein gleiches Ergebnis. Wirtschaftswissenschaften gab es zum Beispiel sowohl in der DDR als auch in der BRD, als ernsthafte Wissenschaft (ergebnisoffen, überprüfbar) hätten sie also auch beide zum gleichen Ergebnis kommen müssen. Gesellschaftswissenschaften, und was anderes ist Genderquatsch nicht, ebenso. Nach tausenden Jahren müßten sonst ja die Religionen gleich der Mathematik einen einheitlichen Wissenstand haben.😉
        und jetzt ab zur Steinigung, frische Kiesel sind im Angebot.

    • Naja, wissenschaftlich betrachtet haben die Atheisten schon die besseren Argumente. Also, naturwissenschaftlich. Genderstudies und Theologie zählt da nicht . *wegduck*

      • Über Genderstudies kann ich wenig sagen, das gab es zu meiner Zeit an der Uni noch nicht.😉

        Als jemand, der die ersten drei Jahre seines Studiums in einem (von der evangelischen Landeskirche getragenen, von den Bewohnern in großem Umfang selbstverwalteten) Wohnheim mit hohem Theologenanteil gewohnt hat, weiß ich aber aus eigener Erfahrung, daß Theologie ein ernstzunehmendes geisteswissenschaftliches Studium ist, und zwar eins der härteren, die man sich aussuchen kann. Längst nicht nur wegen der drei alten Sprachen, die man beherrschen muß, bevor man mit dem eigentlichen Stoff überhaupt anfangen kann.

        Mein Jurastudium war im Vergleich zu dem, was die Leute aus den theologischen Fakultäten (egal ob evangelisch oder katholisch) so zu leisten hatten, mitunter regelrecht einfach und billig. Und Jura gilt jetzt (IMHO zu Recht, wenn man es ernsthaft studiert) nicht gerade als einfaches Fach.

        (Menschen mit naturwissenschaftlich-technischem Hintergrund neigen meiner Erfahrung nach allerdings nicht gerade selten dazu, alles andere als „Laberfach“ einzustufen. Häufig ohne sich jemals wirklich mit den Inhalten des Fachs beschäftigt zu haben. ;-> )

  5. Hmm. Wer glaubt, man könne Kindern eine „freie Wahl lassen“, hat vermutlich selbst keine Kinder. Jede Erziehung ist Beeinflussung, oder auch „Indoktrination“, wie so schön geschrieben. Und Kinder lernen am meisten durch das Verhalten ihrer Eltern.

    Wäre ich gläubig, könnte ich meinen Kindern nicht ein atheistisches Denken anerziehen und umgekehrt. Deshalb ist eigentlich nur das wichtigste, was man vorlebt – und daß man seinen Kindern im Zweifel wirklich die Wahl lässt zur Entscheidung, die sie irgendwann treffen.

    Und der böse Glaube… Unsere Dreijährige glaubt an den Osterhasen, die Schlamperhexe und das Christkind, weiß aber auch von Jesus. Ist das jetzt indoktriniert? Schlimm? Gefährdung des Kindeswohls?

    • Du irrst. Ich bin das beste Beispiel. Ich habe auf meiner Suche so ziemlich alles „durchgetestet“ bevor ich da gelandet bin, woher ich komme und das aus einer Familie, die seit mindestens zwei Generationen keine Religion lebte in einem Land in dem man dafür geschnitten wurde, überhaupt irgendwohin zu gehören, geschweige denn wirklich religiös zu sein.
      Bei uns zu hause standen Bibel und Koran ganz selbstverständlich neben den antiken Philosophen und es wurde kein Unterschied gemacht.

      Wenn Possums Kinder eines Tages entscheiden, abends nicht mehr zu beten, das kann sehr wohl passieren, dann ist das so – na und. Dennoch ist es doch ein schönes Ritual, dass die Kindheit begleiten kann – auch, wenn man selbst damit nichts verbindet. Der eine lernt Meditation, der nächste betet und jemand anderes läuft Marathon. Alles läuft auf eines hinaus: Innehalten und Besinnen. Kann nicht schaden in unserer schnellen Welt.

      • Eben. Im Moment ruft zumindest meine Tochter mich abends an, wenn sie woanders übernachtet und möchte am Telefon mit mir beten. Was ich sehr gerne mit ihr tue. Schläft mein Sohn woanders, dann ruft er auch an, spricht mich aber nicht auf ein Gebet an. So unterschiedlich handhaben sie es – und das ist auch gut so.

    • Der bisher beste Kommentar…..

  6. Wow – interessanter Post. Und wow – viele lange Kommentare. Meiner in aller Kürze: Ich DANKE Dir für diesen Beitrag!🙂

    Ich bin der Überzeugung, dass die christliche Kirche eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unserer Gesellschaft und der Entwicklung unserer gemeinsamen Werte und Ethik gespielt hat (ja, das sehe ich so auch trotz der unschönen Entwicklungen, die der Kirche von Kritikern oft vorgeworfen werden!). Und ich finde, dass die Institution Kirche auch heute noch eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt (sowohl als „ethisches Kontrollgremium“ als auch als „sozialer Dienstleister“) … und sich durchaus aktiv einmischen sollte!

    Ich bin aktiver Christ. Ich gehe hin und wieder in die Kirche, versuche bei Feiertagen den (meist christlichen!) Hintergrund des Festes nicht zu vergessen, bin im Kirchenchor aktiv und habe mein Kind taufen lassen. Wenn ich in einem Gespräch bspw. mal den Gemeindechor erwähne, stellt sich übrigens erstaunlich oft heraus, dass auch mein Gegenüber Christ ist und sogar in seiner/ihrer Kirchengemeinde aktiv ist. Und das passiert mir weit häufiger, als ich das gedacht hätte!🙂

    Ach, jetzt ist auch mein Kommentar etwas länger geworden. Pardon! Aber Du hast halt einfach ein Herzensthema angesprochen…🙂

  7. Auch von mir ein Dankeschön!

    Unsere Tochter wird mit unseren christilichen Familientraditionen aufwachsen, sie wird Glaube erleben. Sehr unterschiedlich und auch zweifelnd. Und wir werden sie taufen lassen, sie willkommen heißen.
    Wir werden ihr Wurzeln in unserem Christensein geben. Und wenn sie älter ist kann/darf/soll sie für sich entscheiden und umentscheiden ob sie glaubt und an was sie glaubt.

    Wir werden versuchen ihr Achtung vor den Menschen und Ihrem Glauben oder Nichtglauben zu vermitteln.

    Für mich ist Glaube etwas sehr intimes, daher weiß ich garnicht wie unser Umfeld

  8. Wenn Du Kinder atheistisch erziehst, dann „zerrst“ Du sie auch in eine religiöse Richtung, nämlich in die des Atheismus.

  9. @sds: Vielen Dank für deinen Kommentar. Der drückt genau das aus, was ich dir ganze Zeit versucht habe in Worte zu fassen.
    Und auch dir, liebe Possum, vielen Dank für deinen Beitrag. Er drückt aus, worüber ich oftmals selber traurig bin. Als Christin fühle ich mich mittlerweile einfach teilweise in der Gesellschaft verpönt.

    Ich frage mich übrigens ch immer, wie ich das in der Vorstellung mancher Leute ganz praktisch irgendwann machen soll. Ich gehe mit meinem Mann in die Kirche – und lasse meine potentielle vierjährige Tochter einfach alleine daheim? Damit sie bloß keinen Kontakt mit der Kirche hat? Hm.
    Kindererziehung ist immer Beeinflussung, egal in welcher Hinsicht. Man drückt Kindern immer irgendwie, irgendwo seine eigenen Meinungen und Ansichten auf, im Kleinen wie im Großen.
    Wichtig ist meiner Meinung nach nur, dass man ihnen alles offen stellt und erklärt – und, dass man auch die Meinungen und Ansichten seiner Kinder respektiert. Wird meine potentielle vierjährige – irgendwann vielleicht dreizehnjährige – Tochter mir sagen, dass sie kein Bock mehr auf Gott und den Kram hat, nun, dann werde ich es wohl zugegebenermaßen irgendwie schade finden, aber ihre Ansicht voll und ganz akzeptieren. Warum auch nicht? Wenn ein gegenseitiger Respekt bestünde, vor jedem anderen Menschen und vor jeder Ansicht, dann wäre die Welt ohnehin ein besserer Ort. Vielleicht sollten auch die Gläubigen und Nichtgläubigen sich das einmal hinter die Ohren schreiben, anstatt immer über die Lebensweise anderer herzuziehen, die einem doch eigentlich gar nicht schaden.
    Denn, oh komisch, es gibt auch die Kinder, die ihren Eltern dankbar sind, dass sie getauft und in der Kirche großgezogen wurden. Es gibt immer zwei Seiten, und oft im Leben muss man sich für eine entscheiden, da gibt es keinen Kompromiss – da ist dann genannter Respekt gefragt, besonders für die Ansicht, die man nicht gewählt hat.

    • Ich bin da vollkommen bei Dir. Und ist nicht das ein Grund, warum man Kinder hat? Um die eigenen Kinder so zu erziehen, damit die Welt ein besserer Ort wird?

  10. Hallo,
    diese und noch mehr Diskussionen hab ich mein Leben lang durch. Aber nur zwei Sachen von Uroma „jugendliches Augenroll“:

    Wenn es den Leuten richtig, richtig schlecht geht: sie werden beten.

    Die Kirche gibts schon seit 2000 Jahren. Den Hitler gabs nicht so lange und die Kommunisten wird sie auch überstehen….

    Sie hatte in beiden Punkten recht.

    Micha

  11. Sieh an. Ich komme aus einer Gegend wo taufen und Konfirmation einfach dazu gehört. Egal ob gläubig oder nicht. Jedenfalls in meinem Dorf war das so. Ich war mit fast allen aus meiner Grundschulklasse in der Konfirmationsgruppe. Die meisten sind bei uns evangelisch (mich eingeschlossen), es gibt aber auch eine katholische Kirche in der Stadt und ein paar andere Gemeinden. Mit dem Besuchen einer Kirche stimme ich dir zu. Man besucht alles nur keine Kirche.
    Sonst gilt leben und leben lassen.
    Meine Kinder werden auf jeden Fall getauft, wenn sie lieber einen anderen Glauben bevorzugen, können sie immer noch austreten und sich einer anderen anschliessen.

  12. Ein sehr interessanter Beitrag. So kritisch und latent feindselig gegenüber Christen war mein Umfeld bisher nie. Vielleicht ist das auch ein Thema von Altersgruppen und Wohnorten.

    Lass Dich nicht verrückt machen. Im Vergleich zu Atheismen verschiedener Spielart ist Glauben immer noch die bei weitem geländegängigere Weltanschauung.

    Wenn jemand selbst gläubig ist, halte ich es auch für richtig und wichtig, Kindern etwas davon mit auf den Weg zu geben. Es ist besser, dass die entsprechende Stelle im Kopf mit einer guten alten Religion besetzt ist, als dass irgendwann eine Sekte oder ein weltlicher Rattenfänger auf ein unbeschriebenes Blatt trifft.

  13. Inzwischen gibt es eine Art fanatischen Atheismus, der die, die glauben, wenn nicht schon bekehren, dann aber mindestens lächerlich machen will. Daß das inzwischen auch als Art Religion gilt, wollen diese fanatischen Atheisten nicht begreifen.

    • und erneut: Atheismus ist keine Religion. Diese Behauptung kommt immer wieder, kann aber sehr leicht wiederlegt werden wenn man fragt wann das Gegenüber von seiner Position absehen würde.

      Antwort Atheist: „Wenn du mir Gegenbeweise zeigst.“
      Antwort religiöser Mensch: „Nie.“

  14. Schwieriges Thema. Ich könnte meine Kinder nicht anders als christlich erziehen, weil der Glaube für mich das tragende Element meines Daseins ist. Das ist nichts, was ich theoretisch überlege, da geht es um den Kern meiner Existenz. Natürlich vermittle ich das meinen Kindern. Was nicht heißt, dass ich sie lehre, sklavisch irgendwelche Kirchengebote zu befolgen – aber sie bekommen eben mit, was mein Leben ausmacht. Ich begieße sie mit Literatur, ich nehme sie mit ins Museum, ich gehe mit ihnen Zelten, ich knuddle sie, ich meckere sie an, ich bete mit ihnen – weil das mein Leben ist. Sie haben nun mal das Glück oder Pech, meine Kinder zu sein, also werden sie von mir geprägt. Ich bin der Überzeugung, dass Religiosität so angeboren ist wie Musikalität; ob es eine Begabung ist (wie ich meine) oder eine Schwäche (wie z.B. mein wortreich atheistischer Vater meint), sei dahingestellt – d.h. entweder die Kinder werden religiöse Menschen, dann würde ich mich freuen, ihnen eine Basis gegeben zu haben; oder sie werden es nicht (das Wahrscheinlichere, wenn ich sie mir genauer ansehe), dann haben sie Religion wenigstens kennengelernt. Aber eine Wahl, ob ich mit oder ohne Religion erziehe, habe ich so wenig, wie ich eine Wahl habe, ob ich mit oder ohne Lachen, mit oder ohne Körperkontakt, in meiner Muttersprache oder in Turkmenisch erziehe (nein, ich kann kein Turkmenisch).

    Wirklich religionsfeindlich ist in meinem Umfeld, trotz vieler Atheisten im Freundeskreis, so gut wie niemand. Womit ich allerdings kämpfe, ist die Vereinnahmung christlicher Feste durch die Betreuungsinstitutionenen, mit Osterfrühstück in der Karwoche und völlig undurchdachter Pädagogik – typische Kindergartenanekdote:
    Erzieherin erzählt vom Weihnachtsmann.
    Mein Kind: „Den Weihnachtsmann gibt es aber gar nicht! Die Eltern schenken uns was, damit wir uns auch mal freuen, dass Jesus geboren ist!“
    20 weitere Kinder: starr vor Entsetzen.
    Erzieherin, in leichter Panik: „Na, weißt du – das ist so – also, manche glauben eben an Gott und andere an den Weihnachtsmann…“
    Mein Kind: „Glaubst du auch an den Weihnachtsmann?“
    Erzieherin: „ähhh – ja!“
    Kind kommt empört nach Hause: „Mama?! Lügst du oder lügt die Erzieherin?“

    LG ’ne mama

    • PRUST! Sehr klasse, Dein Kind!

  15. Boah hier geht es ja heiß her bei den Kommentaren. Ich gehe mit dir, Frau Possum 100% konform, habe meine Kinder so erzogen (sie sind heute 26 und 28 und die eine ist religiös, die andere eher nicht so und es ist ok!
    Prima, weltoffene Einstellung!

  16. Possum, danke für dieses offene Outing.

    Zu der Diskussion möchte ich noch zwei oder drei Aspekte anbringen:
    Ja, Glaube soll halt nicht bewiesen werden, aber: Um es platt zu formulieren: Religion ist Philosophie mit der Grundlage „Gott ist existent“ Die Mathematik arbeitet ja auch mit solchen Voraussetzungen. 0 ist immer 0 sonst funktioniert es nicht. Und bei der Geometrie muss man ja dazu sagen, dass es die euklidische ist, damit man weiß, worüber man redet.

    Oben war wieder das Thema „Hexenverbrennung“ angedeutet. Nazivergleiche sind eigentlich böse: Aber viele unseres Volkes wollen sich die Untaten der Nazis vor 50 oder 60 Jahren nicht mehr vorhalten lassen. Weil das ja schon solange her ist. Aber als Christ muss ich mir die Hexenverbrennungen noch immer vorwerfen lassen.
    (Da könnte ich noch ausholen, aber erstmal reicht das.)

    Ich finde es richtig Kinder den Glauben zu zeigen und vorzuleben. Ich glaube, Glauben muss gelernt werden, und das geht am besten durch Vorbilder.

    Gruß
    Christian

  17. Hmm, Sie meinen also, dass Ihre Kinder eine freie Wahl haben, obwohl sie von klein auf mit bestimmten Glaubenswerten aufwachsen (wozu beim Christentum auch die Angst gehört, dass Ungläubige in die Hölle kommen), da sie sich ja später auch von diesem Glauben lossagen könnten? Und die von Nichtgläubigen, haben dagegen keine freie Wahl, obwohl Sie sich als mündige Erwachsenen über jede Religion informieren können und der Religion beitreten können, der sie möchten?

    Sie sagen selbst, dass Sie hoffen, dass Ihre Kinder durch die Taufe für’s Leben gezeichnet sind, Sie erziehen sie eben christlich, weil Sie wollen, dass sie später auch Christen sind, nicht weil Sie ihnen eine freie Wahl lassen wollen. Natürlich würden Sie wohl hinnehmen müssen, wenn eines Ihrer Kinder später seinen Glauben ablegt, aber wenn sie ehrlich sind versuchen sie doch mit Ihrer Erziehung dem entgegenzuwirken.

    Wenn Sie sich aber dass Recht herausnehmen Ihre Kinder religiös zu erziehen, warum sollten dann nichtgläubige Menschen nicht das Recht haben ihre Kinder völlig frei von religiösen Einflüssen aufzuziehen?

    • Wo genau hab ich das irgendjemandem abgesprochen?

  18. Ich habe tatsächlich lange überlegt, ob ich diesen Blogbeitrag kommentieren soll- Der Hauptgrund ist, dass ich zwar ebenfalls der „Missionierung“ in die ein oder in die andere Richtung nichts abgewinnen kann und eher für Toleranz und Offenheit bin; auf der anderen Seite aber etwas Bauchschmerzen bei dem Beitrag hatte, ohne meine Kritik konkret an einer Aussage festmachen zu können. Deswegen versuche ich es einfach mal auf die Gefahr, dass es schief geht:

    In dem Blogbeitrag wird Toleranz für den Glauben gefordert. Das impliziert aber bereits, dass der Glaube eine ernstzunehmende Alternative zum Agnostizismus und zum Atheismus und damit grundsätzlich als alternatives Lebensmodell lehrenswert ist. Ich habe schon ein wenig Probleme mit dieser Grundannahme. Natürlich: Wer selber meint, so leben zu müssen, soll das tun. Diskussionswürdig wird es erst, wenn solche Lehren Kindern vermittelt werden.

    Solange das „zivilisiert“ abläuft – Religionen also als grundsätzlich gleichwertig dargestellt werden (sowohl untereinander als auch gleichwertig zum Nichtglauben), Toleranz gelehrt wird und der Prozess der religiösen Identitätsfindung letztendlich dem Kind überlassen wird – halte ich die Weitergabe von Religion und religiösen Ansichten persönlich aber für vertretbar. Es ist eben tatsächlich eine Illusion, Kinder zu erziehen, ohne sie gleichzeitig zu „indoktrinieren“. Irgendwelche Werte, Ansichten und Verhaltensmuster werden bei der Erziehung zwingend weitergegeben, eine „neutrale“ Erziehung existiert nicht.
    Allerdings muss man auch aufpassen, welche Werte mit einer religiösen Erziehung weitergegeben werden und ob man gewissen Überzeugungen nicht dann im Rahmen der Erziehung aktiv entgegen wirken muss. Viele Religionen neigen – soweit sie institutionalisiert sind sind – beispielsweise dazu, sich zu langsam an gesellschaftliche Werte anzupassen. Das fängt bei einem engen Begriff der Ehe und der Ablehnung alternativer Lebensentwürfe an (Homo-/Bi-/Pansexuelle Lebensentwürfe beispielsweise), geht über eine verkürzte Diskussion beim Schutz des Lebens („Alles Leben – auch das werdende –ist unter allen Umständen heilig“) und hört bei zum Teil absoluten Ansprüchen an die moralische Überlegenheit noch lange nicht auf. In dem Fall sehe ich es auch als Pflicht der Eltern, ihren Kindern aktiv beizubringen, dass Religion und Glaube nicht unfehlbar sind, dass sie zu falschen Annahmen führen können und dass der Glaube kein Ersatz für eigenständiges Denken ist.

    Ich glaube, dieser Spagat gelingt den meisten Eltern aber recht gut. Zumindest in meinem Bekanntenkreis wurde – trotz vieler Kirchenaustritte in den letzten Jahren – niemand durch das Beten im Kindesalter nachhaltig geschädigt.

    • Ich gebe Dir vollkommen recht, was Du über die Werte und Toleranz sagst. Was mich aber immer wieder erstaunt ist die Aussage, dass Kinder durch das Beten „geschädigt“ werden oder eben auch nicht. Niemand stellt die Frage, ob sie durch das Nicht-Beten und das Nicht-Vorhandensein von Spiritualität geschädigt werden…


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