Der feine Grad zwischen cool und peinlich

Es ist hart, ein Pre-Teenager zu sein. Man ist so hin und her gerissen, weiß nicht, was cool oder was super peinlich ist. Meine Tochter ist gerade in dem Alter und das Kind leidet unter mir.

Gerade eben zum Beispiel. Sie hat Training auf dem Beachvolleyball-Feld gefühlte 30m von unserem Haus entfernt. Also habe ich die grandiose Idee, für die Pause eine aufgeschnittene Melone vorbei zu bringen.

„MAMA! Nein! Das ist peinlich, das macht keine andere Mutter!!!“ Möglich, aber die wohnen auch nicht in Sichtweite.

Jedenfalls, es war warm, die Melone mußte weg, also hab ich mich über das töchterliche Verbot hinweg gesetzt und aufgeschnittenes Obst rüber gebracht. Sehr zur Freude der Trainerin, die meinte, dass wäre doch mal eine gute Idee. Vor allem, weil ich nicht nur unsere Truppe, sondern auch „die Großen“ bedacht habe. Wenn schon, denn schon. Während der Übergabe würdigte mich Kind Nummer Eins keines Blickes.

Zeitsprung, eineinhalb Stunden später. Ein verschwitztes, übersprudelndes Kind kommt durch die Terassentür gestürmt.

„Mama, alle, aber auch alle sagen Danke für die Melone. Sogar die großen Mädchen! Das ist so cool gewesen!“ Ach?

„Ach? Ich dachte, das wäre peinlich?!“ Irritiertes Stirnrunzeln.

„Ja, ist es ja auch. Aber auch irgendwie total cool.“

Na wenn das so…

Published in: on 26. Mai 2014 at 19:20  Comments (1)  

Eine Tüte Glück, bitte!

Übrigens, ich mache tatsächlich mit, bei der 100happydays-Challenge. Bisher habe ich knapp ein Drittel geschafft und kann folgendes Zwischenfazit ziehen:

Es macht Spaß.

Klar, manchmal überlegt man sich ernsthaft, was und warum man nun tun sollte, um heute noch ein „Ich bin ja so glücklich“-Bild hinzubekommen. Und bei einigen dokumentierten Momenten war ich auch weniger glücklich als bei anderen. Aber mein Klassenziel für mich persönlich war, mit offenen Augen für das Schöne durch die Welt zu gehen und die schönen Dinge im Leben dann zu genießen, wenn sie da sind. Und nicht, wenn sie vergangen sind. Das Ziel habe ich erreicht.

Denn es stimmt schon, wer suchet, der findet. Der ganz kleine, persönliche Glücksmoment kann überall sein. Und vor allem, er kommt wirklich täglich vorbei, wenn man ihn nur lässt.

Published in: on 19. Mai 2014 at 16:11  Schreibe einen Kommentar  

Gibt es ein Leben nach der Garantie?

Ich habe keine Ahnung, was diverse Firmen gegen mich haben, so eine schlechte Kundin bin ich ja gar nicht, aber gut.

Also, folgendes trug sich letzte Woche in unserem Wohnzimmer zu:

Unser Fernseher, ein Samsung, hat ziemlich genau nach sechs Jahren den Geist aufgegeben. Ich persönlich finde das früh, kann ich mich doch dran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen ein Fernseher mindestens doppelt so lange hielt. Mein örtlicher Fernsehschrauber schaute mich daraufhin übrigens sehr mitleidig an und fragte mich, in welchem Jahrhundert ich denn leben würde. Ich verkneife mir jetzt jeglichen Kommentar über den Verfall von Qualitätsarbeit.

Dafür leben wir aber sehr wohl in Zeiten der Globalisierung. Das bedeutet, Informationen sind nicht auf ein Land beschränkt. Und wenn man mal interessiert ins Netz schaut, dann sieht man, dass es in den USA derartige Probleme mit Fernsehern dieser Marke genau aus der Zeit gab, in der unserer gefertigt wurde. Samsung sah sich daraufhin einer Sammelklage gegenüber stehen, weil sie im Verdacht standen, Teile so gefertigt zu haben, dass sie eben nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Die Südkoreaner haben infolgedessen Schraube und Mutter geschworen, dass sie nichts damit zu tun haben, dass ihre Geräte reihenweise genau nach Ablauf der Garantie das Zeitliche segnen (und zwar mit dem gleichen Symptom wie der unserige). Sie haben aber um des lieben Friedens willen (und um Geld und schlechte PR zu sparen, denke ich mal) angeboten, sie würden 7,5 Millionen Fernseher zurück nehmen.

So.

Daraufhin haben wir dem deutschen Kundenservice eine nette Mail geschrieben und gefragt, wie wir denn jetzt vorgehen müßten, um wegen des bekannten Problems an wahlweise einen neuen Fernseher oder aber an eine Reparatur kämen. Jaaahaa, sagte da der Kundenservice, das wären ja die Leute in den USA gewesen und hier wären wir in Europa und da wären die Gesetze anders (Übersetzung des Possums: Wenn die Europäer zu doof sind uns zu verklagen – ja da können wir ja nix zu) und sorry, nein, wir können da nicht helfen.

Sowas macht mich ja rasend. Warum, um alles in der Welt, werden amerikanische Kunden mehr hofiert als wir? Warum dürfen sich die Firmen dieser Welt (und damit schließe ich ausdrücklich deutsche mit ein) mit dem deutschen Verbraucher so ungefähr alles erlauben, während sie auf der anderen Seite des Atlantiks die Kulanz selbst sind. Gut, die Antwort ist einfach und lautet: die unterschiedliche Gerichtsbarkeit. Nicht, dass ich daran etwas ändere, nur weil ich mich aufspule, aber sowas macht mich ganz wahnsinnig.

Wie wenig deutsche Verbraucher übrigens ernstgenommen werden, zeigten dann die beiden folgenden Dinge: Auf die Bitte nach einer Stellungnahme zu dem Thema, reagierte der Kundenservice sehr verschnupft und meinte, sie würden einer Veröffentlichung im Blog nicht zustimmen. Als ich an die Pressestelle der Firma mit der gleichen Bitte herantrat, hat man mir erst gar nicht geantwortet. Newsflash, liebe Samsunger: Ich brauche keinerlei Erlaubnis, um über mein persönliches Erlebnis mit einem Eurer Geräte und Eurem Umgang mit Kunden zu bloggen – sogar die deutschen Gesetze erlauben das. Und ich geh auch nicht weg, nur weil ihr mich ignoriert.

Was ich sehr wohl tun werde, ist in ein Fernsehgeschäft meines Vertrauens gehen und einen neuen Fernseher kaufen. Und der wird wohl eher nicht von Samsung sein.

Published in: on 13. Mai 2014 at 09:39  Comments (7)  

Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne

So, damit wäre das dann jetzt auch rum. Die Zeiten, in denen mein Sohn auch vor anderen zeigte, dass er seine Mama liebt, die sind vorbei. Schleichend erst, so durfte ich ihm erst keinen Kuss geben, wenn Klassenkameraden oder gar Fußballkumpels dabei waren. Dann war Anfassen ausserhalb des Tröstens bei einem verlorenen Spiel tabu. Und eben gerade rief er kurz aus der Schule an und als ich das Gespräch mit „Ich hab Dich lieb.“ beendete, kam nur ein halb genervtes „Jaja.“ Bei meiner Tochter kommt wenigstens noch ein schnell geflüstertes „Ich Dich auch!“

Seufz.

Aber gut, ich bin da ja flexibel und wir gehen genau in dem Tempo, das das Kind vorgibt. Und ausserdem: Man soll ja immer auch die gute Seite sehen bei sowas. Mir stehen plötzlich ganz neue Erpressungs- Überzeugungsoptionen offen. So kann man zu Beispiel immer mal wieder in eine vorpubertär indizierte Diskussion einbringen, die abgesprochene, seit langem überfälligen Mitarbeit im Haushalt jetzt erledigt zu werden hat. Sowas unmenschliches wie das Kinder-Bad einmal die Woche putzen oder die Spülmaschine ausräumen. Und wenn nicht, dann muss ich ihn leider morgens mal wieder in die Schule bringen und ihm zum Abschied einen langen Kuß aufdrücken. In Anwesenheit seiner Klassenkameraden.

Grausam? Ja, klar. Aber erprobt und wirksam! Abgesehen davon: im Krieg, in der Liebe und in der Pubertät sind alle Mittel erlaubt. Und zumindest meine Kinder glauben mir sofort, dass ich dazu in der Lage bin und haben es noch nie drauf ankommen lassen.

Published in: on 7. Mai 2014 at 07:32  Comments (6)