Gibt es ein Leben nach der Garantie?

Ich habe keine Ahnung, was diverse Firmen gegen mich haben, so eine schlechte Kundin bin ich ja gar nicht, aber gut.

Also, folgendes trug sich letzte Woche in unserem Wohnzimmer zu:

Unser Fernseher, ein Samsung, hat ziemlich genau nach sechs Jahren den Geist aufgegeben. Ich persönlich finde das früh, kann ich mich doch dran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen ein Fernseher mindestens doppelt so lange hielt. Mein örtlicher Fernsehschrauber schaute mich daraufhin übrigens sehr mitleidig an und fragte mich, in welchem Jahrhundert ich denn leben würde. Ich verkneife mir jetzt jeglichen Kommentar über den Verfall von Qualitätsarbeit.

Dafür leben wir aber sehr wohl in Zeiten der Globalisierung. Das bedeutet, Informationen sind nicht auf ein Land beschränkt. Und wenn man mal interessiert ins Netz schaut, dann sieht man, dass es in den USA derartige Probleme mit Fernsehern dieser Marke genau aus der Zeit gab, in der unserer gefertigt wurde. Samsung sah sich daraufhin einer Sammelklage gegenüber stehen, weil sie im Verdacht standen, Teile so gefertigt zu haben, dass sie eben nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Die Südkoreaner haben infolgedessen Schraube und Mutter geschworen, dass sie nichts damit zu tun haben, dass ihre Geräte reihenweise genau nach Ablauf der Garantie das Zeitliche segnen (und zwar mit dem gleichen Symptom wie der unserige). Sie haben aber um des lieben Friedens willen (und um Geld und schlechte PR zu sparen, denke ich mal) angeboten, sie würden 7,5 Millionen Fernseher zurück nehmen.

So.

Daraufhin haben wir dem deutschen Kundenservice eine nette Mail geschrieben und gefragt, wie wir denn jetzt vorgehen müßten, um wegen des bekannten Problems an wahlweise einen neuen Fernseher oder aber an eine Reparatur kämen. Jaaahaa, sagte da der Kundenservice, das wären ja die Leute in den USA gewesen und hier wären wir in Europa und da wären die Gesetze anders (Übersetzung des Possums: Wenn die Europäer zu doof sind uns zu verklagen – ja da können wir ja nix zu) und sorry, nein, wir können da nicht helfen.

Sowas macht mich ja rasend. Warum, um alles in der Welt, werden amerikanische Kunden mehr hofiert als wir? Warum dürfen sich die Firmen dieser Welt (und damit schließe ich ausdrücklich deutsche mit ein) mit dem deutschen Verbraucher so ungefähr alles erlauben, während sie auf der anderen Seite des Atlantiks die Kulanz selbst sind. Gut, die Antwort ist einfach und lautet: die unterschiedliche Gerichtsbarkeit. Nicht, dass ich daran etwas ändere, nur weil ich mich aufspule, aber sowas macht mich ganz wahnsinnig.

Wie wenig deutsche Verbraucher übrigens ernstgenommen werden, zeigten dann die beiden folgenden Dinge: Auf die Bitte nach einer Stellungnahme zu dem Thema, reagierte der Kundenservice sehr verschnupft und meinte, sie würden einer Veröffentlichung im Blog nicht zustimmen. Als ich an die Pressestelle der Firma mit der gleichen Bitte herantrat, hat man mir erst gar nicht geantwortet. Newsflash, liebe Samsunger: Ich brauche keinerlei Erlaubnis, um über mein persönliches Erlebnis mit einem Eurer Geräte und Eurem Umgang mit Kunden zu bloggen – sogar die deutschen Gesetze erlauben das. Und ich geh auch nicht weg, nur weil ihr mich ignoriert.

Was ich sehr wohl tun werde, ist in ein Fernsehgeschäft meines Vertrauens gehen und einen neuen Fernseher kaufen. Und der wird wohl eher nicht von Samsung sein.

Published in: on 13. Mai 2014 at 09:39  Comments (7)  

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7 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. es gibt eine sehr kurze Liste von Firmen bei denen ich aus Prinzip nichts mehr kaufe. Darauf steht momentan:
    * Samsung

    Grund dafür ist dass ich noch nie ein Gerät von jener Firma gesehen oder in der Hand gehalten hab das nicht auf mindestens 2-3 Arten Schrott war.
    Normalerweise sollte man ja meinen dass bei so großen Konzernen zwischen den einzelnen Abteilungen bereits genug Abstand wäre dass die Qualität eines Telefons/Routers/Bildschirms miteinander nicht viel zu tun haben würde. Aber die Realität scheint dem wirklich zu widersprechen.

    Es gibt übrigens auch 1-2 Firmen von denen ich bereits ähnlich viele Geräte gekauft habe (z.B. Philips) und noch nie eins erwischt habe das ich nicht mindestens „gut“ fand.
    Das macht es mir wirklich schwer, realistisch an so Sachen zu gehen, festzustellen dass die eh alle die gleichen Billigchips einkaufen und unabhängig vom Label zu kaufen.

  2. Dialog beim letzten Fernseherkauf, ich: „Also der alte hat jetzt 14 Jahre gehalten.“ – „So lange? Also das können Sie von den heutigen Geräten nicht mehr erwarten.“ Das ist jetzt aber auch schon wieder 12 Jahre her.

  3. Unser Gerät (Panasonic) hatte ebenso seine erste Reparatur nach 6 Jahren. Der Techniker meinte genauso, dass heutzutage bei den Flachbildschirmen die Technik nicht mehr so gut hält, da u.a. zu wenig Platz im Gerät ist, und somit schlechter belüftet / gekühlt wird.
    Ich habe mir dann geschworen, kein teures Markengerät mehr zu kaufen, wenn es eh nur darauf hinausläuft, dass mans nach wenigen Jahren wieder wegschmeissen muss.

    — Es lebe die Wegwerfgesellschaft.–

  4. Samsung ist bei mir auch auf der schwarzen Liste bei Fernsehern, nachdem sie einen Fernseher mit 3D in Full HD beworben haben, der Fernseher technisch aber nur in der Lage ist die halbe Auflösung darzustellen (und das sieht in dem Fall richtig beschissen aus, da das Down-Sampling unheimlich schlecht ist). Wenn der Fernseher kaputt ist, wird es definitiv kein Samsung mehr.
    Problem bei mir ist nur: Neben Samsung stehen auf meiner schwarzen Liste noch einige andere Unternehmen, so dass es schon langsam schwer wird, noch ein akzeptables Unternehmen zu bekommen (wahrscheinlich wird es dann ein Phillips.

  5. „Yeah! Gibs ihnen!“
    Im Ernst, finde ich gut.
    Ähnlich gelagertes Problem: das liebe Auto und die Reparaturen, die ja immer irgendwann kommen (und wenn es neue Bremsen braucht…). Jetzt, nach 25 Jahren eigenes Auto, habe ich endlich eine (freie) Werkstatt gefunden, die moderate Preise verlangt und gleichzeitig nur das repariert, was wirklich gemacht werden muß und dann noch darauf achtet, dass nur dann wirklich Neuteile eingebaut werden, wenn es nicht mehr anders geht. Und das Sahnehäubchen: bei alldem versteht der Kfz-Meister mehr von seinem Geschäft im aktuellen Fall (Motorschaden) als die 3 Werkstätten, in denen ich vorher war. Auf mein erstauntes Nachfragen kam als selbstverständliche Erklärung „ich behandele meine Kunden genau so, wie ich selbst gerne als Käufer behandelt werden möchte…“
    Preis einer bestimmten Reparatur im Rhein-Main-Gebiet: 680,- und bei ihm: 380,-. Halt der Unterschied von Fachwerkstatt und freier Werkstatt…

  6. Der ‚Fernseh-Doktor‘ kam ins Haus und reparierte vor Ort! So mit allem Schnick-und-Schnack: Meßgerät, Lötkolben und Ersatzteile. *Oma erzählt vom Krieg*

  7. Es ist erstaunlich (dumm), dass manche Firmen nicht begriffen haben, daß es Social Media gibt und dass jeder Teilnehmer ein potentieller Kunder ist. Oder auch nicht, wenn es nur genug Negativ-PR gibt.

    Ich hatte auch mal darüber gebloggt, dass die Rache des kleinen Mannes funktioniert:

    http://lostmoon.de/die-rache-des-kleinen-mannes-funktioniert-701


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