Nach jedem Regen folgt Sonnenschein. Immer.

Wenn man so am Samstagmorgen um kurz nach sechs auf der Autobahn durch die Lande fährt, das Auto voll mit 11jährigen, die sich aufgeregt auf ein Tunier freuen, dann kommt man ja nicht umhin an die Zeit zu denken, in der man um diese Zeit gerade Richtung Heimat fuhr. Als Bloggerin verbringt man dann die halbe Fahrt damit, sich zu überlegen, was für einen schönen Eintrag man daraus machen kann und fängt im Kopf schon mal das Formulieren an.

Wie immer kommt es meist anders. In meinem Fall waren das sogenannte Fans einer gegenerischen Mannschaft. Ich bin ja selbst schon ein sehr emotionaler Mensch, wenn es um den Sport meiner Kinder geht (Stichwort:“Mamaaaa, Du bist peinlich, wenn Du weiter so machst — ich nehm Dich nicht mehr mit!“). Die eigenen Kinder anfeuern ist ein Muß. Und ja, ich gebe zu, auch ich habe schon mal in der Hitze des Gefechts geklatscht, wenn eine Aufgabe der Gegner ins Netz geht, auch wenn das nicht nett ist. Die Spielerinnen untereinander haben noch ganz andere Sprüche drauf – geschenkt.

Aber dass erwachsene Menschen sich an Rand stellen, sich gezielt auf eine Spielerin einschießen mit lauten Sprüchen im Sinne von „Eh, die ist doch fertig, die kann doch gar nichts!“ und wenn diese Spielerin mich dann anfleht, sie vom Feld zu nehmen, weil sie nur noch zittert wie Espenlaub, dann ist das kein Spaß mehr. Richtig widerwärtig wird es, wenn dann die nächste Spielerin konstant ins Visier genommen wird mit Ausrufen wie „Die Lange da, die kriegt so gar keinen Aufschlag übers Netz, was macht die überhaupt auf dem Platz?“ und somit ein normalerweise emotional sehr stabiles Kind den Satz zum Erbarmen weinend zu Ende bringt. Und die Sprüche hörten und hörten nicht auf bis das Spiel zu Ende war.

Leider war ich als Spielbetreuerin da und nicht als Mutter. Als Mutter „der Langen“ war mein erster Gedanke „Ich hol den Kerl über die Absperrung und der rennt in meine Faust!“. Als Spielbetreuerin kann ich das nicht machen. Als Spielbetreuerin habe ich meine Mannschaft aufzubauen und ein gutes Vorbild zu sein. Ich kann mich nicht auf das Niveau runterlassen und tun, was mein Instinkt mir sagt. Damit ist keinem geholfen. Leider. Also habe ich nachher getröstet, drei Kinder in den Arm genommen, positive Stimmung verbreitet, mir mein Shirt durchnässen lassen und Eis gekauft. Und mich gefragt: Wie kann man so zu Kindern in einem Spiel sein, in dem es nur um ein Tunier und nichts anderes geht? Zu Kinder, die noch nicht mal 12 sind. Vor allem, wenn man ganz offensichtlich selbst Töchter hat, die auch spielen.

Faiererweise muss man sagen, dass der Trainer der gegnerischen Mannschaft nachher zu uns gekommen ist und sich bei uns und die Mädchen für seine Fans entschuldigt hat. Er hat die Kids gelobt und ihnen gesagt, dass sie sehr gut gespielt haben, was ihm von den Mädchen hoch angerechnet wurde. In nachfolgenden Spielen haben die „Fans“ sich dann übrigens zurückgehalten, nachdem wir, obwohl auch wir Erwachsenen natürlich die Entschuldigung angenommen haben (die Kinder sollen schließlich was lernen), ihm sehr deutliche Worte mit auf den Weg gegeben haben.

Nun kann man natürlich sagen, die Brut und wir sollen uns nicht so anstellen,
solche Idioten gibt es nun mal und durch sowas würden die Kinder wachsen. Das mag alles sein. Aber ich finde, sie sollten das nicht schon in dem Alter auf einem Volleyballfest so brutal lernen müssen.

Wobei…wenn ich es mir recht überlege… Die Lange, die keinen Aufschlag übers Netz bekommt, die Andere, die nichts kann und die Dritte, die so klein ist, dass man sie nicht ernstnehmen muss – die haben in ihrer Altersklasse die Silbermedaille geholt. Weit vor der Mannschaft mit den seltsamen Fans.

Wenn man es so herum sieht, dann haben die Mädchen wohl tatsächlich einiges gelernt.

Published in: on 23. Juni 2014 at 10:34  Schreibe einen Kommentar  

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