Kübelchen Eis gefällig?

Ich bin ja sehr gespalten, was diese ALS Ice Bucket Challenge angeht.

Als allererstes finde ich ja, wie ich schon mal geschrieben hatten, dass Challenges als solches inflationär gehandhabt werden, vor allem diese kurzfristigen. Früher nannte man das Mutprobe und wurde von keinem mehr über 18 gemacht. Aus gutem Grund. Heute ist es hipp, dass sich Menschen mittleren Alters öffentlich herausfordern lassen.

Gerade diese Ice Bucket Challenge ist mittlerweile ein Prestigeobjekt geworden, wenn Du nicht nominiert wurdest, dann bist Du ein Niemand. Und natürlich muss das so inzeniert werden, dass das Ganze gut zum Image passt. Horden von PR-Beratern sind gerade sehr, sehr glücklich.

Und dann empfinde ich es als fast schon obszön, wieviel Geld zusammenkommt und das ist für eine Krankheit, die global gesehen, eine verschwindent geringe Minderheit hat während kaum jemand für beispielsweise Malaria (wobei man Malaria natürlich auch gegen eine andere, x-beliebige Krankheit ersetzen kann) spendet, woran jährlich weit über eine Million Menschen sterben.

So. Das ist die eine Seite.

Die andere ist aber die, dass es die Menschen, die es angeht, einen Scheiss interessiert, wer wo an irgendeiner anderen Krankheit stirbt, weil man selbst nämlich auch jämmerlich zugrunde geht und die Pharmaindustrie keinen Bock hat, zu forschen, weil es eben nicht genug Leute betrifft. Der Gedanke hilft Dir nicht, wenn Du selbst oder ein Angehöriger betroffen ist.

Und es zeigt auch, was möglich ist – nämlich, dass nur innerhalb von einigen Tagen die halbe Menschscheit der westlichen Hemisphäre nicht nur weiß, was ALS ist sondern auch, dass man etwas gegen eine beliebige Sache tun kann, wenn man es nur interessant genug anstellt.

Wenn die Kampagne nichts anderes gezeigt hat, dann doch die, dass Menschen durch die sozialen Netzwerke eben nicht abgestumpft sind, sondern dasss hinter diesen Netzwerken eben auch nur Menschen mit Gefühlen und Mitgefühl stecken, den man dazu bewegen kann, etwas zu tun. Dass es im übrigen die Pharmaindustrie nicht wirklich gut aussehen lässt finde ich hingegen weniger schlimm. Horden von deren PR-Menschen werden sich jetzt ernsthaft was einfallen lassen müssen.

Das ist der eigentliche Erfolg dieser Ice Bucket Challenge. Und die Tatsache, dass dieses Krankheitsbild jetzt näher beleuchtet und hoffentlich bald ausgerottet wird. Denn eins ist auch klar – keinem Kind, das an Malaria stirbt ist damit geholfen, dass eine 45jährige Frau an den Folgen von ALS stirbt, weil dafür auch kein Geld da war.

Genau aus diesem Grunde, finde ich diese spezielle Challenge schon wieder gut und hoffe, dass noch einige folgen werden.

Published in: on 23. August 2014 at 07:33  Schreibe einen Kommentar  

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