Muss nur mal schnell die Welt retten

Wir leben ganz offensichtlich in einer gar schrecklichen Zeit – ISIS, Seuchen, Klimawandel, wachsender Ausländerhass, Kriege, durchdrehende Spinner in globalen Schlüsselpositionen…die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Unzählige Blogs werden nicht müde zu betonen, dass der Wind kälter wird, der Ton rauer und alles ist ganz grauenhaft. Man sollte depressiv werden, wenn man es nicht schon ist.

Aber ist das wirklich so?

Wir leben in Zeiten, in denen es Krieg gibt, ja. Aber es gab immer Krieg. Wir hier leben in einer sehr langen Zeit des Friedens und nicht nur wir, große Teile tun das. Nicht falsch verstehen, jeder Krieg ist einer zuviel. Aber uns hier persönlich geht es einfach mal gut und die wenigsten von uns müssen um ihr Leben fürchten.

Genausowenig wie wir nicht satt werden. Viel zu viele Menschen sterben auch heute noch an Hunger, jeder ist einer zu viel – aber die Zahlen sind nicht etwa steigend, sondern sinkend.

Heute fühlen sich westliche Politiker und viele Westler von Russland wieder bedroht – Leute wie ich haben damals in der Schule ausgerechnet, wie oft man die Welt mit atomaren Sprengköpfen in die Luft sprengen kann und wir waren mehr als einmal nicht wirklich weit davon entfernt.

Es gab Bhopal und Tschernobyl, das Ozonloch und DDT war noch erlaubt – alles Umweltkatastrophen und wir haben sie überlebt.

Damals war, laut vielen Pessimisten das Ende nah, aber wir leben noch. Und wir leben sehr gut.

Also ist alles schön? Nein, natürlich nicht. Aber der Unterschied zwischen damals und heute ist, dass wir durch die sehr vielfältigen Informationsmöglichkeiten viel mehr mitbekommen. Die Präsenz ist einfach eine ganz andere. Die daraus resultierenden Angst und Depression lähmt. Das hilft nicht.

Wenn wir was ändern wollen (so, wie damals eben auch was geändert wurde), dann müssen wir handeln. Das tun wir nicht, in dem wir uns in die Ecke setzen und rumjammern, wie schlimm alles ist. Aber genau das tun viel zu viele Leute im Moment. Anstatt was zu tun, schreiben sie wie schlimm die Welt ist. Das ist einfach.

Wenn ich Stammtischparolen höre, die mir nicht gefallen, dann stehe ich auf und sage was – und schreibe nicht nur nacher drüber, dass ich sie gehört habe und wie kalt Deutschland wieder wird. Wenn ich den Hunger in Südasien oder Afrika nicht ertragen kann, dann engagiere ich mich in Projekten, um zu helfen und lamentiere nicht mit meinem vollem Bauch rum. Wenn mich die Umweltkatastrophen ängstigen, dann gehe ich nicht nett zum Kaffeladen meiner Wahl um mir den zweiten Plastikbecker des Tages mit einem Latte zu kaufen und schreibe dann drüber, dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben.

Quasseln, das war schon immer so, kann jeder. Nicht nur Papier, auch die digitalen Medien sind geduldig. Worte allein ändern nichts, aber sie können im schlimmsten Fall lähmen. Zynismus hat die Welt noch nie gerettet – Engagement und positives Denken aber sehr wohl.

Jeden Tag ein bißchen. Seit jeher und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern.

Published in: on 6. Dezember 2014 at 09:39  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hmmm. Und am Rechner Petitionen unterschreiben reicht auch nicht. Mal so als Ergänzung. Man muss uns schon Sehen und Hören! Ansonsten: Unterschreib ich rückhaltlos.

  2. Danke, danke, danke, danke… Danke.

    Bei jeder Gelegenheit weise ich darauf hin, dass die Welt messbar und sichtbar besser wird und wir schlicht einfach mehr über die (weniger werdenden) Schlechtigkeiten wissen – und ernte fassungslose Blicke bis wütende, faktenignorierende Ablehnung.
    Und dabei ist es so: Die Situation ist OK. Ein paar Sachen werden immer noch im viel zu großen Maßstab verkackt (Umwelt, Gerechtigkeit, Gesundheit), aber insgesamt geht es allen besser und besser. Um die notwendigen weiteren Verbesserungen müssen wir uns kümmern, und tatsächlich kann jeder Einzelne einen Unterschied machen, jeden Tag.


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