Wenn eine Halle das Universum wäre

Ich bin ja eine bekennende Soccer-Mom. Wenn meine Kinder ein Spiel oder ein Tunier haben, dann sind entweder der Autor oder ich da. Teilweise fahren wir bis zu zwei Stunden zu den Tunieren. Die Kinder ihrerseits verlassen sogar Sonntagsmorgens um acht Geburtstags-Pyjama-Parties, damit sie spielen können. Eigenständig und auf Zehenspitzen, um nur ja niemanden zu wecken.

Und es war bei einer solchen Gelegenheit, bei der mir gesagt wurde, dass es zwar irre selbstständig und tough sei, wie das Kind so freiwillig aufstehen würde, aber man selbst ja doch froh sei, dass das eigene Kind keinen Sport oder sowas mache. Am Wochenende so früh raus und dann die ganze Zeit verplempern…ach nööööö.

Nun könnte man ja antworten, dass es aber wichtig für ein Kind sei, für das Selbstbewußtsein und Bewegung und so. Auch, dass die Eltern dabei sind und Interesse zeigen an dem, was die Brut macht ist bis zu einem bestimmten Alter eminient. Aber wenn ich ehrlich bin, ganz so eigennützig bin ich denn auch nicht.

Ich finde es spannend, dass man Menschen, kennenlernt, die in ganz anderen Umlaufbahnen kreisen, als man selbst. Klar, man kann sich hinstellen und das alles doof finden, weil es andere Gesprächsthemen sind, die man sonst so gewohnt ist. Der einzige Verbindungspunkt ist ja, dass die Kinder zufällig in einer Mannschaft spielen und sonst erstmal nichts.

Aber gerade das finde ich so spannend. Ich meine, früher, vor den Kinder, als ich noch studiert habe bzw. in der Lehre war habe ich ständig Menschen kennengelernt, die aus allen Schichten kamen und auch da hatte man meist nur einen Berührungspunkt. Manchmal hat sich mehr draus ergeben, manchmal nicht. Es haben sich Freundschaften entwickelt oder man war sich egal. Und genau so ist es jetzt auch.

Mittlerweile hat es sich sogar so entwickelt, dass sich einige Eltern von uns freiwillig ausserhalb einer irgendwie gearteten Halle oder eines Platzes treffen, man soll es nicht meinen. Einfach, weil man festgestellt hat, dass die unterschiedlichen Umlaufbahnen sich immer mal wieder kreuzen. Und weil, man soll es nicht glauben, tatsächlich noch andere Themen hat, als die spielenden Kinder.

Wenn man es denn nur zulässt.

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Published in: on 29. Januar 2015 at 19:35  Schreibe einen Kommentar  

Der Moment

in dem Dein 8jähriger auf die Aussage

„Iss mal bitte Deine Pommes auf, die werden kalt!“ mit vernichtendem Blick auf die Kartoffelstäbchen antwortet

„Ach Mama, kann ich nicht lieber noch eine Bowl of salad bekommen?“

Tschakka.

Published in: on 24. Januar 2015 at 15:47  Comments (1)  

Tugenden, die Kinder lehren

Ich bin gestern von einer werdenden Mutter gefragt worden, ob und wie mich meine Kinder verändert haben.

Ehm….

Wenn jemand in der Lage ist, Kinder zu bekommen und sich absolut nicht zu verändern, dann fände ich das sehr, sehr bedenklich. Auch wenn ultracoole Menschen beiderlei Geschlechts meinen, man könne mal eben so ein Kind rausploppen und das war es dann – nein. Sicher mag es Ausnahmen geben, aber das Gros wird zu einem irgendwie gearteten Muttertier – und das manifestiert sich jetzt nicht in Schlabberlook und rausgewachsenen Strähnen.

Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Ich habe mich nämlich gefragt, welche Eigenschaft es gibt, die ich durch die Kinder gewonnen habe – also neben Leidensfähigkeit, Konsequenz und der Fähigkeit, irgendwie immer zu funktioneren. In meinem Fall ist es die Geduld.

Ich war immer ein extrem ungeduldiger Mensch, Dinge mußten *jetzt* passieren. Ich war eine derjenigen, die auf die Einstellungsfrage „Was ist ihre größte Schwäche?“ nicht aus Koketterie mit „Ich bin manchmal etwas ungeduldig“ geantwortet hat. Im Gegenteil, ich fühlte mich schuldig, weil ich gelogen hatte. Ich bin nicht manchmal ungeduldig gewesen – ich war es immer und ständig mit dauerndem Kundtun dieses Zustandes. Die paar Menschen, die mich noch von damals kennen werden dass mit an headbanging erinnerndem Kopfnicken bestätigen.

Das habe ich mir heute wieder ins Gedächnis gerufen, als ich zum gefühlten 56ten Male mit meinen Schülern über bestimmte Phrasen ging. Früher wäre ich beim dritten Mal ausgetickt. Spätestens. Heute ist mir das egal, erkläre ich es eben zum 57ten Mal. Na und? Irgendwann wird das schon.

So, wie irgendwann auch Socken alleine angezogen wurden. Die Gabel allein unfallfrei ins Mündchen geführt oder sich daran erinnert wurde, wozu eine Toilette doch gut sein könnte.

Sicher, es gibt immer Momente, da wird es dann auch mal zuviel – aber die kommen nur noch einen Bruchteil so häufig vor wie damals. Deswegen verläuft mein Leben auch wesentlich entspannter als damals, als ich mich leider dauernd aufregen mußte, weil der Rest der Welt nicht so wollte, wie ich. Und vor allem nicht so schnell wie ich.

So, und jetzt muss ich hoch und der Brut völlig ruhig und entspannt erklären, das sie jetzt bitte das Kichern aufhören und schlafen sollen. Zum dritten Mal heute. Die Tatsache, dass mein Ton dabei nicht mehr ganz so freundlich ist, hat nichts mit einer etwaigen Ungeduld zu tun sondern lediglich mit der fortgeschrittenen Stunde.

Ganz bestimmt. Wirklich.

Published in: on 19. Januar 2015 at 21:24  Schreibe einen Kommentar  

12 von 12 im Januar 2015

So, hier wieder der Blick in mein Schlüsselloch. Mehr wie immer bei Caro

Published in: on 12. Januar 2015 at 21:35  Schreibe einen Kommentar  

Über die Angst

Darf man angesichts des letzten Terroranschlages in Frankreich wirklich zugeben, dass man Angst hat? Oder sollte man es einfach runterschlucken? Keine Ahnung, ich hab ja noch nie getan, was man darf, also sage ich es: Ich habe Angst.

Aber nicht davor, dass mich ein Terroranschlag einiger einzelner kaltblütiger Killer ohne jegliches Gewissen trifft. Ich bin in den 70ern und 80ern der alten Bundesrepublik groß geworden. Wir hatten nicht nur den Kalten Krieg als reale Bedrohung, wir hatten die RAF und die war genauso eine Gefahr wie jetzt die ISIS oder radikalisierte Islamisten. Nein, das macht mich nur unglaublich wütend und zornig, dass sie es wagen im Namen eines Gottes zu morden, dessen Namen sie damit mehr schänden als jede Karikatur es könnte.

Nein, Angst machen mir die Reaktionen, die da kommen werden. Dass sich die rechten Kräfte dieser Welt wieder aufs Weiße-Herrenross setzen und ihr schwarz-weißes Denken nicht nur rechtfertigen sondern durchsetzen wollen.

Dass meine Kinder nicht mehr in einer Welt aufwachsen können, die offen für alles ist, was die Menschheit zu bieten hat. Dass ihre Welt auf die Werte eingeschränkt wird, die AfD und Pegida für abendländisch christlich halten. Sollten sie dagegen aufbegehren, werden sie in ernsthafte Schwierigkeiten kommen.

Dass meine Religion durch die immer wieder genannten „christlichen Werte des Abendlandes“ in den Dreck gezogen wird von Menschen, die zu einem guten Teil noch nicht mal getauft sind, sich aber anmaßen sie „zu verteidigen“. Sie dabei aber leider fehlinterpretieren, weil das gerade so schön praktisch ist. Womit sie sich immer ein Stückchen mehr den Schlächtern von Paris annähern.

Aber am meisten habe ich vor der Masse Angst. Menschenmassen brauchen nur ein oder zwei rhetorisch gut geschulte Führer, die so geschickt aufputschen können, dass eine Masse zum unkontrollierten Mob wird. Leider wird es so, dass die Pegida-Anhänger jetzt nicht weniger werden, weil deren Einpeitscher ja nun nicht doof sind und schamlos mit den Ängsten derjenigen Menschen spielen werden, die eben nicht an harten Fakten sondern eher an Emotionen interessiert sind und von Letzteren leiten lassen.

Ich habe Angst, dass mein Leben noch mehr überwacht wird. Dass jetzt die langfristige Vorratsdatenspeicherung durch ist. Alles unter dem Deckmantel unserer Sicherheit – in einer Welt, die meßbar wesentlich sicherer ist als noch in den 80er Jahren.

Ich habe Angst, dass zuviele Menschen Angst haben. Dass sie keine offenen Konfrontationen mehr eingehen, weil sie die Konsequenzen fürchten, wenn sie sich offen gegen Pegida und AfD stellen.

Aber ich weiss auch, dass Angst lähmt. Angst macht stumm und denjenigen ein leichtes Spiel, die diese für ihre Zwecke ausnutzen. Genau deswegen ist es so wichtig, ganz klar Nein zu Terror und zu Fremdenhass zu sagen. Denn die beiden bedingen einander vielleicht nicht – sie begünstigen sich aber sehr. Je mehr wir beides entlarven und je mehr wir gegen beides aufstehen, desto größer ist unsere Chance, Pest und Cholera im Zaum zu halten. Da glaube ich ganz fest dran.

Deswegen werde ich meine Angst runterschlucken und gegen Terrorismus *und* Fremdenhass in diesem Land Flagge zeigen. Denn das hier ist mein Land. Und in meinem Land hat weder Terror noch Fremdenfeindlichkeit Platz.

Published in: on 8. Januar 2015 at 08:41  Comments (28)  

Spass mit Randgruppen

Es ist ja was an mir vorbeigegangen in den letzten zwei Jahrzehnten. Erstaunlich, was passiert wenn man keine Zeit mehr hat, selbst auf jeder Demo gleich vorne und mittenmang dabei zu sein.

Zur Erklärung, ich war ja damals mehr so die linke, rote Kampfemanze und die lila Latzhose hatte ich nur deswegen nicht an, weil ich bei aller Radikalität gewisse Mindestanforderungen an den Stil nicht verloren hatte – also immer im Rahmen der 80er gesehen. Außerdem war ich natürlich Anitfa minus deren, eh, nennen wir es eigenwilligen Öko-Idon´tcare crossovers. Was ich damit sagen will – da wo ich herkomme, gibt es eine bewegte politische und gesellschaftliche Vergangenheit, die ich durchaus und gerne verbalisiert habe.

Durch das, was gemeinhin alltägliches Leben genannt wird, wurden diese Aktivitäten ziemlich runtergerfahren. Letztes Jahr gab es dann bekanntlich wieder ein Aufflackern – aber sonst war eher Stille. Daher bemerke ich erst jetzt, wie sich Dinge verändert haben. Nicht, dass es neu oder anders wäre, dass rechte Gruppierungen, Ängste vor allem was anders ist zu schüren – das hatten wir immer schon und das wird wohl auch immer so bleiben.

Nein, aber die Art, wie damit umgegangen wird, ist eine andere geworden. Früher, zu meiner aktiven Faschos raus-Zeit, da wurde mit tiefsten Ernst über die rechte Gefahr diskutiert. Schwarze Trauer mischte sich mit rasender Wut und eine gedrückte Stimmung lag über allem.

Heute wird diese Gefahr immer noch ernst genommen, aber es wird ihr anders begegnet. Statt gedrückter Wut werden die Gesellen der Pegida und der Afd der Lächerlichkeit preisgegeben. #Schneegida war eine der genialsten Dinge, die dieses Jahr durch das Netz gegangen sind. Die von mir bis dato geschmähte „Wochenshow“ baute eine Weihnachtsgeschichte nach Pegida, die so derart böse war, dass ich mich fragte, was die Oberen des Öffentlich-Rechtlichen zu sich genommen hatten, das sie das Ding zugelassen haben – und ob ich davon auch was ordern kann. Doch nicht nur das, dieses vorsichtige „Jaaaaa, aber wir müssen die Ängste doch ernst nehmen“ wird mehr und mehr abgelöst durch eine herzhaftes „Einen Scheiß müssen wir!“- sogar der Kölner Dom, ein echtes Zeichen des christlichen Abendlandes wird verdunkelt, wenn die Träger des braunen Gedankengutes  daher kommen, um im Schatten einer der bekanntesten deutschen Kirchen ihre Gesinnung kundtun zu wollen. Die Demonstranten werden nicht nur öffentlich als das entlarvt, was sie sind – verkappte Nazis – sie werden auch (und das ist tatsächlich neu) auf breiter Ebene als solches bezeichnet.

Nun finde ich nicht, dass die unfassbar dämlichen, weil dummen Montagsdemos zu verhamlosen sind. Aber wo immer es Verlierer in einer Gesellschaft gibt, wird es immer auch Fremdenhass geben. Denn die wenigsten suchen die Schuld für ihre Misere bei sich, sondern gucken sich der Einfachheit halber gerne mal den vermeintlich Schwächeren aus. Wie gesagt, das ist nichts Neues und solche, der Selbstreflektion unfähigen Menschen wird es immer geben. Nur finde ich ehrlich gesagt die heutige Methode ihnen zu begegnen, den Spiegel vorzuhalten, ihnen zu zeigen, dass sie es eigentlich nicht wert sind, gehört zu werden und ihre Aktionen lediglich zur Belustigung der restlichen Republik taugen  wesentlich effektiver.

Das hätten die Erfinder der Spassgesellschaft so wohl auch nicht erwartet.

Published in: on 2. Januar 2015 at 08:46  Comments (2)