Creeps auf Tour

Kind Nummer Eins und ich waren am Samstag beim Halbfinale der Championsleague der Volleyballer – zwei tolle Spiele, gigantische Stimmung und ein wunderbares Erlebnis.

Mit einem Wermutstropfen. Wir hatten, weil ich leider spät, aber nicht spät genug für die Zusatztribüne dran war, nur Stehplätze ergattert. An sich nicht schlimm, wir waren früh genug da, sicherten uns einen guten Platz und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Kurz vor dem ersten Anpfiff stellte sich genau hinter uns ein Mann auf, der – nun, nicht so sehr vertrauenswürdig aussah. Er hatte diesen Habitus, der darauf hindeutete, dass er mit Sicherheit in einer psychischen Verfassung war, die Hilfe benötigte. Oder anders ausgedrückt: He gave us the creeps.

Es war genug Platz, dass man nicht in zweiter Reihe stehen mußte, er aber blieb wie festgewurzelt genau hinter uns. Nicht nah genug uns zu berühren, aber doch so nah um in dem zu stehen, was die Amerikaner „personal space“ nennen. Stand da die ganze Zeit und starrte uns an. Er hat kaum auf das Spiel geachtet, kam noch ein Stück näher, auf meinen Blick nach hinten, wich er wieder ein paar Zentimeter nach hinten und starrte uns weiter unter seiner Mütze intensiv an.

Frage: Was macht man da? Ich konnte ja schlecht einen Ordner holen und sagen „Der Mann da starrt uns an.“ Ansprechen, da bin ich ehrlich, konnte ich ihn auch nicht, da war was in diesem Blick, vor dem ich wirklich Angst hatte. Weg konnten wir auch nicht, da irgendwann alle Plätze besetzt waren und wir nichts mehr gesehen hätten. Letztendlich hat meine Tochter trotz meiner Versicherung, dass der Typ bestimmt ganz harmlos ist, es nicht mehr ausgehalten. Sie ist dann im dritten Satz zu einem Bekannten mit Sitzplatz gegangen und hat ihm vergegauckelt, sie können nicht mehr stehen. Der hat dann mit ihr getauscht für den Rest des Spiels, was den Creep zumindest dazu veranlasste zwei Meter zurück zu treten und von da aus nur noch mich anstarrte. Für das zweite Spiel konnten wir dann den Platz wechseln.

Ich weiss ja, ich sollte mehr Verständnis für Menschem mit offensichtlich psychischen Problemen aufbringen. Natürlich weiss meine Ratio auch, dass mir (und vor allem meinem Kind) bei so einer Veranstaltung nichts passieren kann. Aber wenn man solchen Blicken konstant ausgesetzt ist, das im Normalfall nicht zur Panik neigende Kind neben einem immer unruhiger wird und man so gar nicht mehr das Ereignis genießen kann, dann ist das mehr als nur nerven. Und nein, ich finde nicht, dass wir uns damit abfinden müssen, dass uns jemand regelrecht Angst macht. Nur – was tut man in einem solchen Moment anderes, als selbst zu gehen?

Es sagt einiges, dass wir uns im Block der Spielgegner im Endeffekt wesentlich sicherer gefühlt haben als in unserem eigenen. Sehr schade.

Published in: on 30. März 2015 at 06:48  Schreibe einen Kommentar  

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