Wenn Besonderes zum Alltag wird

Eltern sind ja eine seltsame Spezies. Normalerweise vernunftbegabte Menschen mit einem gesunden Realitätssinn und Weltbild mutieren zu Wesen mit Scheuklappen, wenn es um ihr Kind geht.

Wieviele Kinder nichts, aber auch gar nichts dafür können, vollkommen ungerecht von nichtsnutzigen, völlig inkompenten Pädagogen gemaßregelt zu werden ist unfaßbar. Und noch unfaßbarer ist es, dass die gleichen Pädagogen nicht sehen, wie verzogen, schrecklich und gewalttätig die anderen Kinder doch sind und das eigene Kind hat geschützt zu werden. Und erst die Eltern dieser anderen Brut – die glauben doch tatsächlich, ihre Kinder könnten gar nichts dafür, diese realitätsfernen Gestalten.

Aber vor allem geht es darum, dass das eigene Kind „besonders“ ist. Ich schwöre, der nächste, der mir erklärt, sein Kind könne ja nichts für seine Probleme, weil es ein „besonderes Kind“ sei, den lache ich offen aus. Gleich, nachdem ich einen mittleren Schreikrampf für den Hausgebrauch bekommen habe. Einfach, weil es keine besonders besonderen Kinder gibt. Denn jedes einzelne Kind auf dieser Welt ist „besonders“. Völlig egal, ob es einen IQ von 130 oder einen von 75 hat. Egal ob es behindert oder das fleischgewordenes Musterbeispiel von gesellschaftlich favorisiertem Nachwuchs ist. Ob  ADHS oder die Konzentration selbst. Es ist schnurz. Jedes Kind ist einzigartig und hat als solches gesehen und behandelt zu werden. Rumzurennen und zu behaupten

„Mein Kind ist besonders!“ und zu erwarten, dass alle Welt vor lauter Ehrfurcht ob des Wunders der Evolution erstarrt, würdigt den Rest herab und ist damit unfaßbar respektlos den anderen Kindern und Eltern gegenüber. Es impliziert immer, dass das eigene Kind nach anderen Maßstäben und damit bitte besser behandelt zu werden hat, als andere Kinder, die sich bitteschön dessen bewußt zu sein haben. Ach so, und besondere Kinder sind übrigens nie schuld.

Newsflash: Wir sind hier nicht bei Orwell. Kein Kind verdient mehr Respekt als das andere.  Wahr ist, dass jedes Kind anders ist, es gibt nicht die Allheilmethode, jedes Kind muss als Individuum gesehen werden, mit all seinen Stärken und eben auch Fehlern. Es muß gefördert werden, so wie es seinen ureigensten Bedürfnissen im Guten wie im nicht ganz so Guten entspricht. Das Herauszufinden ist nicht einfach, es kann schmerzhaft aber auch   sehr erhellend sein. Mit Glück hört man dann auf, die Fehler ständig bei den anderen zu suchen. Das wäre doch mal ein Fortschritt.

Auch wenn wir tief in unserem Inneren natürlich trotzdem wissen, dass die wunderbarsten und besten Kinder immer noch die eigenen sind. Logisch.

 

 

Published in: on 15. April 2016 at 08:22  Comments (1)  

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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Danke ! den mittleren Schreikrampf für den Hausgebrauch leih ich mir dann auch mal aus…. DU.HAST.SO.RECHT.
    lg,
    Susa


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