Wenn man nicht mehr „Nein“ sagen kann – Teil 2

Wir hatten doch mal die Diskussion darüber, wie kurz Miniröcke bei Mädchen sein dürfen, ohne dass sie in den Verdacht kommen, ihre Vergewaltigung selbst provoziert zu haben. Wie immer, wenn man denkt, es geht nicht mehr weiter runter, kommt das Leben in einer seiner seltsamen Formen daher und knallt noch einen drauf.

Beispiel Brock Turner, der eine bewußtlose Frau vergewaltigt und der gerade mal 6 Monate dafür bekommt.Weil er ein toller Schwimmer ist und 20 Minuten „of action“ (da weiss ich noch nicht mal, wie ich sowas übersetzten soll) zwar gerne das Leben seines Opfers maßgeblich zerstören darf, aber doch bitte nicht sein eigenes, wo kommen wir denn da hin. Was betrinkt die Frau sich auch, selbst schuld. Wie, ach, der Vergewaltiger hatte auch getrunken?  Nun ja, dann wußte er ja gar nicht, was er tat, der arme Kerl. Und zu dem Brief des Vaters kann ich als Mutter eines Sohnes sowie einer Tochter schlicht nur sprachlos das Gesicht in den Händen verbergen. Wie unfassbar ignorant kann man als Elternteil eigentlich sein?

Beispiel Gina-Lisa Lohfink von der ein Video existiert, in dem es zum Geschlechtsverkehr kommt und sie sichtlich benommen „Hör auf“ sagt und dieses Hör auf nicht nur zum Abbruch der sexuellen Handlung führt, sondern nun auch richterlich feststeht, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung handelt, wenn einer der Beteiligten sicht- und hörbar dokumentiert nicht mehr will.

Ich hätte ja nie gedacht, dass man in unserem Jahrhundert in unserer Gesellschaft das Offensichtliche feststellen muß: Sex mit Menschen, die nicht oder nicht mehr einwilligen – aus welchen Gründen auch immer – ist kein Sex sondern eine Vergewaltigung und die ist strafbar. Ohne jegliche Ausnahme.

Dabei ist es völlig egal, was das Opfer trägt, wieviel es getrunken hat, was es von Beruf ist, ob es schon mal zu einem anderen Zeitpunkt bei einer völlig anderen Gelegenheit eingewilligt hat oder welches Geschlecht das Opfer hat.

Man stelle sich den berechtigten Aufschrei in beiden Fällen vor, wenn die Opfer Männer wären und anal von einem anderen Menschen (nein, ich weigere mich hier explizit nur auf Männer als Täter zu verweisen, selbst wenn sie die überwältigende Mehrheit sein mögen) mißbraucht werden würden. Ich wette, niemand würde auf die Idee kommen und erklären, die Jungs hätten einfach mal nicht soviel saufen sollen und nicht so enge Jeans anhaben sollen, dann wäre das schon nicht passiert.

Sicherlich kann man die Diskussion führen, ob man daran arbeiten sollte, dass Menschen vorher darüber nachdenken, soviel zu trinken, dass sie einen Kontrollverlust erleiden. Ohne Frage. Nur ist das ein völlig anderer Schnack. Es ist ein komplett anderes Problem. Das Problem des überhöhten Alkoholkonsums ist nicht der Grund für Vergewaltigungen. Der Grund für Vergewaltigungen sind Täter, die ihre Macht an wehrlosen Opfern ausleben möchten. Sie würden ja nicht aufhören, wenn plötzlich keiner mehr trinken würde. K.O.-Tropfen funktionieren auch in Softdrinks.

Wenn jetzt also mal endlich mal aufgehört werden könnte, Energie darauf zu verschwenden, was denn die Schuld des Opfers sein könnte bei einer Vergewaltigung und wir uns der echten Prävention zuwenden könnten wäre wesentlich mehr gewonnen.

 

Published in: on 10. Juni 2016 at 08:39  Schreibe einen Kommentar  

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