I wanna be dirty

Es ist nicht, dass ich es nicht versuche. Jetzt wirklich mal. Ich versuche ja auf den einen oder anderen Zug im Ernährungsbereich aufzuspringen. Ehrlich. Aber *hilflosdieArmeindieLuftwerf* wenn die doch bei näherer Betrachtung sich selbst so disqualifizieren – was soll ich denn tun?

Mein jüngstes Beispiel ist Clean Eating – Neudeutsch für Gesunde Vollwertkost angereichert mit der Regel, nichts zu essen/kaufen was mehr als fünf Inhaltsstoffe hat oder deren Zutatenliste man nicht aussprechen kann. Sowas in der Art hab ich früher schon mal gemacht, fand das wunderbar, wollte es wieder aufleben lassen und auch endlich mal hip sein. Bis ich mich dann ein wenig weiter eingelesen habe.

Da kamen so Sachen wie „Die ungesündesten Snacks für Kinder“ – gut, mit denen konnte ich noch mit gehen, die meisten sind reine Zuckerbomben. Gleich gefolgt von „Probieren sie doch diese tollen cleanen Snacks aus“ – die sich nun für wirklich alles eignen, aber nicht für Kinder unterwegs. Da geht eigentlich nur Obst, was an sich auch nicht schlecht ist, aber wer einmal mit zwei Kindern über eine Strecke von fünf Stunden im Wagen unterwegs ist, nur Obst und Gemüse für zwischendurch zu bieten hat und nicht ab spätestens Kilometer 246 komplett mit den Nerven runter ist, der hat das Gemüt eines Buddahs im Lotusblütenfeld. Auf Deutsch – komplett wirklichkeitsfremd und sehr unpraktikabel.

Aber gut, man ist ja nicht immer unterwegs, schauen wir mal weiter. Wenn mich der Hunger auf einen Apfelkuchen übermannt, dann soll ich mir bitte doch einen Teller Obst machen, der ist doch auch lecker. Mal abgesehen davon, dass zumindest ich das so nicht kompensieren kann und mir mindestens einen Apple-Crumble machen würde verstehe ich es auch nicht wirklich. Was genau so ist schlimm daran, einen Apfelkuchen zu backen, dass man ihn als reine Ausnahme sehen muß? Ja, der hat mehr als 5 Zutaten, aber es sind meine Zutaten, deren Qualität ich selbst bestimme. Soweit ich das verstanden habe, ist es die Verarbeitung und das Erhitzen an sich, was böse ist. Somit ist eine Banane, die unreif gepflückt wurde und sodann einen sehr weiten Weg unter nicht immer ganz geklärten Umständen zurückgelegt hat, nach Clean Eating also besser, als ein Apfel aus dem Garten, der zu einem Kuchen verarbeitet wird. Hm. Okeeee.

Wo sie mich dann total verloren, war beim Thema Detoxen, welches viele Clean Eating Food Seiten als total wichtig ansehen. Hier noch mal zum Mitschreiben: Ich habe wunderbar funktonierende Nieren und eine gesunde Leber, die irgendwelche Giftstoffe aus meinem Körper entfernen. Ganz von allein. Die brauchen noch nicht mal Hilfe. Wenn es Giftstoffe in meinem Körper geben sollte, die diese Organe nicht hinaus befördern können, dann habe ich ganz andere Probleme und sollte mich schnellstmöglich in die Hände kompetenter Toxologen begeben. Ach, wo wir gerade dabei sind: Ich hatte seit Jahren keine langen Antibiotikagaben mehr, mein Darm muss also weder aufgebaut noch grundsaniert werden, vielen Dank. Sollten meine Kinder übrigens beim Clean Eating zusätzlichen Probiotika brauchen, wie die Anzeige in diesem Clean Eating Text vermuten läßt, dann möchte ich das Ganze, glaube ich, nicht der Brut zumuten. Oder meinem Geldbeutel.

Also wieder nichts. Tsk. Ich werde auch weiterhin mein Wasser mit Holunderblütensirup versetzen, den die Nachbarin aus Holunderblüten und (ogottogott) weißem Zucker gekocht und mit Citronensäure versetzt hat anstatt in selbiges Wasser nur eine Dolde in rohem Zustand zu tunken.

Und ich bilde mir immer noch ein, mich gesund zu ernähren, ich unhippes Ding, ich.

Published in: on 5. Juli 2016 at 10:43  Schreibe einen Kommentar  

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