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Das Kreuz des Anstosses

Die CSU hat nun also durchgesetzt, dass in Bayern an öffentlichen Gebäuden und in eben solchen Einrichtungen Kreuze zu hängen haben. Als „Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“. Das nenne ich mal eine interessante Verfremdung  einer Bedeutung.  Man weiß ja nicht so richtig, wo man anfangen soll, auf so vielen Ebenen ist das falsch.

Das Wichtigste: Das Kreuz ist kein Ausdruck einer geschichtlichen oder kulturellen Prägung Bayerns – es ist ein religiöses Zeichen. Wenn man es ganz genau nimmt, dann ist das Kreuz nichts anderes als ein Tötungsinstrumentes aus alter Zeit. Sowas wie eine Guillotine oder ein Pfahl. Das Kreuz wurde erst durch das Christentum zu einem Symbol einer Religion – worüber sich wahrscheinlich die wenigsten Menschen Gedanken machen, wenn sie sich eines um den Hals, in die Ohren hängen oder es sich wahlweise in die Haut stechen lassen. Wenn man also ganz bewusst das Wort „religiös“ aus der Verordnung raus genommen hat, so nimmt man in Kauf, dass man ein Tötungsinstrument in ein Justizgebäude hängt. Quasi als Warnung. Auch ein Zeichen.

Da es sich dem Wortlaut nach bei der CSU um die „Christlich-Soziale Union“ handelt, sollte man meinen, dass sie die Bedeutung kennt. Gut, die Religion musste man aus der Verordnung rauslassen, weil das Grundgesetz ja sowas Unpraktisches wie die Trennung von Kirche und Staat vorsieht, da muss man schon ein wenig geschickt sein, damit die erste Verfassungsklage nicht schon ins Haus flattert, bevor die Druckerschwärze der Verordnung überhaupt trocken ist. Was nicht hilft, ich gehe davon aus, dass die ersten Klagen eingereicht sind.

Die Frage, die für mich hinter dem Ganzen steht, ist aber: Warum? Warum hat eine Partei so etwas erlassen, die doch eigentlich die Hintergründe besser als alle anderen kennen müsste. Der Gründe werden viele genannt, aber der Hauptgrund ist wohl, dass im September Wahlen sind und man so hofft, der AfD Stimmen abzujagen.

Bäm.

Genau das ist der Punkt, an dem ich als gläubige Christin ausrasten könnte. Das Symbol meines Glaubens wird als Wahlargument (wenn man es denn so nennen möchte) missbraucht.  Es soll Stimmen generieren. Weil sie sonst der AfD nichts entgegen zu setze haben. Weil sie Angst um ihre Macht haben. Was weiß ich, ich habe keine Ahnung. Ich weiß aber sehr wohl, dass Kreuz und Kirche von der Bedeutung her nicht nur für Christen zusammengehört, sondern das auch die restliche Bevölkerung so sieht (kulturelle Prägung und so). Daher hauen jetzt wieder eine Menge Leute auf die Kirche ein, die ja durchgesetzt hat, dass jetzt überall Kreuze hängen, ich selbst bin schon einige Male darauf angesprochen worden, ob wir unsere Murmeln jetzt komplett verloren haben. Die Hälfte des Fall-Outs bekommen damit nicht die Verantwortlichen ab, sondern wir.

Vor allem, weil führende Vertreter der beiden Amtskirchen damit nicht nur nichts zu tun haben oder auch nur zu tun haben wollen, sondern die Aufhängung für sehr kontraproduktiv halten, was ein friedliches Miteinander aller Menschen (religiösen, egal welcher Couleur, und nicht religiösen) angeht. Eine Meinung, der ich mich anschließe.

Aber wer fragt mich schon? Ich muss ja nur zusammen mit etwas über 55 Millionen Menschen in Deutschland ausbaden, was ein paar alte Männer in Bayern aus Angst vor Machtverlust verzapft haben. Danke dafür.

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