Life

Eine Bildungsreise durch Radio-Deutschland

Als Journalisten-Gattin neige ich ja eigentlich dazu, die Ehre dieser Berufsgruppe hoch zuhalten und nicht auf die Generalverurteilung namens „die Medien“ einzugehen. Das hat was ähnlich Konkretes wie „die Gesellschaft“ und ist für mich nur so mittel hilfreich.

Allerdings kam ich nicht umhin gestern auf dem Weg aus der alten Heimat ein sehr eindrucksvolles Bild davon zu gewinnen, welch unterschiedliche Auffassung Radio-Stationen von umfassender Nachrichtenverkündigung  haben. Es ging um den Bericht des Verfassungsschutzes, den Seehofer vorstellte. Vier Radiostationen stellte sich folgendes Bild dar:

WDR2 machte, wie die meisten Medien damit auf, dass wir knapp 800 muslimische Gefährder haben und spielte Seehofer im O-Ton ein, der recht lang darüber Auskunft gab, was mit diesen Terroristen geschehen sollte, damit sie keinen Schaden anrichten können. Danach wurden 18.000 Reichsbürger erwähnt, ohne O-Ton, die diesen Staat nicht anerkennen. Und zu Schluß wurde auf 30.000 linksextremistische Taten hingewiesen, von denen allerdings die Hälfte beim G20-Gipfel in Hamburg passiert sind letztes Jahr.

NDR2 sah es ähnlich.

MDR-Jump hingegen hat die Reichsbürger komplett weg gelassen, weil 18.000 ja bei 800 kaum ins Gewicht fallen und nur die 800 muslimischen Gefährder erwähnt, das dafür aber weiterhin im langen O-Ton von Seehofer. Linke gibt es im MDR Universum anscheinend nicht.

Radio1 hingegen befand als erstes, dass es insgesamt 80.000 Extremisten in Deutschland gibt und schlüsselte dann nach den drei größten Gruppen auf,  vergaß aber leider den G20 Gipfel als Grund für den Anstieg des Linksextremismus bzw. deren Taten zu erwähnen.

Dass die rechtsextremen Straftaten zwar zurückgegangen sind, die linksextremen aber immer noch weit unter denen der rechten liegen war irgendwie niemandem eine Erwähnung wert.

Wohlgemerkt, das waren alles öffentlich-rechtliche Sender. Nun bin ich nicht der Meinung, dass alle diese Sender gleichgeschaltet sein müssen, ganz im Gegenteil. Ich bin auch nicht der Meinung, dass sie abgeschafft gehören, ganz bestimmt nicht, das ist keine Alternative. Aber es wäre schon schön, wenn alle Menschen in Deutschland wenigstens die gleichen grundsätzlichen Fakten bekommen würden, finde ich.

Wirklich, das war gestern ein sehr interessantes Lehrstück zum Thema, wer in welchen Landesteilen welche Infos bekommt – und da waren Bayern und Baden-Würtemberg noch gar nicht dabei.

Ich bin dann mal den Verfassungsbericht lesen – da sich die Printmedien gerade auch nicht mit Ruhm bekleckern, scheint das einzig Sinnvolle zu sein, sich mit der Quelle selbst zu beschäftigen. Man hat ja sonst nichts zu tun.

 

 

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