die nur ein Kind kann

Die große Welt der Zahlen in einem fünfjährigen Universum

Ich bin gestern mit meinem Sohn zu Fuß in den Kindergarten gegangen, weil sein Fahrrad aufgrund einer Planänderung am Tag davor noch ebenda stand. Mein Sohn findet laufen langweilig, deswegen fing er an zu zählen. Eins, zwei, drei…bis Hundert. Und zwar erstaunlich vollständig. Lediglich die 16, die 17 und die 88 fehlten.

„Sag mal, wo hast Du denn bis 100 zählen gelernt?“ Mutter war mehr als erstaunt.

„Na, beim Schäfchen zählen. Du hast doch gesagt, ich soll Schäfchen zählen.“ Ja, schon, aber gleich bis 100?

„Ach, sind die gesprungen oder gelaufen?“ Details, mein Sohn, Details.

„Ne, die haben gestanden, sonst gibt das so ein Durcheinander.“ Mein Sohn, der Ordnungsfreak. Man lernt immer mal dazu.

„Ah, ok. Das war dann aber eine große Herde.“ Jedenfalls für so ein kleines Kinderhirn.

„Naja, ich glaub, ich hab manche doppelt gezählt!“ Ah, ach so. Na dann.

„Und was hast Du gemacht, wenn Du bei 100 angekommen bist?“ Denn das Zahlenkonzept über 100 hat er sichtlich noch nicht verinnerlicht.

„Ach, bevor ich da von vorne anfange, da schlaf ich dann lieber ein. Wird dann ja auch langweilig!“ Genau. Da ist schlafen doch viel spannender.

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Denn nichts ist so einfach, wie es scheint

Kennt jemand die Geschichte von den Kindern aus Bullerbü? Die, in der die beiden Mädchen einkaufen gehen sollen und ständig was vergessen? Nur weil die Geschichten von Astrid Lindgren aus einem anderen Jahrtausend stammen, heißt das nicht, dass meine Tochter das nicht auch kann.

Sie hatte nämlich eine Freundin über Nacht da und beide verkündeten lauthals, sie würden Sonntagmorgens Brötchen holen gehen. Also gab ich Ihnen Geld und einen Zettel mit den verschiedenen Brötchen mit, die sie holen sollten. Fröhlich pfeiffend zogen sie denn auch los.

Und kamen 15 Minuten später zurück. Mit ihren Brötchen. Ohne meine, die vom Autor oder die von Kind Nummer Zwei.

„Mama, Du hast uns keinen Zettel….oh, ist das der da? Da in der Tüte? Ups! Wir….eh….gehen dann noch mal!“

Zehn Minuten später standen sie kleinlaut vor der Tür.

„Mama, kannst Du uns noch mal das Geld geben. Das, hrm, liegt auf dem Küchentisch. Neben den Brötchen. Also unseren.“

Und so machten sie sich auf zum dritten Versuch, die Familie mit morgendlichem Backwerk zu versorgen. Diesmal schafften sie es sogar. Bis auf eine Sorte, aber die, so haben sie mir sehr glaubhaft versichert, war schon ausverkauft. Kunststück, wenn man 40 Minuten braucht um 9 Brötchen zu holen, dann sind die besten Stücke schon weg.

Das Leben ist eben kein Kinderbuch.

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Pyjama vs. Monster

Manchmal frage ich mich, ob meine Kinder nur Dinge tun, damit ich was zu schreiben habe. Vorhin zum Beispiel – da dachte ich mir so, was ich wohl schreiben sollte. Und während ich so nachdachte, fragte mein Sohn, ob er denn seinen tollen, neuen, blauen, schnellen, wahnsinnigen, seit Dienstag nicht mehr aus den Augen gelassenen Racing Car Flanell Schlafanzug anziehen dürfe, den sein Vater ihm heute morgen in seinem Zimmer im Gästezimmer ausgezogen hat, um ihn kindergartenfertig zu machen.

„Klar, hol ihn aus dem Keller.“ Kleine Beine rennen zur Treppe, verweilen, kommen wieder zurück.

„Mama, mußt Du holen, das ist scary.“ Grooooooße Augen.

„Quatsch, mach das Licht an, dann ist es auch nicht dunkel.“ Das meine Kinder auch kein Klischee auslassen müssen.

„Doooooch, das ist scary.“ Die Händchen falten sich, werden unter das kleine Kinn gelegt, die Augen werden, wenn möglich, noch größer.

„Schatz, das mußt Du selbst schaffen.“ Sonst renne ich hier nur noch.

Dreimal rannte er noch zwischen Wohnzimmer und Kellertreppe hin und her, sehr unschlüssig, trappelte hin und her, drehte sich im Kreis bis er tief durchatmete, das Licht anknipste und todesmutig runterging und in Rekordgeschwindigkeit wieder oben. Und war sooooo stolz, als er wieder oben war und holte sich das wohlverdiente Lob ab.

Nun frag ich mich, wenn ein Flanell-Schlafanzug mit kleinen roten Autos drauf eine solch magische Wirkung entfaltet, was würde dann erst eine Carrera-Bahn für Möglichkeiten eröffnen?

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Noch ´ne Theorie

Ich glaub, ich weiß, warum man mit dem Alter immer schlechter hört.

Ich zum Beispiel hatte bis vor kurzen ein richtig gutes Gehör. Oder, wie es mal ein Betriebsarzt formulierte

„Sie sind ja blind wie ein Maulwurf, aber sie hören das Gras wachsen.“.

Meine Ohren wurden auch nicht wirklich schlechter, da ich laute Konzerte gemieden habe und in Diskotheken immer in die leiseste Ecke verschwunden bin, einfach weil ich die Lautstärke nicht ertragen habe.

Dann bekam ich Kinder. Und wenn man denkt, wirklich kleine Kinder schreien laut, dann denkt man falsch. Eine Sechjährige und ein Zweijähriger zum Beispiel haben zusammen in einem Badezimmer durchaus ICE- gefühlte Kampfflugzeuglautstärke. Und zwar gemessen in einem Abstand von etwa 3 Metern. Das ist so unglaublich. Ich habe gerade eben die Kinder geduscht und mir klingeln die Ohren, es ist ist unfassbar. Und meine kleinen Flimmerhärchen haben vorhin spontan eine Reha beantragt.

Was mich zu der nächsten Theorie bringt. Der geduldigste aller Menschen mit meinen Kinder ist mein Opa, also der Uropa der Kinder. Und der ist seit Jahrzehnten zu dreiviertel taub. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es da eine gewisse Korrelation gibt.

Immerhin, wenn das so weitergeht, dann werd ich die sanftmütigste aller Uromas sein. Wenn ich die Kinder bis dahin nicht irgendwann im Affekt aus dem Fenster geworfen habe.

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