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Pyjamaparties und Schokosplit

Es gibt eine Zeit im Leben eines Kindes, da sind Geburtstagsfeiern für die Eltern einfach schön. Das ist so die Zeit um die 9-11 Jahre.

Die Brut rennt nicht mehr mit ihren Freunden schreiend permanent durchs Haus, sie wollen nicht dauernd von Muttern beschäftigt werden, heulen nicht, wenn sie ein Spiel verloren haben und sind einfach nur froh, wenn man ihnen zu Essen, zu Trinken, viel Süsses gibt und sie ansonsten in Ruhe läßt. Sie wollen Limbo tanzen, Gläser bemalen, Filme gucken, Pyjama-Partys machen und fühlen sich ganz unglaublich gut, wenn sie bis halb zwölf alleine unten kichern können, weil Mutter sie ja oben im Bett nicht hört.

Sie sind definitiv noch nicht so weit, dass Jungs dabei sein müssen, der Alk in Massen fließt, man eine Sondertonne für organischen Müll für die Entsorgung der Partyreste braucht, die Nachbarn ob der Lärmbelästigung die Polizei rufen und man auch sonst Angst um Haus und Hof haben muss.

Ich hätte niemals gedacht, dass eine Kindergeburtstagsparty entspannend sein kann. Doch, ja, ich habe gerade entschieden, was Geburtstagsparties angeht bleibt meine Tochter solange 10, bis sie ihre eigene Bude hat und ihr Feten feiern kann. Ich hätte niemals gedacht, dass eine Kindergeburtstagsparty entspannend sein kann.

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Kindergeburtstag heute

Kind Nummer Eins hat in knapp drei Wochen Geburtstag, sie wird 10 und sowas will generalstabsmäßig geplant sein. Das es wieder eine Pyjama-Party wird, ist seit Wochen klar. Wer kommt auch, die Einladungen gehen heute raus. Über das Programm wird noch gebrütet, einzelne Elemente stehen aber schon.

Und das Essen – ja, da ist sie ganz Mutters Tochter.

„Mama, also, es darf nichts sein, was jeder hat. Keine Pommes, kein Schnitzel, keine Nuggets. Und Minipizzen hat jetzt auch jeder Dritte.“ Aha.

„Aha. Und was hast Du Dir so gedacht?“ Mal sehen, was das Kind von Muttern gelernt hat.

„Ach, ich dachte an ein kleines Buffet. Ich hab da schon mal eine Liste gemacht, was da drauf könnte. Geh da doch mal drüber und sag mir, was Du davon hälst. Sooooo, jetzt die Deko…“ Ich gebe zu, das Kind hat ich einigermaßen sprachlos mit der Liste in der Hand zurück gelassen.

Denn nicht nur, dass sie ihre Party wirklich annähernd selbst plant (Buuuhuuhhh, sie war doch gestern erst noch so klein), alles was sie sich ausdenkt ist realistisch und hat Hand und Fuß. Von den Spielen, über den Film bis eben hin zum Buffet. Das im übrigen (in der Reihenfolge): Rohkost, Spieße mit Obst, Hähnchenkeulen und Bulettchen beinhaltet.

Ich denke, ich sollte dem Kind mal den Beruf der Eventmanagerin mal näherbringen.

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Sieben Wochen mehr

Ich will dieses Jahr eigentlich wieder bei der Aktion „Sieben Wochen ohne“ mitmachen. Aber mit „Riskier was, Mensch“ haben sie erneut ein Motto gewählt, dass, gelinde gesagt, nicht meins ist. Ja, ich bin im Grunde ein Mensch, der Sicherheit braucht – also grundsätzliche, der Autor kann ein Lied davon singen, wenn ich regelmäßig in den Hypothkenmonaten anfange zu jammern, dass wir alle unter einer Brücke enden werden. Wenn es aber um die kleinen Risiken im Leben geht – noch mehr davon einzugehen wäre weder für die Kinder noch für mich gesund.

Das Motto dann also eher nicht. Aber es geht ja darum, etwas zu tun, was man sonst nicht macht. Etwas zu tun, was einem durchaus schwer fällt. Worüber man jeden Tag nachdenken muß. Und deswegen habe ich beschlossen, ich mache mein „Sieben Wochen mehr“.

Mit mehr Zeit für mich. Das beinhaltet mehr Sport, mehr Entspannung, mehr Bewußtsein für mich oder kurz: Mehr ich. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich mich von vorne bis hinten bedienen lassen werde – wobei, wenn meine Familie das tun würde, würde ich mich jetzt nicht mit Händen und Füßen sträuben. Aber ich bin gerade in einer Situation, in der der emotionale Stress ein normales Maß erreicht hat, der berufliche aber gerade höher ist als in den letzten 10 Jahren. Das ist nichts, was sich nicht mit einem guten Zeitmanagement in den Griff kriegen ließe.

Und dafür habe ich mir die Zeit bis Ostern ausgesucht. Denn nur wenn es mir gut geht, körperlich und seelisch, geht es auch meiner Familie gut. Aber da man ja immer eher an sich selbst knapst als an allem anderen, merkt man es oft viel zu spät, selbst wenn man drauf aufmerksam gemacht wird. Meist geht einem erst ein Licht auf, wenn die Kinder am Rad drehen und das brauche ich nicht.

Also wird jetzt sieben Wochen lang eine Stunde am Tag nur mir gehören, die ich ganz bewußt für mich verbringen werde. Ob nun mit Sport, mit bewußtem Lesen oder das zu kochen, was ich immer schon wollte aber ausser mir hier keiner ißt – es ist meine Stunde. In der wird nicht gearbeitet, nicht aufgeräumt, geputzt oder sie einfach nur so verdaddelt. Damit ich diese Stunde aber habe, muß ich sie mir freischaufeln. Und das wiederum beinhaltet zu schauen, wieviel Zeit ich für unnützes Zeug verplempere – wie gesagt, ein gutes Zeitmanagement wird von Nöten sein. Und ja, ich werde zumindest ab und an auch mal „Nein“ zu Autor und der Brut sagen müssen. Und nicht gleich hier schreien, wenn irgendeine freiwillige, ehrenamtliche Tätigkeit vergeben wird.

Ob ich das schaffe? Mal schauen, wir werden sehen.  Aber so lange ist es ja nicht bis Ostern. Das klappt schon. Irgendwie.

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Enterbung auf Westfälisch

Als ich die Tage mit meinem Sohn in der alten Heimat war, wußte ich, was kommen wird. Kind Nummer Zwei hat nämlich ein Fußballtrikot von den Nachbarn geschenkt bekommen. Und tat das Opa stolz kund.

„Opa, Opa ich spiel doch jetzt Fußball und ich hab schon ein Trikot bekommen. Das ist rot und das gehört nämlich Schweinsteiger!“ Kind ist ganz aufgeregt, Opa frieren die Gesichtszüge ein. Ein langer, langer Blick zu mir, der da besagt, dass er gerade erwägt, sein Testament zu ändern.

„Guck mich nicht an, ich hab nichts damit zu tun!“ Der Possumvater bekommt seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle und wendet sich wieder liebevoll dem Enkel zu.

„Weißt Du was, mein Schatz, der Opa geht mit Dir morgen los und kauft Dir ein echtes Trikot. Eins von Schalke. Und eine Hose dazu.“ Kurze Pause. „Oder komm, wir fahren jetzt eben noch schnell los!“ Es war kurz vor 18 Uhr, aber für solcherlei Notfälle hält das Sportgeschäft dort gerne etwas länger auf.

Die Tatsache, dass das Kind eine Stunde später ganz in blauweißem Gasprom Dress fragte, in welchem Land denn eigentlich Schalke liegt, hat Opa dann GöttinseiDank nicht mehr mitbekommen. Sonst wäre meine Altersvorsorge dahin gewesen.

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Mit Irokesen in den Sommer

Wir waren gestern beim Friseur, die Kinder und ich. Das ist immer ein wenig tricky, denn Kind Nummer Eins will sich die Haare nie schneiden lassen, sie will sie „lang“ haben. Was ok ist, aber lang ist eben auch fusselig, wenn sie nicht gepflegt werden. Mein Sohn hingegen hat sehr genaue Vorstellungen. Er sieht sich Frisuren von kleinen Jungen an, kombiniert dann drei zusammen und will das dann auf seinem Kopf. Man merkt, es hat im Vorfeld Diskussionen und Beratungen gegeben. Viele Diskussionen und Beratungen.

So sind wir dann also gestern los. Mir tat die Fris…Hairstylistin ja schon ein wenig leid. Tochterkind sagte was sie wollte, suchte sich eigenständig ihre neue Kunsthaarsträhne aus und Mutter lehnte sich entspannt zurück. Nach einem kurzen Kontrollblick zu mir, fing die Haardame an zu schneiden. Erstes Gewisper bei den älteren Damen im Salon wurde hörbar.

Das wurde dann lauter, als mein Sohn dran kam. Der erklärte nämlich sehr deutlich vernehmbar, dass er Stacheln auf dem Kopf wolle und zeigte mit seinen – kindergartendreckigen – Händen, wie der Iro auszusehen hätte. Die Friseuse zeigte schnelles Lernpotential und konzentrierte sich vollkommen auf Kind Nummer Zwei, in der Hoffnung, ich würde schon einschreiten, wenn er etwas völlig Erziehungsinkompatibles fordern würde. Als die beiden bei der Diskussion 16 oder 12mm (nicht, dass mein Sohn sich darunter was vorstellen konnte, aber darum ging es auch gar nicht) angekommen waren, war das Gewisper bei

„Also ich finde ja, bei Kindern in dem Alter kann ruhig noch die Mutter entscheiden“ angekommen.

Nö. Finde ich nicht. Ich finde, Kinder können gar nicht früh genug damit anfangen, sich ihres eigenen Körpers bewußt zu sein und zu verstehen, dass das, was damit passiert ihre eigene Entscheidung ist. Gut, alles hat Grenzen, ich werde meiner 13jährigen dereinst mit Sicherheit keine Erlaubnis für ein rückendeckendes Tattoo geben – eigener Körper hin oder her. Aber Haare sind etwas Reversibles. Und wenn es meiner Meinung nach häßlich ist, dann habe ich immer noch die Hoffnung, dass es dem Kinde irgendwann auch auffällt und man es dann sehr schnell ändern kann. Eigene Entscheidungen zu treffen heißt eben auch, Verantwortung dafür für sich selbst zu übernehmen und auf seinen Körper aufzupassen.

Und wenn eine blaue Strähne oder ein Gel-Iro die Schritte auf diesem Weg sind, dann geh ich die eben mit. Und style meinem Sohn ab morgen dann eben jeden Tag die Haare, damit er nicht noch eine Nacht im Sitzen schlafen muss, wie er heute morgen empört bemerkte. Weil seine

„Spikes auf dem Kopf doch sonst vom Kissen platt gedrückt werden, Mama!“

Womit wir auch gleich die erste Lernerfahrung hinter uns haben. Ich geh dann mal Gel kaufen.

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Neues aus dem Lazarett

Ich hasse es, wenn ich recht habe.

Nehmen wir zum Beispiel den Autor. Seit knapp drei Wochen hat der Mann Knieprobleme – im Sinne von auf Krücken laufen, ein auf das Doppelte angeschwollene Beinmittelteil und „Ah, aufpassen, das Knie“ in Dauerschleife auf den Lippen.

Aber geht der Mann zum Arzt? Nein, geht er nicht. Es sei nur das Knie, das wäre ein Gelenk, das dauere eben. Auch diverse Rückfälle, veranlaßten den Mann nicht, zum Arzt zu gehen. Muß ich sagen, dass ich von Tag eins an jeden Tag drei Mal zuerst sanft, dann nicht mehr ganz so sanft, vorschlug doch vielleicht mal einen Orthopäden aufzusuchen? Muß ich sagen, dass eben jenes erst sanft, dann nicht mehr ganz so sanft abgetan wurde? Und muß ich sagen, hätte ich diese Beschwerden – so schnell hätte ich gar nicht gucken können, wie ich von ihm in ein Wartezimmer teleportiert worden wäre?

Gestern war es dann soweit – da war das Knie nämlich nicht mehr nur dick und unbeweglich, es tat auch weh. Also habe ich dann beschlossen, dass genau jetzt die orthopädische Notfallambulanz angesagt ist. Und nein, wir warten nicht bis morgen früh. Nein, ich lasse auch nicht mehr mit mir handeln. Und siehe, es war wohl getan – so ein Innenmeniskus ist kein Ding, mit dem sich spaßen lässt.

So. Nämlich. Wer hatte recht? Ich hatte recht.

Was ganz anderes ist das natürlich, dass ich mal ebenfalls mal zum Orthopäden müßte. Meine Rückenschmerzen morgens werden ja nicht wirklich besser. Aber das geht gerade gar nicht – und so schlimm ist es ja auch nicht. Meistens.

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Santa Claus is coming – hopefully

Eigentlich hatte ich ja gedacht, die Sache mit Christkind und Santa Claus und Weihnachtsmann sei bei Kind Nummer Eins durch. Ich meine, hey, sie ist fast neun und in der dritten Klasse. Aber so ganz weiss sie nun auch noch nicht.

„Mama, Mama gab es eigentlich früher mal den Weihnachtsmann?“ Kein doofer Ansatz.

„Wie kommst Du denn darauf, dass es ihn heute nicht mehr gibt?“ So leicht tappe ich dann nicht in die Falle.

„Ach Mama, komm schon, ich weiß doch, dass es ihn nicht gibt!“ Brustton der Überzeugung.

„Oh, wirklich? Da mußt Du Dir dann aber schon sehr sicher sein – ist ja bald Weihnachten!“ Und jetzt lachen wir beide alle miteinander – dachte ich. Doch weit gefehlt. Kind guckt mich kurz unsicher an und wechselt dann sofort das Thema.

„Was machst Du mir heute eigentlich auf´s Brot zum Mitnehmen?“ Okeeee, noch ein Jahr gewonnen. Wenigstens ein kleines bißchen.

Es sind die kleinen Dinge, die Weihnachten schön machen.

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